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Paul Gévaudan (Paderborn)



Typen der Wortverbindung und ihre Bezeichnung



Types of word combination and their designation
This article discusses two problems: at one hand it asks for systematic criteria of word combinations and on the other hand it demonstrates the contradictory terminologies in use. So, the study of well known and presumably well defined terms like idiom, collocation, phraseme, phraseology (including the terms phraselogism and phraseologic unit), compound reveals important divergences in their usage within different currents of linguistics. These divergences concern its largely independent from different national traditions (for instance, many concerned publications are written in English, Russian, German, French, and Spanish). On the basis of the prosposition of coherent criteria of fixedness and a reconsideration of semantic caracteristics of word combination, the article reveals the main problems of the actual terminologic situation and proposes a disambiguation of the analysed terms.


0. Zwischen Grammatik und Wortschatz von Sprachen gibt es einen nicht unerheblichen Überlappungsbereich, zu dem besonders frequente Wortkombinationen gehören, die eine heterogene Gruppe mehr oder weniger deutlich voneinander abgrenzbarer Phänomene bilden. Für diese unterschiedlichen Phänomene stehen auch unterschiedliche und unterschiedlich gebrauchte Bezeichnungen zur Verfügung. Die häufigsten Termini in diesem Bereich sind Phrasem, Phraseologie (auch als Phraseologismus oder phraseologische Einheit bezeichnet), Kollokation, Idiom und Komposition (Kompositum). Da die Verteilung dieser Bezeichnungen auf die damit zu bezeichnenden Phänomene aufgrund verschiedener Traditionen in der quantitativen (statistisch arbeitenden) Linguistik, der Phraseologie- und Kollokationsforschung sowie in den einzelsprachbezogenen Sprachwissenschaften variiert und dadurch für Studierende und angehende Lehrer ziemlich undurchsichtig sind, soll an dieser Stelle zumindest eine Klärung der terminologischen Probleme vorgenommen werden. Dies kann natürlich nur auf der Grundlage einer kohärenten Systematik erfolgen, die auf eindeutigen Kriterien beruht, wobei diese Kriterien adäquat und dem Untersuchungsgegenstand angemessen sein müssen.

0.1. Von ihrer etymologischen Bedeutung her betrachtet besagt die Bezeichnung Kollokation zunächst nichts anderes als 'Zusammenstellung', also dass zwei oder mehr Wortformen häufig beieinanderstehen. Komposition wiederum heißt wörtlich 'Zusammensetzung', wobei man den Terminus Komposition für das Verfahren der Zusammensetzung von Wörtern gebrauchen und den Terminus Kompositum für das Ergebnis der Wortzusammensetzung reservieren kann. Schließlich besagt der Ausdruck Phrasem, etymologisch gesehen lediglich, dass eine so bezeichnete sprachliche Einheit syntagmatischen Charakter hat. Da wir es mit gesetzten Termini aus einschlägigen Forschungsrichtungen zu tun haben, ist die etymologische Bedeutung der in Frage stehenden Termini im Grunde irrelevant. Vielmehr kommt es in diesem Zusammenhang auf eine Konsistente Definition der Begriffe und auf eine endeutige Terminologie. Dies ist auch der Zweck der folgenden Überlegungen.


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0.2. Es geht hier um denjenigen Überlappungsbereich zwischen Lexikon und Grammatik, der durch das gemeinsame, hinreichend frequente und daher statistisch signifikante Vorkommen von mindestens zwei oder mehreren konkreten Wortformen gekennzeichnet ist. Dieses empirische, korpuslinguistisch zu überprüfende Kriterium kann man mit der Bezeichnung Kookkurrenz erfassen. Andere sprachliche Sachverhalte oder sprachwissenschaftliche Konzepte, die an der Schnittstelle von Lexikon und Grammatik zu diskutieren sind, wie etwa Valenzphänomene oder die ambivalente Kategorienbildung zur Erfassung der Wortarten, werde ich an anderer Stelle diskutieren. Im Hinblick auf die zu diskutierenden Kriterien sei an dieser Stelle noch angemerkt, dass vollständige Sätze, wie etwa in Sprichwörtern ebensowenig Berücksichtigung finden wie morphologische Zusammensetzungen (Komposita).

1. In der Phraseologie-Forschung werden häufig drei Kriterien genannt, mit denen sich phraseologische Wortverbindungen erfassen lassen: (α) Polylexikalität, (β) Festigkeit und (γ) Idiomatizität (vgl. etwa Burger 1998: 14f.). Diese Kriterien spielen auch für die folgenden Überlegungen eine wesentliche Rolle, denn es geht hier zunächst darum, einen Kriterienkatalog für verschiedene Grade der Festigkeit von statistisch messbaren Kookkurrenzen zu entwickeln. Insofern als die Festigkeit von Kookkurrenzen Polylexikalität voraussetzt, muss man feststellen, dass das Ausgangskriterium der Kookkurrenz das Vorliegen von Polylexikalität impliziert (α => β). Der Begriff der Idiomatizität wird einerseits mit übertragenen Bedeutungen (rhetorische Figuren wie Metonymie, Metapher, Allegorie) in Zusammenhang gebracht, andererseits aber auch als Eigenschaft einer "durch die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht voll erklärbaren Einheit" (Burger 1998: 15) betrachtet. In dieser zweiten Auslegung wird Idiomatizität, wie in Abschnitt 1.2. erläutert wird, zu einem Kriterium der Festigkeit.

1.1. Wie bereits erwähnt ist unser Ausgangskriterium die statistisch messbare Kookkurrenz von Wörtern. Beispielsweise weisen die folgenden Aufeinanderfolgen von Wörtern eine gewisse Frequenz auf:

(1)
(a) fr. est un 'ist ein'
(b) sp. es un 'ist ein'

(2)
(a) fr. fermer la porte 'die Tür schließen'
(b) sp. cerrar la puerta 'die Tür schließen'


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Die Kookkurrenzen in (1) scheinen eher zufälligen Charakter zu haben, denn sie sind, im Gegensatz zu den Kookkurrenzen in (2), nicht bedeutungshaltig. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Wortfolgen in (1) unvollständige Satzglieder beinhalten. Entscheidend ist jedoch nicht die grammatisch-funktionale Ebene der Satzglieder, sondern die semantische Ebene der Bedeutung, das heißt in diesem Fall der Sinnhaftigkeit. In der Sprachwissenschaft hat man sich bislang eher für statistisch signifikant vorkommende sinnhafte Wortfolgen wie in (2) interessiert. Man kann bei diesen Wortfolgen aufgrund ihrer Sinnhaftigkeit auch von Wortverbindungen sprechen. Bei nicht sinnhaften Kookkurrenzen wie in (1) könnte man eher von Wortnachbarschaften sprechen. Dadurch, dass sie semantische Einheiten (Blöcke) bilden, ist die Festigkeit von sinnhaften Kookkurrenzen höher als die von nicht sinnhaften Kookkurrenzen. Vor diesem Hintergrund können bereits drei Kriterien im Hinblick auf die Festigkeit von Wortkombinationen identifizieren: I kookkurrent, II.a –sinnhaft, II.b +sinnhaft. Dadurch ergibt das folgende Begriffssystem:

Nur die Fälle in (2) fr. fermer la porte / sp. cerrar la puerta erfüllen das Kriterium der Sinnhaftigkeit (II.b +sinnhaft). Sie bilden eine sinnvolle Einheit und stellen damit bedeutungshaltige Wortverbindungen dar. Dagegen sind die Kookkurrenzen in (1) fr. est un / sp. es un nicht bedeutungshaltig und in dieser Hinsicht nicht sinnvoll (II.a –sinnhaft).

1.2. Sofern das Kriterium der Sinnhaftigkeit (+sinnhaft) erfüllt ist, gibt es zwei verschiedene Arten der Erzeugung von Bedeutung in der Wortverbindung, je nachdem ob sich diese Bedeutung aus der freien Kombination der Bedeutungen der Komponenten ableiten lässt, wie dies in den Beispielen unter (2) der Fall ist, oder nicht, wie in den Beispielen unter (3):

(3)
(a) fr. exercer une fonction 'eine Funktion ausüben'
(b) sp. desempeñar una función 'eine Funktion ausüben'

Die Bedeutung dieser Wortverbindungen ist zunächst einmal als idiomatisch einzustufen, weil die Verben exercer und desempeñar in diesen Konstruktionen als Funktionsverben fungieren, die dem folgenden Substantiv einen prädikativen Rahmen liefern. Dadurch werden diese Verben zu einem gewissen Grad auxiliar und tragen nicht in vollem Umfang ihrer Ursprungsbedeutung zur Gesamtbedeutung der Fügung bei (es würde ja reichen, 'eine Funktion haben' zu sagen). Wortverbindungen, deren Bedeutungen nicht vollständig aus den Bedeutungen der beteiligten Einzelwörter ableitbar sind, bezeichnet man als idiomatisch. In Wortverbindungen wie in (2) lässt sich die Bedeutung dagegen problemlos aus der Bedeutung ihrer Komponenten ableiten – ein 'weißes Hemd' ist ein 'Hemd' und 'weiß', weshalb man in diesen Fällen von kompositioneller Bedeutung sprechen kann.


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Im Rahmen unseres Begriffssystems können wir nun fünf Kriterien unterscheiden: I kookkurrent, II.a –sinnhaft, II.b +sinnhaft, III.a kompositionell und III.b idiomatisch. Daraus ergibt sich das folgende Begriffssystem:

Idiomatische Wortverbindungen wie in (3) fr. exercer une fonction / sp. desempeñar una función erfüllen die Kriterien der Kookkurrenz (I), der Sinnhaftigkeit (II.b) und der Idiomatizität (III.b). Im Gegensatz dazu erfüllen kompositionelle Wortverbindungen wie in (2) die Kriterien der Kookkurrenz (I), der Sinnhaftigkeit (II.b) und der Kompositionalität (III.a).

Wenn Burger (1998: 15), wie oben zitiert, Idiomatizität gegeben sieht, wenn eine Wortverbindung aufgrund von "syntaktischen und semantischen Regularitäten […] nicht voll erklärba[r]" ist, dann muss man präzisieren, dass neben der Nicht-Kompositionalität der Bedeutung (semantische Idiomatizität) auch die Selektion der Elemente (formale oder "syntaktische" Idiomatizität) für die Idiomatizität definitorischen Charakter hat. Man betrachte die folgenden Übersetzungsäquivalenzen aus dem Deutschen, Französischen und Spanischen:

(4)
(a) dt. sich Notizen machen
(b) fr. prendre des notes
(c) sp. tomar apuntes

Hier könnte man als advocatus diaboli damit argumentieren, dass diese Wortverbindungen kompositionell sind, da man durch Kenntnis der Konstituenten die Bedeutung der Fügungen problemlos verstehen kann. Darüber könnte man notfalls diskutieren. Aber klar ist, dass man auf Deutsch nicht *Notizen (auf)nehmen sagen kann, im Französischen nicht *se faire des notes und im Spanischen auch nicht y *hacerse notas, obwohl beide Konstituenten semantisch passen würden und auch verständlich wären. Es geht hier eben vielmehr um ein formales Kriterium der Selektionsrestriktion, also der Einschränkung der Auswahl des lexikalischen Materials. Es gibt in der Norm dieser Sprachen eine Bedeutung 'sich Notizen machen', die man nur mit einer bestimmten Wortkombination ausdrücken kann. Das ist auch Idiomatizität. Und gerade auch in dieser Hinsicht ist Idiomatizität ein Kriterium der Festigkeit.


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1.3. In einem weiteren Schritt können wir zwischen syntaktisch variablen und invariablen idiomatischen Wortverbindungen unterscheiden. Betrachten wir zunächst anhand des vorangegangenen Beispiels, inwiefern Wortverbindungen dieser Art variabel sein können:

(5)
(a) fr. Jean exerce une nouvelle fonction '[wörtlich: Jean eine neue Funktion aus]'
(b) sp. Juan desempeña una nueva función '[wörtlich: Juan erfüllt eine neue Funktion aus]'

Dass man die Substantive in den Wortverbindungen aus (3) mit eingeschobenen Adjektiven wie nouvelle und nueva, wie unter (5) vorgeführt, attributiv modifizieren kann, belegt, dass diese Wortverbindungen syntagmatisch variabel sind. In Beispiel (6) werden dagegen Wortverbindungen aufgeführt, die syntagmatisch invariabel oder, anders ausgedrückt fest sind:

(6)
(a) fr. prendre en considération 'in Betracht ziehen'
(b) sp. tomar en consideración 'in Betracht ziehen'

Unser Begriffssystem umfasst nun sieben Kriterien: I kookkurrent, II.a –sinnhaft, II.b +sinnhaft, III.a kompositionell, III.b idiomatisch, IV.a syntagmatisch variabel und IV.b syntagmatisch invariabel. Dies kann man wie folgt graphisch zusammenfassen:


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Syntagmatisch variable idiomatische Wortverbindungen wie in (3) fr. exercer une fonction / sp. desempeñar una función erfüllen die Kriterien der Kookkurrenz (I), der Sinnhaftigkeit (II.b), der Idiomatizität (III.b) und der syntagmatischen Variabilität (IV.a). Im Vergleich dazu weisen syntagmatisch invariable Wortverbindungen wie in (6) fr. prendre en considération / sp. tomar en consideración die Kriterien der Kookkurrenz (I), der Sinnhaftigkeit (II.b), der Idiomatizität (III.b) und der syntagmatischen Invariabilität (IV.b) auf.

1.4. Auf dieser Grundlage können wir zudem noch zwischen paradigmatisch variablen und paradigmatisch invariablen Wortverbindungen unterscheiden. Paradigmatische Variabilität liegt vor, wenn eine Wortverbindung als Satzglied nur durch Hinzufügung eines weiteren Worts und / oder durch morphologische Konkretisierung sinnvoll verwendet werden kann. Im Zusammenhang mit der syntagmatischen Variabilität der Wortverbindungen in (3) fr. exercer une fonction / sp. desempeñar una función, die wir in den Anwendungen in (5) fr. Jean exerce de nouvelles fonctions / sp. Juan desempeña nuevas funciones gesehen haben, zeigt sich, dass diese Wortverbindungen auch paradigmatisch variabel sind, da ihre Verwendung jeweils ein Subjekt (Jean resp. Juan) erfordert. Hier muss eine Leerstelle, ein Slot, gesättigt werden. Mit dem eingesetzten Subjekt ergibt sich zudem die morphologische Konkretisierung der Verbform durch Konjugation. Nicht nur syntagmatisch variable (IV.a), sondern auch syntagmatisch invariable Wortverbindungen (IV.b) können paradigmatisch variabel sein, wie die Beispiele in (6) fr. prendre en considération / sp. tomar en consideración belegen, die neben der unveränderlichen Wortfolge zwei zu besetzende Leerstellen mit sich bringen: das Subjekt und das direkte Objekt. Syntagmatisch invariable Wortverbindungen können auch paradigmatisch invariabel sein, wie es etwa in den folgenden Beispielen (7) der Fall ist:

(7)
(a) fr. vin blanc 'Weißwein'
(b) sp. vino blanco 'Weißwein'


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Diese Wortverbindung ist idiomatisch ('Weißwein' ist nicht 'weiß', wie etwa Milch) und syntagmatisch invariabel (fr. nicht *vin frais blanc, aber vin blanc frais; sp. nicht *vino fresco blanco, aber vino blanco fresco 'kühler Weißwein'). Sie ist auch paradigmatisch invariabel, denn es gibt keine Leerstelle, in die man ein weiteres Wort einfügen müsste. Im Gegensatz zu den verbalen Wortverbindungen in den Beispielen (3) und (6), die vervollständigt werden müssen, um ihre typischerweise prädikative Funktion zu erfüllen, bedarf es für die nominale (benennende bzw. referierende) Funktion der Wortverbindungen in (7) keiner obligatorischen Ergänzung durch ein weiteres Element. Dasselbe gilt für weitere nominale Wortverbindungen, die aufgrund ihrer internen Zusammensetzung durch eine Präposition (8) und gegebenenfalls einem zusätzlichen Artikel (9) verbunden sind:

(8)
(a) fr. maison de campagne 'Landhaus'
(b) sp. casa de campo 'Landhaus'

(9)
(a) fr. président de la république 'Staatspräsident'
(b) sp. presidente del gobierno 'Premierminister'

Generell haben paradigmatisch invariable Wortverbindungen einen stärkeren Wortcharakter als paradigmatisch variable Wortverbindungen. Sie lassen sich in der Regel leichter einer Wortart zuordnen, wie in den adjektivischen Fügungen in (10) und den adverbialen Syntagmen in (11):

(10)
(a) fr. noir et blanc 'schwarzweiß'
(b) sp. blanco y negro 'schwarzweiß'

(11)
(a) fr. par erreur 'aus Versehen'
(b) sp. por error 'aus Versehen'

Unser Begriffssystem umfasst nun neun Kriterien: I kookkurrent, II.a –sinnhaft, II.b +sinnhaft, III.a kompositionell, III.b idiomatisch, IV.a syntagmatisch variabel, IV.b syntagmatisch invariabel, V.a paradigmatisch variabel und V.b paradigmatisch invariabel. Bei den paradigmatisch variablen Wortverbindungen müssen wir noch unterscheiden zwischen solchen, die zugleich syntagmatisch variabel (V.aa), und solchen, die zugleich syntagmatisch invariabel sind (V.ab). Man kann diese Begriffsstruktur wie folgt schematisieren:


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Auf der Grundlage der hier diskutierten Kriterien kann man die folgende Skala der Festigkeit von Kookkurrenzen annehmen (das Zeichen "<" steht für 'kleiner/geringer als'):

(12) II.a < III.a < IV.a < V.aa < V.ab < V.b

Wortverbindungen, die das Kriterium V.b erfüllen, wie die Beispiele (7)–(11) zeigen, entsprechen auch dem Kriterium IV.b. Das heißt: V.b impliziert (=>) IV.b.

Es bleibt noch anzumerken, dass das Kriterium V.b eine Schnittstelle zu morphologischen Komposita bildet. Wenn wir uns etwa die deutsche Übersetzung der Beispiele in (7) anschauen, stellen wir fest, dass Weißwein ein morphologisches Kompositum ist, das auch oberflächlich nicht mehr der syntaktischen Kombinatorik entspricht, die wir hier für Wortverbindungen annehmen. Gemäß der syntaktischen Bildungsregeln müsste man weißer Wein sagen. An anderer Stelle könnte man aber durchaus darüber nachdenken, ob man die Festigkeitsskala über diese Grenze hinaus fortschreiben kann.


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2. Die hier angeführten Kriterien und ihre kohärente Anordnung dienen einer soliden Klassifikation der Festigkeit empirisch ermittelter Kookkurrenzen freier Formen (entsprechend Kategorie I). Neben dem Frequenzkriterium der Kookkurrenz werden zwei sehr allgemeine semantische Kriterien überprüft. Das Kriterium der Semantizität (Sinnhaftigkeit entsprechend Kategorie II.b) dient der Ermittlung der Satzgliedfähigkeit von Wortverbindungen, denn Satzglieder haben für sich genommen stets auch eine Bedeutung. Ob nicht sinnvolle, aber dennoch frequente Kookkurrenzen von Wörtern – wie in Beispiel (1) – interessante Auswertungen nach sich ziehen können, ist schwer zu sagen, wäre aber Gegenstand einer statistisch-quantitativen Fragestellung, die den grammatiktheoretischen Rahmen der hier angestellten Überlegungen sprengen. Dagegen kann man bei ausreichender Häufigkeit und Sinnhaftigkeit des gemeinsamen Vorkommens von Wörtern bereits von einer Vorstufe der Festigkeit sprechen, also demjenigen Phänomen, das aus einer Wortverbindung mehr als nur ein syntaktisches Gebilde macht und diesem in einem gewissen Maß auch einen lexikalischen Anstrich gibt.

Die nächste Stufe der Festigkeit beruht auf dem Kriterium der Idiomatizität (entsprechend III.b). Wir haben in Abschnitt 1.2. gesehen, dass Idiomatizität nicht als ein bloß semantisches, sondern auch als ein formales Kriterium definiert werden muss. Spätestens von dieser Stufe an kennzeichnet Festigkeit den Überlappungsbereich zwischen Syntax und Lexikon: Je fester eine Wortverbindung, desto lexikalischer ist sie. Die weiteren Stufen der Festigkeit hängen von syntaktischen Kriterien ab. Die syntagmatische Invariabilität (entsprechend IV.b) betrifft die Festigkeit der syntaktischen Einbindung der Konstituenten in der Wortverbindung, während die paradigmatische Invariabilität (entsprechend V.b) jegliche Valenzeffekte ausschließt, bei denen die Wortverbindung nur unter Hinzufügung weiterer Konstituenten im Satz gebraucht werden kann.

2.1. Die hier vorgestellten Kriterien zur Klassifizierung von Kookkurrenzen von Wörtern fügen sich zu einem Begriffssystem, in dem sie jeweils in Opposition zueinander stehen. Ungeachtet dieser klaren begrifflichen Abgrenzungen ist es im Rahmen konkreter Untersuchungen nicht immer einfach zu entscheiden, ob ein Kriterium erfüllt ist oder nicht. Dies zeigt sich etwa bei der Frage, ob Wortverbindungen wie dt. sich die Zähne putzen, engl. to brush one's teeth, fr. se laver les dents oder sp. lavarse los dientes kompositionell oder idiomatisch sind. Oder bei der Bestimmung der syntagmatischen Variabilität eben dieser Wortverbindungen (ist "Brush all your teeth at the gum line and above or below the braces"1 eine Variante der englischen Wortverbindung oder lediglich eine unabhängige, von der technischen Beschreibung motivierte, freie Wortkombination?). Ferner kann man sich Gedanken über die Graduierbarkeit der den Kriterien zugrunde liegenden Eigenschaften machen. So stellen sich die Fragen, ob eine Wortverbindung syntagmatisch variabler sein kann als eine andere, wenn mehr Einschübe möglich sind (sp. se lava meticulosamente los dientes vs. desempeña desde ayer unas nuevas funciones),2 und ob eine Wortverbindung paradigmatisch variabler sein kann als eine andere, wenn sie die Sättigung von mehr Leerstellen erfordert (fr.[x] faire l'impasse [sur y] 'etw. auslassen' vs. [x] faire faillite 'Pleite gehen').


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2.2. Das der Festigkeitsskala zugrundeliegende Begriffssystem lässt sich von den Grundprinzipien einer deskriptiven und zugleich integralen Syntax ableiten, die ein beliebiges Syntagma aufgrund von zwei binären Dimensionen analysiert: In der kombinatorischen Dimension hat ein Syntagma interne und externe Eigenschaften, in der semiotischen Dimension eine formale und inhaltliche (semantische) Dimension. Aus der Kreuzung dieser binären Unterscheidungen ergeben sich vier Grundeigenschaften: (i) die syntaktische Konstituenz (intern)3 und (ii) die syntaktische Funktion (extern) auf der formalen Ebene sowie (iii) die Bedeutung (intern) und (iv) die semantische Funktion auf der semantischen Ebene (vgl. Gévaudan 2013, 2014).4

Das erste dem statistischen Befund der Kookkurrenz folgende Kriterium der Sinnhaftigkeit oder Semantizität (II.b) überprüft, wie bereits erwähnt, die Satzgliedfähigkeit der Kookkurrenz und steht damit im Zusammenhang mit der syntaktischen Grundeigenschaft (ii), der syntaktischen Funktion.5 Das logisch darauffolgende Kriterium der Idiomatizität (III.b) bezieht sich dagegen auf die Diskrepanz zwischen der Bedeutung der Konstituenten (iii) und deren Beitrag zur Gesamtbedeutung der Wortverbindung, also deren semantische Funktion (iv). Eine solche Diskrepanz ist bei kompositioneller Bedeutung (III.a) nicht zu beobachten. Beim Kriterium der syntagmatischen Variabilität (IV) geht es um die rein formale Frage, ob die Konstituentenstruktur (i) einer Wortverbindung variabel (IV.a) oder invariabel (IV.b) ist, während sie beim Kriterium der paradigmatischen Variabilität (V) zu ergänzende Satzglieder betrifft, die durch ihre je spezifische syntaktische Funktion (ii) gekennzeichnet sind.

2.3. Die Kriterien der Sinnhaftigkeit/Semantizität und der Idiomatizität sind zwar semantischer Natur, entspringen aber, wie oben verschiedentlich erläutert, einer formalen Betrachtungsweise auf die Festigkeit der Kookkurrenz von Wörtern, denn es geht ja letztendlich darum, inwiefern Kookkurrenzen den allgemeinen syntaktischen Regeln der freien Kombinierbarkeit entsprechen beziehungsweise inwieweit sie diese durch Konventionalisierung, die im Extremfall den Charakter lexikalischer Einheiten annehmen, unterlaufen. Sobald Kookkurrenzen sinnhaft sind (II.b), geht es aus syntaktischer Perspektive um die Einschränkung der freien Kombinatorik – oder, anders herum formuliert, um die Festigkeit von Wortverbindungen. Weitere denkbare semantische Kriterien, die in der Kollokations- und Phraseologieforschung diskutiert werden, sind im hier diskutierten Modell nicht integriert worden, weil sie keine eindeutigen Auswirkungen auf die Festigkeit haben. Sie sollen aber im Folgenden kurz erläutert werden.

2.3.1. Im Wesentlichen geht es bei weiteren semantischen Kriterien um Effekte, die auf rhetorische Figuren beruhen. Durch die figurative Verwendung und Interpretation von Konstituenten und / oder der gesamten Wortverbindung wird die Wortverbindung oft semantisch expressiver und auffälliger; hinzu kommt in manchen Fällen ein allegorischer Charakter (vgl. Gévaudan 2008). Man kann dies anhand der folgenden Beispiele erläutern:

(13)
(a) Jean a mis sa valise sur le lit 'Jean hat seinen Koffer aufs Bett gelegt'
(b) Jean a mis une chemise 'Jean hat ein Hemd angezogen'
(c) Jean a mis la table 'Jean hat den Tisch gedeckt'
(d) Jean a mis en scène une comédie 'Jean hat eine Komödie inszeniert'
(e) Jean a mis les pieds dans le plat 'Jean ist ins Fettnäpfchen getreten'
(f) Jean met les pieds sous la table 'Jean lässt sich bedienen'


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In (13)(a) und (13)(b) kann man unschwer Beispiele von komponentieller und idiomatischer Bedeutung im Sinne von III.a und III.b erkennen. Für das Ankleiden kann man das deutsche Verb anziehen stilistisch unauffällig nur durch das französische Verb mettre wiedergeben, das in diesem Kontext valenzreduziert (das Präpositionalobjekt mit der Zielbeschreibung fällt weg) und mit spezifischer Bedeutung gebraucht wird. Gleichzeitig ergibt sich die Vorstellung des spezifischen Vorgangs aus der voll eingebrachten Bedeutung des Substantivs chemise 'Hemd'. Die Idiomatizität der Wortverbindung mettre une chemise hängt mit der Verwendung des Verbs mettre zusammen, die so nicht vorhersagbar ist. Dennoch ist diese Verwendung nicht figurativ, denn die Wortverbindung ist ohne weiteres verständlich.

Im Gegensatz dazu haben wir es in (13)(c) und (13)(d) mit figurativen Verwendungen der Konstituenten zu tun. Im Fall von (13)(c) muss man feststellen, dass Jean nicht den Tisch irgendwohin gelegt hat, sondern das Besteck auf den Tisch. Dass la table in mettre la table in die Position des direkten Objekts rückt, während das Besteck nur noch mitverstanden wird, ist die typische Konstellation einer Metonymie und damit eindeutig figurativ. In (13)(d) haben wir es mit einer Metapher zu tun, denn das Übertragen (mettre) des Textes einer Komödie in ein Theaterstück (en scène) ist nicht mehr mit dem physischen Versetzen eines Gegenstandes an einen bestimmten Ort zu vereinbaren. Es wird lediglich das räumliche Schema eines solchen Vorgangs als Vergleichsmotiv für eine metaphorische Ausdrucksweise aufgegriffen und ist ebenfalls figurativ.

Eine weitere semantische Besonderheit weisen die Beispiele in (13)(e) und (13)(f), die zwar auch figurativ sind, aber in einem teilweise anderen Sinn. In diesen Fällen haben wir es mit kleinen Erzählungen zu tun, die nicht auf Wort-, sondern auf Textebene, genauer gesagt auf einer impliziten Erzählebene, figurativ sind. Dies ist der Fall von mettre le(s) pied(s) dans le plat, bei dem das ungewöhnliche Bild dazu verwendet wird, ein ungebührliches, Verärgerung hervorrufendes Verhalten zu beschreiben. Im Grunde haben wir es hier mit einer Allegorie zu tun, einer Mikroerzählung, die als Vergleichsgrundlage für das Gemeinte dient. Auch im Fall von mettre les pieds sous la table kann man von einer Allegorie sprechen (diese Wortverbindung findet bei weitem nicht nur innerhalb von Familien und Haushalten Anwendung, wäre aber selbst da allegorisch).

Generell können wir bei Wortverbindungen zwischen vier Stufen der Semantizität unterscheiden, entsprechend (a) der kompositionellen, (b) der idiomatischen, (c) der figurativen und (d) der allegorischen Bedeutung, die eine Wortverbindung haben kann (wobei d => c => b => a). Dies impliziert natürlich drei Stufen der Idiomatizität (d => c => b). Wenn in der (englisch- und deutschsprachigen) Literatur zur Phraseologie von Idiomen die Rede ist, dann treten diese drei Stufen so nicht in Erscheinung. Dadurch wird es schwierig nachzuvollziehen, wie Idiome eigentlich definiert werden: Einerseits werden immer wieder Beispiele aus dem Bereich (d) angeführt (etwa engl. to kick the bucket 'den Löffel abgeben'), andererseits entsprechen die Definitionen der Stufe (b).


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2.3.2. Der Fall von engl. to kick the bucket und seinem deutschen Pendant den Löffel abgeben lässt einen weiteren Aspekt der Semantik von allegorischen Wortverbindungen zutage treten, das der Opazität oder Undurchsichtigkeit. Tatsächlich leuchtet es nicht unmittelbar ein, sich erstens überhaupt den Vorgang 'Löffel abgeben' vorzustellen und zweitens einen Zusammenhang mit dem Sterben zu sehen. Man muss sich wohl, um die Allegorie zu verstehen, in die Vergangenheit und in ein Milieu der Armut versetzen, um nachzuvollziehen, dass man mit dem Tod einer Person verband, dass diese nicht mehr ernährt werden musste, dass diese also ihr Esswerkzeug ("Löffel") nicht mehr brauchte. Noch schwieriger wird es, das Narrativ von kick the bucket zu verstehen, was schon damit beginnt, dass bucket2 hier ein Homonym zu engl. bucket1 'Eimer' ist (OED). Laut OED s.v. wurde bucket2 im 16. Jhdt. aus dem Französischen buquet 'Waage, Goldwaage' mit der Bedeutung "beam" 'Balken etc.' entlehnt und diente dann (19. Jhdt.) als Grundlage für die Redewendung to kick the bucket 'Sterben':

The beam on which a pig is suspended after he has been slaughtered is called in Norfolk, even in the present day, a ‘bucket’. Since he is suspended by his heels, the phrase to ‘kick the bucket’ came to signify to die. (OED, s.v. bucket2)

Da bucket2 'Hängehaken im Schlachthof' als dialektale und vermutlich veraltete lexikalische Einheit für Sprecher des Englischen undurchsichtig geworden ist, wird deren Wortform mit bucket1 'Eimer' gleichgesetzt, weshalb die Allegorie wörtlich als '[in den Eimer treten]' verstanden wird, also als ein Narrativ, das man im Grunde gar nicht auf die Bedeutung 'sterben' abbilden kann. Bei dieser Form der Opazität ist eine Konstituente undurchsichtig geworden. Dieselbe Form von Undurchsichtigkeit finden wir im folgenden Beispiel aus dem Französischen:

(14) fr. au fur et à mesure 'nach und nach (im Laufe des, mit fortschreitendem …)'

In dieser Paarformel ist das Wort fur, das ursprünglich 'Maß' und 'Preis' bedeutete (< lt. fŏrum 'Markt, Marktpreis etc.', FEW s.v.), als selbständige Wortform verschwunden und damit undurchsichtig geworden, was der Wortverbindung eine charakteristische Expressivität verleiht. Hinzu kommt, anders als im vergleichbaren Fall von dt. frank und frei, in dem das Element frank aufgrund von lexikalischem Schwund undurchsichtig geworden ist, dass die Bedeutung der ursprünglich und wörtlich als '[nach Menge und Maß]' zu lesende Wortverbindung sich zu 'nach Art und Weise' und später zu 'nach und nach (etc.)' entwickelt hat, was den gesamten Ausdruck trotz der nach wie vor lebendigen lexikalischen Einheit fr. mesure 'Maß' opak macht. Opazität kann im Übrigen auch vorliegen, wenn alle Konstituenten einer Wortverbindung transparent sind, wie im folgenden Fall:

(15) sp. dar calabazas a alguien 'jdm. einen Korb geben [wörtlich: jdm. Kürbisse geben]'

Ebenso wie bei der deutschen Entsprechung jemandem einen Korb geben sind hier alle Elemente ersichtlich und bekannt. Das Narrativ lässt jedoch gar nicht auf die beabsichtigte Bedeutung schließen. Nach unbewiesenen Aussagen geht die Wendung auf die im antiken Griechenland vorherrschende Annahme, dass Kürbisse eine anti-aphrodisierende Wirkung hätten. Für heutige Sprecher ist die Allegorie jedoch undurchsichtig (zur Deutung des Narrativs der Wendung jemandem einen Korb geben vgl. Duden s.v. Korb).


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2.3.3. Wenn wir annehmen, dass es eine Skala der Idiomatizität gibt, entsprechend der oben angeführten Implikationskette (d) allegorisch => (c) figurativ => (b) idiomatisch, dann kann man sagen, dass diese tendenziell von fester zu weniger fest verläuft. Dennoch korreliert sie nicht immer mit der syntaktisch ermittelten Festigkeit gemäß dem hier zur Diskussion gestellten Begriffssystem. Dies zeigt auch die Analyse der in (13) aufgeführten Beispiele gemäß diesem Begriffssystem, die in der folgenden Tabelle aufgeführt ist:

(13)(a) => III.a
(13)(b) => III.b
(13)(c) => IV.b
(13)(d) => IV.b
(13)(e) => IV.a
(13)(f) => IV.b

Dies ist ein wesentlicher Grund, warum auch in der bisherigen Forschung die Kriterien der "Festigkeit" und der "Idiomatizität" im Sinne von Burger (1998: 14f.), das heißt insbesondere unter Einbeziehung der semantischen Kriterien (b)–(d), bislang nicht in eine einheitliche Klassifikationssystematik integriert werden konnten. Noch einen anderen Grund sieht Hausmann (2004) in der von ihm eingenommenen sprachdidaktischen Perspektive:

Warum bemühe ich mich nicht um die semantische Beschreibung der Kollokationen [...]? Weil ich an den pädagogischen Nutzen, kurz die Lernbarkeit solcher Beschreibungen nicht glaube. Kollokationen sind als solche sinnvoll zusammenzustellen und zu memorisieren; die komplizierten semantischen Verhältnisse stellen sich, wenn sie beschrieben sind, als so verwickelt und umständlich heraus, dass sie sich einem Lernvorgang verschließen. (Hausmann 2007: 219f.)

Tatsächlich ist anzunehmen, dass Wortverbindungen des Typs III.b, die zwar idiomatisch auch im Sinne des semantischen Kriteriums (b) sind, aber keine figurative (c) oder allegorische (c) Bedeutung haben, wesentlich frequenter sind als letztere und auch aufgrund der Bedeutungsfunktion dieser nur idiomatischen Konstellationen (vgl. auch die Ausführungen am Ende von Abschnitt 1.2.) von wesentlicher Bedeutung für das Lernen einer Fremdsprache, aber auch für die stilistisch angemessene Beherrschung der eigenen Muttersprache sind.

2.4. Für die digitale Korpusanalyse ist der in Kapitel 1 vorgeschlagene, syntaktisch orientierte Kriterienkatalog insofern von Vorteil, als dass sich diese Kriterien im Wesentlichen durch technische Definitionen von Suchanfragen abbilden lassen. Dadurch können auch über automatisierte Suchverfahren aussagekräftige Resultate ermittelt werden. Im Gegensatz dazu müssten die semantischen Kriterien 'figurativ' (c) und 'allegorisch' (d) in jedem Einzelfall durch eine Interpretation überprüft werden. Grundsätzlich kann man auch eine Kreuzklassifikation von syntaktischen und semantischen Kriterien vornehmen.


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3. Im Bereich der Wortverbindungen gibt es eine Reihe von unterschiedlichen, teils widersprüchlichen, teils überlappenden Terminologien. Dies ist, vereinfacht gesagt, darauf zurückzuführen, dass einerseits drei große Themengebiete und andererseits eine Reihe unterschiedlicher nationaler Traditionen existieren. Thematisch kann man zwischen quantitativer Linguistik (Kontextualismus, Korpuslinguistik), Kollokationsforschung (im Sinne von Franz-Joseph Hausmann u.a.) und Phraseologieforschung unterscheiden. Gerade bei letzterer ist die Fülle unterschiedlicher Bezeichnungen aufgrund nationaler Traditionen, im Rahmen derer ebenfalls Alternativbezeichnungen miteinander konkurrieren, schwer überschaubar (u.a. engl. idiom, fr. locution, dt. Redewendung, sp. unidad fraseológica). Besonders verwirrend sind auch die widersprüchlichen Verwendungen des Terminus Kollokation.

3.1. Die statistisch-quantitative Tradition (Gross 1993, Lemnitzer / Zinsmeister 2013) beruft sich häufig auf die Schule des englischen Kontextualismus (vgl. Firth 1957), der Einzelsprachen und ihre Varietäten in ihrem Gebrauch untersucht. Der Kontextualismus ist eine streng empirische Richtung der Sprachwissenschaft, die davon ausgeht, dass die Bedeutung von Wörtern sowie weiteren sprachlichen Elementen und Strukturen allein in konkreten Sprachprodukten, sprich mündlichen und schriftlichen Äußerungen und Texten ersichtlich wird. In diesem Sinne verwendet der Kontextualismus und die sich auf ihn berufende quantitative Korpuslinguistik den Terminus Kollokation im Sinne unseres Kriteriums I (Kookkurrenz):

Innerhalb des Kontextualismus wird unter Kollokation das faktische Miteinandervorkommen zweier oder mehrerer beliebiger Wörter oder lexikalischer Einheiten verstanden. Damit ist keine normative Bewertung hinsichtlich der Korrektheit oder Grammatikalität dieser Wortverbindung verbunden (Lemnitzer / Zinsmeister 2015: 31)

Man kann bei dieser Verwendung des Terminus Kollokation, den wir zur Kenntlichmachung mit einem Index versehen und fortan Kollokation1 nennen wollen, auch von einer statistischen Kollokation sprechen. Für diese Kollokation1 geben Lemnitzer / Zinsmeister das folgende Beispiel:

(16) dt. und er

Im Sinne dieser Definition haben wir es bei diesem Beispiel „allein auf Grund des häufigen Kovorkommens“ (Lemnitzer / Zinsmeister 2015: 31) mit einer Kollokation1 zu tun. Ebenso wie in unseren Beispielen (1) liegt hier eine Kookkurrenz vor, die als solche nicht sinnhaft ist und damit dem Kriterium II.a zuzuordnen ist. Sinnhafte Wortverbindungen bezeichnen Lemnitzer / Zinsmeister dagegen als Kolligationen:

Mit dem Konzept der Kolligation bekommt die Text- bzw. Korpusanalyse im Rahmen des Kontextualismus ein interpretatorisches Element. Es wird über das reine Erfassen, Auszählen und häufigkeitsbasierte Ordnen von Wortpaaren hinausgegangen. Die gewonnenen Daten werden dadurch sinnhafter. (Lemnitzer / Zinsmeister 2015: 31, Hervorhebung im Original)


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Das Beispiel, das diese Autoren für eine Kolligation anführen, ist das Folgende:

(17) dt. Antrag stellen

Diese Wortverbindung ist mit den Beispielen in (2) vergleichbar, mit denen das Kriterium II.b (+sinnhaft) illustriert wurde.

3.2. Die von Hausmann beschriebenen Kollokationen2 weisen die Struktur Kollokator–Basis oder Basis–Kollokator auf (vgl. Hausmann 1979, 1984, 2004, 2007). Diese Wortverbindungen, bei denen die Basis in der Regel ein Substantiv ist, kann man als periphrastische Kollokationen bezeichnen, denn in diesen Strukturen ist der Kollokator 'auxiliarisiert' – vereinfacht gesagt: semantisch geschwächt –, während die Basis eine 'Prädikatisierung' und damit eine semantische Stärkung erfährt. Wenn wir uns beispielsweise die Beispiele (3)(a) fr. exercer une fonction und (b) sp. desempeñar una función 'eine Funktion ausüben' anschauen, stellen wir genau diesen Effekt fest. Die spezifische Bedeutung der Verben fr. exercer, sp. desempeñar und auch dt. ausüben spielt im Grunde keine Rolle: Man könnte ebenso fr. avoir une fonction, sp. tener una función und dt. eine Funktion haben sagen, ohne dass sich die Bedeutung der Wortverbindung ändern würde (abgesehen davon, dass diese Ausdrucksweise unkonventionell, unidiomatisch wäre). In diesen Wortverbindungen ergibt sich die Bedeutung nämlich aus dem Substantiv fonction/función. Insofern erfüllen Kollokationen im Sinne von Hausmann unser Kriterium III.b.

Nun können Kollokationen verschiedene Grade der Festigkeit aufweisen, je nachdem, ob sie syntagmatisch und paradigmatisch variabel oder invariabel sind. Dabei ist zunächst zwischen verbalen Kollokationen einerseits und nominalen sowie adjektivischen und adverbialen Kollokationen andererseits zu unterscheiden. Erstere, wie etwa die Beispiele in (3), sind in der Regel paradigmatisch variabel, während letztere paradigmatisch invariabel sind, wie beispielsweise die folgenden Wortverbindungen:

(18)
(a) fr. grande douleur 'starker Schmerz (wörtlich: großer Schmerz)'
(b) sp. fuerte dolor 'starker Schmerz (wörtlich: starker Schmerz)'

Diese Fälle erfüllen das Kriterium V.b, da sie keine Leerstelle regieren und syntaktisch nicht ergänzt werden müssen. Verbale Wortverbindungen sind dagegen paradigmatisch variabel und erfüllen lediglich die Kriterien IV.b oder III.b, je nachdem, ob sie auch syntagmatisch variabel oder invariabel sind. Das Kriterium IV.b erfüllen die folgenden Wortverbindungen:

(19)
(a) fr. mettre la table 'den Tisch decken' (s. auch oben Beispiel (13)(c))
(b) sp. poner la mesa 'den Tisch decken'

Verbale Wortverbindungen wie in den Beispielen (3) sind paradigmatisch und syntagmatisch variabel und erfüllen nur das Kriterium III.b.


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3.3. Im Bereich der idiomatischen Wortverbindungen (mindestens Kriterium III.b) gibt es neben den Kollokationen auch sogenannte Idiome oder Redewendungen (vgl. u.a. Burger 1998, Cowie 1998a, Mel'čuk 1998, Burger et al. 2008b, 2008a, Mel'čuk 2008, generell auch die Sammelbände Cowie 1998a, Burger 2008a). Sie unterscheiden sich von Hausmanns Kollokationen2 nicht grundsätzlich durch ihre Festigkeit, sondern durch ihre Semantik. Diesen semantischen Unterschied erfasst Makkai (1972: 25) mit den Konzepten der "idioms of encoding" und "idioms of decoding". Dahinter steckt die ganz praktische Feststellung, dass man Idiome des Enkodierens kennen muss, um sich richtig auszudrücken, während sie problemlos zu dekodieren sind, wie es unter anderem in den Beispielen (3) und (18) der Fall ist. Idiome des Dekodierens muss man dagegen auch kennen, um sie richtig zu interpretieren, wie es etwa für Beispiel (15) sp. dar calabazas a alguien 'jdm. einen Korb geben [wörtlich: jdm. Kürbisse geben]' der Fall ist. Den Idiomen des Dekodierens entsprechen die weiter oben diskutierten figurativen und allegorischen Wortverbindungen, denen der Enkodierung dagegen die periphrastischen Kollokationen2 von Hausmann (1979, 1984, 2004, 2008).

Wortverbindungen, in denen nur ein Element figurativ ist, bezeichnet Hausmann (2004: 313) ebenso wie Burger (1998 [52015]: 27) als "Teilidiome" oder "teil-idiomatisch", während er nicht-figurative Wortverbindungen als "nicht-idiomatisch" bezeichnet:

Das Phrasem einen Streit vom Zaun brechen ist hinsichtlich der Komponente vom Zaun brechen idiomatisch, während einen Streit seine freie Bedeutung beibehält. Phraseme mit einer solchen semantischen Struktur nennt man 'teil-idiomatisch' [Hervorhebung im Original durch Fettdruck]. Ausdrücke, die durch keine (oder nur minimale) semantische Differenzen zwischen phraseologischer und wörtlicher Bedeutung charakterisiert sind (wie sich die Zähne putzen), werden als 'nicht-idiomatisch' [Hervorhebung im Original durch Fettdruck] bezeichnet. (Burger 1998 [52015]: 27)

An diesen Ausführungen lässt sich ersehen, dass Burger die Hausmannschen Kollokationen2 als "nicht-idiomatisch" bezeichnet und sich damit auf genau die Wortverbindungen bezieht, die Makkai (1975) als 'Idiome des Enkodierens' bezeichnet. Wir haben es also hier mit zwei Verwendungen des Terminus Idiom (engl. idiom) zu tun: Die insbesondere in der englischen Tradition verankerte Bezeichnung Idiom1 verwenden Makkai (1975) und andere für alle idiomatischen Wortverbindungen im Sinne unseres Kriteriums III.b, während sich die von Burger (1998) und Hausmann (2004) gebrauchte Bezeichnung Idiom2 auf die semantische Untergruppe dieser Wortverbindungen des Typs III.b bezieht, die eine figurativ-allegorische Bedeutung haben. Man kann Burger (1998 [52015]: 38f.) im Übrigen bisweilen so verstehen, dass er, ganz im Sinne von Hausmann (2004: 313ff.), die 'Teil-Idiome' den Kollokationen2 zurechnet.


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Außerhalb der anglophonen Tradition hat man lange Zeit für bestimmte Wortverbindungen von Phraseologien oder Phraseologismen gesprochen, weshalb man diese Disziplin heute noch Phraseologieforschung nennen kann. Seit den 1990er Jahren hat für die Bezeichnung der Wortverbindungen, die in dieser Disziplin untersucht werden, der Terminus Phrasem eine größere Verbreitung gefunden. Doch auch bei dieser Bezeichnung ergibt sich, wie Burger für seine eigenen, einschlägigen Arbeiten feststellt, eine Ambiguität im Gebrauch:

Im "Handbuch der Phraseologie" (Burger / Buhofer / Sialm 1982: 1) haben wir die folgende, seither oft zitierte Definition von "phraseologisch" gegeben:
"Phraseologisch ist eine Verbindung von zwei oder mehr Wörtern dann, wenn (1) die Wörter eine durch die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht voll erklärbare Einheit bilden, und wenn (2) die Wortverbindung in der Sprachgemeinschaft, ähnlich wie ein Lexem, gebräuchlich ist."
Wenn beide Bedingungen zutreffen, handelt es sich um ein Phrasem im engeren Sinne, wenn nur die zweite Bedingung zutrifft, um ein Phrasem im weiteren Sinne. (Burger 1998 [52015]: 27)

Wir haben es also hier mit zwei Definitionen von Phrasem zu tun: Das "Phrasem im weiteren Sinne" oder Phrasem1 entspricht unserem II.b (+Semantizität/sinnhaft), und das "Phrasem im engeren Sinne" oder Phrasem2 entspricht unserem Kriterium III.b (+Idiomatizität/idiomatisch).

4. Aus den vorangegangenen Überlegungen kann man zwei Schlüsse ziehen. Erstens kann man feststellen, nach welchen Prinzipien man statistisch signifikante Kookkurrenzen von Wörtern klassifizieren kann. Zweitens kann man sich fragen, welche Bezeichnungsstruktur für die entsprechenden Kategorien, das heißt welche Terminologien in unterschiedlichen Forschungstraditionen üblich sind, aber auch welche Terminologie man selbst für sinnvoll hält.

4.1. In Abschnitt 1 haben wir für die Klassifizierung von statistisch feststellbaren Kookkurrenzen ein Begriffssystem der Festigkeit von frequenten Wortverbindungen entworfen, dass zwar zunächst nur auf statistischen Daten gründet, in den nächsten Schritten der Spezifizierung dann aber die inhaltlich relevanten Kriterien der Semantizität und der Idiomatizität hinzufügt, um schließlich mit den syntaktischen Kriterien der syntagmatischen und der paradigmatischen Variabilität eine in sich vollständige Systematik zu bilden. Insbesondere die syntaktischen Kriterien haben sich in der einschlägigen Literatur und darüber hinaus als nahezu ungebräuchlich erwiesen, obwohl sie auf einer bekannten Systematik von Saussure entspricht (dort "principe associatif" für paradigmatische Relationen).

In Abschnitt 2 haben wir über die in der Forschung zur Phraseologie oft angeführten semantischen Kriterien diskutiert und dabei herausgearbeitet, dass die Idiomatizität von Wortverbindungen mit unauffälligem, figurativem und allegorischem Wortgebrauch, aber auch mit Opazität eines oder mehrerer Konstituenten der Wortverbindung einhergehen kann. Diese vier Ausprägungen der Idiomatizität bilden ein eigenes Begriffssystem, das von dem im ersten Abschnitt dieses Artikels entworfenen Begriffssystem der Festigkeit/Festigkeitsmodell im Prinzip unabhängig ist, auch wenn die Idiomatizität als solche wiederum selbst ein Kriterium dieses Systems ist. Eine Tendenz kann man jedoch beobachten: Je figurativer die Semantik einer Wortverbindung ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit von syntagmatischer Invarianz (?einen Tisch decken).

4.2. Die bisher diskutierten Bezeichnungen kann man entsprechend ihrer (oft eher impliziten) Definitionen im Rahmen der Festigkeitsskala wie folgt zusammenfassen:


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Im folgenden Schaubild werden diese Terminologien auf das hier entworfene Begriffssystem zur Klassifizierung von Wortverbindungen projiziert. Um sich – als reine Konvention – auf eine Terminologie festzulegen, werden die entsprechenden Termini fettgedruckt dargestellt, die nicht verwendeten Termini dagegen in abschwächenden Grautönen. Bei den figurativen (b) und allegorischen (c) Bezeichnungen folgen wir der Praxis der Kollokationsforschung im Sinne von Franz-Josef Hausmann (1984, 2004, 2007).

Die Internationalisierung dieser Terminologie ergibt sich überwiegend von selbst. Lediglich die englische Version des Terminus Phrasem bereitet einige Probleme (vgl. Burger et al. 2018b: 3f.). Die Übersetzungsäquivalenzen werden in der folgenden tabellarischen Übersicht aufgeführt:

Dieser Vorschlag einer eindeutigen Terminologie ist nur eine von mehreren möglichen Festlegungen. In jedem Fall ist so Eindeutigkeit und begriffliche Stringenz gegeben.

4.3 Weitere Forschungen sollten in zwei Richtungen gehen: Erstens gilt es, die Kriterien für die Beschreibung der Festigkeit unter beibehaltung der hier waltenden begrifflichen Kohärenz weiter zu verfeinern und das Verhältnis dieser Systematik zur Idiomatizität zu klären. Zweitens liegt es auf der Hand, diese phraseologischen Grundbegriffe in die Konstruktionsgrammatik einzuführen und diese wiederum für die Phraseologieforschung nutzbar zu machen.



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Bibliographie

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Anmerkungen

1 Am 31.12.2018 gelesen auf "https://www.winningsmileorthodontics.com".

2 Hier stellt sich darüber hinaus die Frage, ob man genauere Faktoren der syntagmatischen Variabilität zu berücksichtigen hätte. So könnten satzgliedexterne Einschübe (Beispiel oben desde ayer) von höherer syntagmatischer Variabilität sein wie satzgliedinterne.

3 Hier könnte man auch von syntaktischer Struktur (entsprechend den Überlegungen von diversen Phrasenstrukturgrammatiken, vgl. u.a. Chomsky 1959, 1965) sprechen bzw. von Konstruktionen im Sinne von Bloomfield (1934). In den verschiedenen Ansätzen zur Konstruktionsgrammatik finden sich keine expliziten Erörterungen zur (naheliegenden) Zuordnung des Begriffs der Konstruktion zur syntaktischen Konstituenz (i) bzw. zur Abgrenzung von den syntaktischen Funktionen (ii).

4 Dieses Modell ist insoweit mit der Lexical Functional Grammar (Kaplan / Bresnan 1981, Bresnan 2001) kompatibel, als deren C-Struktur der syntaktischen Konstituenz bzw. Konstruktion und deren F-Struktur der syntaktischen Funktionalität entspricht.

5 Auch wenn syntaktische und semantische Funktionen nicht unmittelbar aufeinander abbildbar sind, impliziert eine syntaktische Funktion prinzipiell eine semantische Funktion (iv) oder Bedeutung (iii).