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Hildegard Haberl (Paris)




"Avant la Copie, après l'introduction, mettre en italique ou en note: 'On a retrouvé par hasard leur copie, l'Éditeur la donne afin de grossir le présent ouvrage.'" – Die 'Kopie und 'Materialbaustelle' Flauberts in der Neubearbeitung und Übersetzung von Hans-Horst Henschen




 

La science est faite suivant les données fournies par un coin de l'étendue. Peut-être qu'elle ne convient pas à tout le reste qu'on ignore, qui est beaucoup plus grand et qu'on ne peut découvrir. (Flaubert 1979: 138)

 

Die menschliche Dummheit besteht unter anderem darin, zu glauben, der Weisheit letzten Schluss zu kennen. Flaubert stellte dieses Thema des Wissens und der Dummheit, des Wissensanspruchs und der Wissensskepsis ins Zentrum seines Spätwerks Bouvard und Pécuchet und sammelte dafür Zeugnisse überheblicher Gewissheit, d.h. Zitate von Wissenschaftlern, Schriftstellern, Journalisten, Politikern, Theologen usw., wobei er befreundete Autoren und sich selbst nicht ausnahm.

Diese Sottisensammlung, von Flaubert als copie oder auch le second volume bezeichnet, hat nun Hans-Horst Henschen neu bearbeitet und erstmals ins Deutsche übersetzt. Sie ist unter dem Titel Universalenzyklopädie der menschlichen Dummheit. Ein Sottisier bei Eichborn erschienen.1 Bei diesem überaus spannenden Übersetzungs- und Editionsprojekt handelt es sich jedoch nicht nur um eine "simple" Übersetzung, sondern um den Versuch, dem komplexen und heterogenen zweiten Teil des ungewöhnlichen Romanprojektes Bouvard et Pécuchet, dem Flaubert keine definitive Form mehr geben konnte, einen Platz einzuräumen, der ihm bisher selten zugestanden wurde. Begleitet wird der Sottisier von einem Ergänzungsband mit Transkribierten Handschriften und Kommentaren, der eine Auswahl von Flauberts Lektürenotizen enthält, die von Henschen einleitend erklärt, übersetzt und annotiert wurden. Der "Kopie" ging 2003 die Neuübersetzung des ersten Bandes, d.h. des "Romanteils" Bouvard et Pécuchet voraus (Flaubert 2003). Für das Jahr 2005 ist schließlich die Neuübersetzung des Dictionnaire des idées reçues (Wörterbuch der überkommenen Ideen) geplant, der ebenso in Flauberts letzten Roman eingehen sollte. An diesen Übersetzungen zeigt sich das zunehmende (Forschungs-)Interesse an Bouvard et Pécuchet, Flauberts letztem Roman und "livre-météore" (Biasi 2003: 94).




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Ich werde im Folgenden zuerst auf den komplexen Textstatus dieses Romanprojektes eingehen. Diese Einführung soll erlauben, Henschens Arbeit klarer im 'Bouvard et Pécuchet-Universum' zu verorten. Außerdem versuche ich die editorischen Entscheidungen Henschens in der Diskussion um die Problematik einer Sottisier-Ausgabe innerhalb der Flaubert-Forschung darzustellen.


Der komplexe Textstatus von Bouvard et Pécuchet

Flaubert konnte seinen letzten Roman Bouvard et Pécuchet nicht beenden. Das Manuskript endet mit einem X. Kapitel. Er hat die abgeschlossenen Teile, Kapitel für Kapitel "ins Reine" geschrieben. Die ersten neun Kapitel liegen in solch einer originalen Handschrift vor. Das 10. Kapitel ist großteils fertiggestellt, es gibt davon jedoch keine definitive Abschrift. Das Manuskript endet an der Stelle, an der Bouvard und Pécuchet aufgeregt durch Chavignolles marschieren, um bei einer Dorfversammlung ihre Ideen zur Erwachsenenbildung darzulegen. Aus den hinterlassenen Plänen und Skizzen (plans et scénarios) Flauberts kennt man den weiteren Verlauf der Geschichte, d.h. die Rückkehr der Protagonisten an ihre Schreibtische.

Die Nichte und Nachlassverwalterin Flauberts, Caroline Commanville (in zweiter Ehe Franklin-Grout) hat – um das Werk nach Flauberts Tod in Druck geben zu können – korrigierend in den Text eingegriffen, wobei sie die Handschrift Flauberts nicht immer eindeutig entziffern konnte. Bis zur kritischen Ausgabe des italienischen Romanisten Alberto Cento (Flaubert 1964!; vgl. auch Centos Kommentar 1973), sind folglich die erschienen Ausgaben als fehlerhaft zu betrachten. Aber auch nach Cento und den Arbeiten Gothot-Merschs, deren Taschenbuchausgabe (folio, 1979) den Roman einem größeren Publikum zugänglich machte, gibt es, bedingt durch die Unabgeschlossenheit des Werkes, je nach Herausgeber, unterschiedliche Varianten und Interpretationen bestimmter Textstellen. Gothot-Mersch beispielsweise unterscheidet sich in ihrer Ausgabe von der Arbeit Centos, indem sie bei Vorliegen von zwei Varianten einer Textstelle, die in keinem Fall von Flaubert durchgestrichen wurde, die ursprünglichere gelten lässt. Cento geht in diesem Fall umgekehrt vor. Bei Gothot-Mersch erscheinen die unterstrichenen Textteile Flauberts fettgedruckt, nicht so wiederum bei Henschen, der die Unterstreichung übernimmt.

Diese Unterschiede in den Editionen ergeben sich, wie gesagt, aus der Unabgeschlossenheit dieses Romanprojektes, die es zu einem privilegierten Forschungsobjekt der Editionsphilologie macht. In Frankreich hat diese unter den Bezeichnungen "génétique textuelle" und "critique génétique" seit mehreren Jahren zahlreiche neue Ergebnisse in der Flaubertforschung erbracht, die jedoch erstaunlicherweise innerhalb der deutschsprachigen Romanistik bisher noch wenig wahrgenommen wurden. Diese neuere Philologie fand ihre Institutionalisierung im Centre d'analyse des manuscrits des CNRS (CAM, 1974), das 1982 in Institut des textes et manuscrits modernes (ITEM) umbenannt wurde (Biasi, 2003: 28).2 Trotz zahlreicher Forschungsarbeiten ist die Sekundärliteratur zum Sottisier eher spärlich gesät. Ausnahmen bilden u.a. Arbeiten von Neefs und Mouchard (Mouchard/Neefs 1980, Neefs 2001) und Herschberg-Pierrot (1995).




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Im deutschsprachigen Raum ist Bouvard et Pécuchet in den letzten Jahren vor allem im Zusammenhang mit dem Thema der Enzyklopädik bearbeitet worden, wobei sich die Arbeiten aber großteils auf den "Romanteil" von Bouvard et Pécuchet stützen und der Sottisier zweitrangig bleibt.3


Der heterogene Charakter der 'Kopie'

In der Tat ist der Textstatus der ersten zehn Kapitel des Romans noch komplexer als der des von Flaubert so genannten zweiten Bandes (le second volume, le volume des notes) oder die Kopie (la copie). Diese Kopie setzt sich aus einer Unmenge unterschiedlichster Dokumente zusammen, die Flaubert im Laufe der Jahre für seine(n) Roman(e) angesammelt hat: Lektürenotizen, Exzerpte, von Freunden und Bekannten eingeholte Informationen zu bestimmten Themen, bibliographische Listen, gesammelte Zitate, Zeitungsausschnitte, Prospekte, Briefe etc. Der Romanist René Dumesnil prägte für diese Materialmenge die Bezeichnung Sottisier. Sie ist großteils in den sogenannten "Dossiers von Rouen" in der "Bibliothèque municipale de Rouen" archiviert und unter dem Titel "Recueil de documents divers recueillis par Flaubert pour la préparation de Bouvard et Pécuchet"(bei Henschen: "Vorbereitende Materialien" zu Bouvard et Pécuchet) zu finden.4 Es handelt sich dabei genauer um acht Bände (Henschen spricht auch von "Schubern") von kollationiertem Textmaterial, das 2215 Folioseiten (insg. ca. 3800 Seiten) umfasst,5 und sich gemäß Henschen in Form von drei "Aggregatzuständen" präsentiert: im "Rohzustand (gedruckte Materialien aller Art, Buch- und Zeitungsausrisse und -ausschnitte, ganze Zeitungsnummern, Rezensionen und Literatur-"Beilagen" im weitesten Sinne usw.), als das kürzere oder längere Exzerpt (z.B. die ausladenden de Maistre-, Voltaire-, Rousseau- oder Proudhon-Konvolute der Bände V–VIII); und zum Dritten die nahezu fertigen und teilweise in Reinschriften Edmond Laportes vorliegenden Endfassungen (vor allem in Bd. I–III), die immer wieder von handschriftlichen Zusätzen Flauberts durchschossen sind oder aus ganzen "Montage"-Seiten mit bis zu sechs untereinander, manchmal auch längsseits aufgeklebten Papierstreifen bestehen (etwa I, fol. 184 mit den Nr. 1594–98 und 297 der Cento/Caminiti-Ausgabe)." (SO: 604–605)

Die Manuskripte sind nach Nummern geordnet. Das Kürzel für den Recueil ist ms g2261-8. Dieser Teil bildet die Basis für Hans-Horst Henschens Universalenzyklopädie der menschlichen Dummheit. Ein Sottisier.6 Dabei ist zu betonen, dass das Material für den Sottisier nicht nur aus diesem ms g 226 besteht, sondern sich auch auf andere Manuskripte verteilt findet. Wir haben es also mit einem Roman zu tun, dessen zersprengte Manuskriptgestalt man sich vor Augen halten sollte, um sich deren Komplexität bewusst zu werden.7




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Die bisherigen Editionen des Sottisier8

Flauberts Romanprojekt wurde erstmals 1909 von Ernst Wilhelm Fischer übersetzt.9 Man beschränkte sich bei den deutschen Übersetzungen auf den "Romanteil", was mit der Editionsgeschichte des Sottisier zusammenhängt. Im Nachwort zur Insel-Ausgabe erwähnt Uwe Japp (1996, [1979]) zwar den "zweiten ungeschriebenen Band" des Romans, der "nur noch aus Zitaten aller möglichen Wissensgebiete bestehen sollte", verweist auch auf die Sottisier-Ausgabe von Geneviève Bollème (1966), es werden jedoch keine Auszüge des Sottisier übersetzt. Mit Hans-Horst Henschens Übersetzung erscheint Flauberts "Kopie" erstmals auf Deutsch. Erstmals erscheint sie gleichzeitig auch in einem Umfang, der die französischen Ausgaben erweitert.

In Frankreich beginnt die Editionsgeschichte des Sottisier mit Guy de Maupassant, der in seiner Etude sur Gustave Flaubert (1884) erstmals sechzig Auszüge aus dem hinterlassenen Sottisier-Material publizierte und dieses in Anlehnung an Flaubert in "Sektionen" einteilt.10 Somit wurde ein mögliches Inhaltsverzeichnis angelegt. Daneben gibt es ein (etwas detaillierteres) Gesamtverzeichnis von Caroline Commanville, das im Band acht des ms g226 (fol. 39 r + v) zu finden ist. Diese beiden Verzeichnisse bilden den Ansatzpunkt für Henschens Vorschlag, demzufolge er das Material anordnet. Zusätzlich hat er auch die Manuskriptbeschreibung von E.-L. Ferrère im Anhang zur Bouvard et Pécuchet-Ausgabe der Conard-Edition von 1910 verwendet.(vgl. SO: 604) In dieser Ausgabe wurde ein Teil des Materials von Maupassant mit 19 weiteren Zitaten publiziert, die aus dem sogenannten "Album de la Marquise" stammen, das von Flauberts Mitarbeiter Duplan zusammengestellt wurde. In der Ausgabe Les Belles-Lettres (1945) hat René Dumesnil 23 neue Zitate hinzugefügt, die aus den Dossiers stammten, die bei einem weiteren Mitarbeiter Edmond Laportes gefunden wurden. 1966 hat Geneviève Bollème große Teile des Sottisier unter dem Titel Le Second Volume de "Bouvard et Pécuchet" veröffentlicht, die das Projekt Flauberts in größeren Kreisen bekannt machten. Von den Forschern jedoch wird an dieser Ausgabe beanstandet, dass die Auswahl der Dokumente nicht deutlich gemacht wird und die Disposition des Ensembles nicht der "Mobilität" des Recueil entspricht. (vgl. Mouchard/Neefs 1980: 206) Henschen schließt sich dieser Kritik an und spricht von "krassen Verlesungen und völliger editorischer Willkür" (SO: 602). Schließlich ist auf die Ausgaben des "Club de l'Honnête Homme" (1971ff) von Maurice Bardèche zu verweisen, vor allem aber auf jene von Alberto Cento und Lea Caminiti (1981), die den Sottisier bisher am ausführlichsten wiedergibt und die Referenzausgabe für Henschen darstellt.11 Schon der Titel zeugt von einer "vorsichtigeren" Herangehensweise an die Edition des Sottisier, da sie von einem "Projekt" sprechen und ihre Materialmontage klar als auf Vermutungen basierend definieren. Henschen bespricht die genannten Sottisier-Ausgaben in seiner Editorischen Nachlese und beschreibt die beiden für ihn wichtigsten Vorlagen folgendermaßen:




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Während Maurice Bardèche und seine Mitarbeiter sich mit einer lockeren, im Wesentlichen den "Fluss" des Manuskriptkonvoluts nachvollziehenden, zwar geordneten, aber unkommentierten Transkription begnügen, haben Cento und Caminiti, auf der Grundlage kritischer Autopsie, das gesamte Material nach den spärlichen Editionshinweisen Flauberts zu inventarisieren, zu gliedern und zu lokalisieren unternommen, das heißt einem Korpus, das "zu mehr als drei Vierteln aus Zitaten" bestehen soll, jene Bodenhaftung verliehen, die das ausufernde Konvolut erst zu einem "lesbaren" Buch macht. (SO: 603)

Auch die Taschenbuchausgabe von C. Gothot-Mersch (1979) ist in der Geschichte des Sottisier von großer Bedeutung, da sie diesen – wenn auch nur bruchstückhaft – in seiner Komplexität (erstmals) verständlich präsentiert und annotiert und die Zitate mit den Randbemerkungen Flauberts druckt, d.h. die "Gestalt" der Einträge respektiert. 1995 erscheint eine Sottisier-Ausgabe von Bruno de Cessole (mit einem Vorwort von Julian Barnes), die sich von der Ausgabe Centos "inspiriert" und sich nicht als kritische Ausgabe definiert, sondern als "libre présentation du projet flaubertien à l'intention du grand public" (Flaubert/De Cessole 1995: 23). Es handelt sich hierbei also um eine verkürzte Form, die eher einer Anthologie entspricht, ohne Annotationen oder Angaben zum Ort, wo sich die Zitate in den "Dossiers von Rouen" befinden, wie das in den kritischen Ausgaben von Cento/Caminiti und Henschen der Fall ist.


Der Ort der Kopie: das 'Mittelstück'

Da in Flauberts Plänen (scénarios) auch von einem XI. und XII. Kapitel die Rede ist, ist nicht ganz eindeutig zu bestimmen, welchen Ort die Kopie in seinem Roman einnehmen sollte, was zu Kontroversen in der Forschung geführt hat. In den Plänen wird Kapitel XI "Leur copie" genannt und das Kapitel XII "Conclusion". (Gothot Mersch 1979:13, Japp 1979: 418). Wenn man von den schriftlichen und mündlichen Stellungnahmen Flauberts ausgeht, deutet alles darauf hin, dass das von den Romanfiguren (und Flaubert) angelesene Material in der Kopie "archiviert" werden sollte.12 Hält man sich jedoch an die letzten Pläne Flauberts, könnte man auch erwägen, dass Flaubert die Kopie nicht in den Romanteil integrieren wollte, sondern diese ohne Kontextualisierung anhängt.

D.-L. Demorest schlägt eine andere Interpretation vor. Das Kapitel XI würde Bouvard und Pécuchet bei der Arbeit zeigen, aber nur Fragmente ihrer Kopie enthalten. Das Gros der Kopie aber würde in einem Anhang hinzugefügt. Diese Interpretation wird u.a. von Alberto Cento verworfen. Seine Position wird von Lea Caminiti in der Introduction zu ihrer Ausgabe beschrieben:

Nous croyons avec A. Cento non seulement "par respect pour Flaubert" mais surtout par respect pour ce projet tel qu'il est exposé par Flaubert, que le chapitre XI devait comprendre toute la copie et le chapitre XII se terminer par la vue des deux bonshommes à l'oeuvre. (Cento/Caminiti 1981: XIV–XV)




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Auch für Gothot-Mersch ist die Position Demorests fraglich. Wollte Flaubert wirklich an die zwei- dreihundert Seiten Zitate publizieren? Sie verweist auf Divergenzen zwischen der Correspondance und den Angaben in den Plänen Flauberts bezüglich der "Gestalt" der Kopie. Die Correspondance scheint zu bestätigen, dass der zweite Band fast fertig war, dass nur noch die narrativen Verknüpfungen fehlten. Die Pläne hingegen zeigen, dass die "attaches narratives" im Laufe der Zeit immer wichtiger für das Romanprojekt wurden. (Gothot-Mersch, 1979: 29). Gemäß Gothot-Mersch kann man also ein Bemühen um eine narrative Verankerung des Kopiematerials feststellen. In diesem Sinne würde die Narration die 'Oberhand' über das Archiv (die Enzyklopädie) behalten, da sich offenbar in der Correspondance die Sorge um einen erzählerischen Rahmen manifestiert. Als Beispiel führt sie eine Notiz Flauberts an, der vorschlägt, das Dictionnaire des idées reçues und L'Histoire de l'art officiel in die Kopie eingehen zu lassen, aber nur "par fragments typiques". (Gothot-Mersch 1979: 29)

Henschen nimmt zu dieser Frage in seinem Nachwort Sägespäne Stellung, in dem er die Offenheit des Romanprojektes betont und den "Verlust der letzten Wegmarken des narrativen Diskurses" als von Flaubert ganz bewusst wahrgenommen annimmt:

Und es ist Flauberts geradezu initiatorische Leistung, diese Offenheit wenn auch nicht von allem Anfang, so doch etwa von der Mitte des Produktionsprozesses an ins Auge gefasst zu haben, als sich plausible "attaches narratives" für die auseinander strebenden Ideen einfach nicht mehr herstellen ließen. (SO: 637–638)

Es ist also sehr schwierig, eindeutig nachzuweisen, welchen Platz der Sottisier einnehmen sollte, was genau er enthalten sollte (auch wenn Flaubert gewisse Notizen mit einem Kopiezeichen versieht) und wie er organisiert werden sollte. Gemäß Gothot-Mersch gestaltet sich die "Architektur" des Sottisier unterschiedlich, je nachdem, ob man von den Dossiers ausgeht (wie Maupassant), von den "scénarios" (ms g 10, f 67, wie Gothot-Mersch selbst) oder, von den im ersten Teil gemachten Erfahrungen der Protagonisten ausgeht (wie es Flaubert in der Correspondance vorzuziehen scheint).13 Mouchard/Neefs fassen zusammen:

Si l'on considère simultanément la correspondance de Flaubert, les scénarios et les structurations embryonnaires du "Recueil", on n'obtient pas la figure globale d'un livre plausible, ni même un profit unifié, repérable dans une forme cohérente. (Mouchard/Neefs 1980: 177)

Henschen hat sich offenbar von dieser "simultanen Multiplizität" des Sottisier-Projektes nicht irritieren lassen und seine Arbeit in erster Linie auf dem "Recueil" aufgebaut.




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Die Sottisier-Version von Hans-Horst Henschen

Henschen versucht in unterschiedlichen Paratexten sein Übersetzunsprojekt, die Komplexität des Textes und seine editorischen Entscheidungen klar zu definieren: Abkürzungsverzeichnis (SO: 7–8), In initio (SO: 9–11), Rauchsäule für Leser (SO: 14), Editorische Nachlese (SO: 589–624), ein Nachwort mit dem Titel Sägespäne inkl. Exkursen und 2 Postskripten (SO: 625–659) und eine Bibliographie (SO: 660–706). Der Hauptteil, also der Sottisier selbst, wird mit "Kopie" der Kopien betitelt (SO: 15–588). Ein Personenregister (SO: 707–732) erlaubt ein rasches Wiederauffinden einzelner Personen im Sottisier. Zusätzlich dazu gibt es ein Sottisier-Beiheft (= KO), in dem Henschen eine Auswahl von Flaubert-Exzerpten einführend erklärt, übersetzt und annotiert.

Henschen hat einerseits überaus sorgfältig und streng wissenschaftlich Flauberts Texte übersetzt und annotiert, gleichzeitig aber auch eine persönliche Note in dieses Sottisier-Projekt eingebracht, was u.a. an der etwas ungewöhnlichen Titelgebung einiger Paratexte zu sehen ist. Der Rigorosität der Übersetzung und Annotierung stehen in gewissem Sinn Henschens 'persönliche' Texte gegenüber, in denen er seinen Gedanken zu Flauberts Romanprojekt freien Lauf lässt. Er bedient sich dabei teilweise ungewöhnlicher Bilder und weit ausholender Gedankengänge. Henschens Stil mag überraschen, scheint mir aber auch ein bezeichnendes Beispiel dafür zu sein, welche Ideenlawine die 'Kopie' auslösen kann.

Henschen lässt seine Übersetzung mit einem Abkürzungsverzeichnis beginnen, in dem er seine wichtigsten Quellen auflistet. Das sind neben den Manuskripten, Szenarios und Plänen der "Bibliothèque municipale de Rouen" und der "Bibliothèque historique de la ville de Paris", die unterschiedlichen Ausgaben des Gesamtwerks von Flaubert.14 Weiters bildet die Korrespondenz Flauberts einen wichtigen Anhaltspunkt für Henschen.15 In der bibliographischen Liste finden sich außerdem die Oeuvres de jeunesse in der Ausgabe von C. Gothot-Mersch und Guy Sagnes (Pléiade), die Ausgaben des Gesamtwerks von Jean-Jacques Rousseau und Joseph de Maistre – zwei Autoren, die von Flaubert besonders häufig im Sottisier erwähnt werden, sowie die Biographie Flauberts von Jean-Paul Sartre: L'Idiot de la famille. Von den bisher erschienenen Sottisier-Ausgaben werden die Ausgaben von Geneviève Bollème Le second volume de Bouvard et Pécuchet (Bollème 1966) genannt und die Ausgabe von Alberto Cento und Lea Caminiti.

In initio erklärt Henschen den schwer einzuordnenden Übergang vom "narrativen Genre" des ersten Bandes zur 'Materialschlacht' des zweiten Bandes "im nachgelassenen 'Brouillon', im 'Entwurf', im 'Projekt', in der 'Skizze', im 'Szenario', schließlich im 'Exzerpt'." (SO: 9) Henschen will, wie Bouvard und Pécuchet am Ende ihrer Geschichte, "wieder eine Art Ordnung in das Ganze bringen". Er sieht seine Arbeit als Erweiterung des bisher Vorgelegten, auch wenn ihm bewusst ist, dass eine Ausgabe des Sottisier in gewissem Sinn einen Willkürakt darstellt. Seine Einteilung des Materials in Sektionen (Kapitel, Abschnitte) folgt, wie gesagt, dem Modell der ersten Kommentatoren, i.e. Flauberts Nichte Caroline de Commanville und Guy de Maupassant. Die von diesen beiden definierten Ordnungskategorien betrachtet er als festgeschrieben.




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Mag der Umfang dieser Sektionen auch von Herausgeber zu (künftigen) Herausgebern variieren, so führt doch keine noch so freie editorische Entscheidung hinter den herben Zwang zurück, jedes neu auftauchende editionswürdige Fragment eben diesem Raster einfügen zu müssen. (SO: 11)

In der Rauchsäule für den Leser erklärt Henschen kurz die Präsentation der gesammelten Zitate und Dokumente. Alle Zitate sind z.B. rechts oben mit Angaben versehen, die ein Wiederauffinden in den acht Bänden ("Schubern") des ms g 26 gewährleisten. Richtig und gut finde ich auch die Entscheidung Henschens, Flauberts Unterstreichungen als Unterstreichungen zu übernehmen und nicht kursiv zu setzen, wie das z.B. in der französischen Flaubert-Philologie Usus ist. Hinzufügungen sind durch eckige Klammern markiert, in denen Henschen u.a. Erscheinungsdaten der oft entlegenen Einzeltexte angibt, was für Forschungsarbeiten mit intertextueller Ausrichtung äußerst aufschlussreich ist.

Inhalt und Umfang des Sottisier basieren auf bestimmten Zeichen Flauberts i.e., "alles, was mit einem Kreuz gekennzeichnet ist" und zumeist noch durch einen Halbkreis darüber hervorgehoben wird. Es ist also das "Kopiezeichen", das für Henschen über den Gesamtumfang entscheidet – "in erster, wenn auch nicht in letzter Instanz". (SO: 617)

Die "Kopie" beginnt mit gesammelten Annoncen, Reklamen und Rundschreiben (Annonces, réclames, circulaires, etc.). Diese Gliederung, d.h. die Anordnung des Sottisier-Materials unter einer bestimmten Rubriküberschrift kommentiert Henschen im direkt an die jeweilige Rubrik anschließenden Fußnotenapparat. Diese Vorgehensweise entspricht derjenigen von Cento und Caminiti. Henschen nennt dort den französischen Originaltitel und erklärt seine Anordnung im Vergleich zu den Verzeichnissen von Maupassant und Commanville, die er großteils übernimmt. Eine Ausnahme bildet aber z.B. die Sektion "Realistischer, volkstümlicher, Kavaliers- Hausbesitzerstil", deren Titel kein Originaltitel ist. (vgl. SO: 135/1)16 Auch die Sektion "Widersprüche der Wissenschaft" (Contradictions de la science) findet sich weder bei C. Commanville noch bei Maupassant, sondern nur in den "Dossiers von Rouen" (IV, fol. 51 und 54). In der Rubrik "Beschimpfungen, Dummheiten, Niederträchtigkeiten, Liebe. – Palinodien" hat Henschen ebenso erstmals weit verstreute Inhalte neu zusammengefasst. An diesen Beispielen zeigt sich, dass sich Henschen bei seiner Sammel- und Übersetzungstätigkeit bemüht, seine editorischen Entscheidungen transparent zu machen.

Bei Cento/Caminiti findet man Zitate, die mit mehreren "Ortsangaben" im Dossier von Rouen versehen sind, d.h. sie liegen in mehrfacher Form vor. Henschen hat sich in dieser Situation dazu entschieden, immer die lesbarste Form, i.e. die Reinschrift zu wählen. (vgl. SO: 620) In zahlreichen Fußnoten verweist Henschen auf die Ausgabe von Cento/Caminiti, um mit dieser wichtigen Ausgabe und Vorlage zu vergleichen, oder unterschiedliche editorische Vorgehensweisen zu erklären. (Beispiele SO: 393/38, 540/22). Besonders ausführlich erklärt er jedoch die Unterschiede zu Cento/Caminit in seiner Editorischen Nachlese. Eine für Henschen besonders wichtige herausgeberische Entscheidung bestand beispielsweise darin, gedruckte Materialien (u.a. zwei Dutzend Zeitungsausschnitte) in seiner Ausgabe aufzunehmen, wogegen Cento/Caminiti sich ausdrücklich ausgesprochen haben. (SO: 623)17




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Im Unterschied zur Ausgabe von Cento/Caminiti annotiert Henschen jede von Flaubert zitierte Quelle, was für interessierte Leser eine äußerst wertvolle Information darstellt. Dabei ist er präziser vorgegangen als Flaubert, da dieser Fundstellen teilweise ungenau angibt. Henschen zitiert auf der Basis der Vorarbeit von Cento/Caminiti die Erstausgaben bzw. von Flaubert benutzte Ausgaben. An manchen Stellen korrigiert er Flaubert, wenn dieser z.B. ungenau (SO: 124/17), fehlerhaft (SO: 229, Fehlzitat Lamennais) zitiert, oder stark paraphrasiert (SO: 439/4, Flaubert zitiert La Mettrie). Im Gegensatz zu Cento/Caminiti verzichtet Henschen auf eine Numerierung der Zitate, um nicht eine "falsche" Geradlinigkeit der "Laufrichtung" bzw. ein "Anfang und Ende" zu suggerieren. (vgl. SO: 620)

Im äußerst ausführlichen Fußnotenapparat, der auf eine beeindruckende Recherchearbeit schließen lässt, wird die Geflecht-Struktur des Romanprojektes gut ersichtlich, wenn vom Zitat im Sottisier auf damit zusammenhängende Stellen im Romanteil, im Dictionnaire des idées reçues oder in der Correspondance verwiesen wird.18 Flaubert notiert z.B. in der Rubrik "Geistlicher Stil" eine Stelle aus Abbé Louis-Eugène Bautains 'Bestseller' Die Christin unserer Tage zum Thema Walzer (und dessen Gefahren). Henschen beschreibt in der Fußnote kurz den Autor und verweist dann auf den Eintrag im Dictionnaire zu "valse" und die Erwähnung Bautains in der Korrespondenz. (SO: 63/4). Auguste Rigard und sein Marchand de coco von 1830 werden beispielsweise sowohl im Sottisier als auch in Bouvard und Pécuchet zitiert (SO: 187/12). Jean-Philippe Damiron und sein Cours de philosophie gehen ebenso in beide Textsorten ein (SO: 292/30).

Wie z.B. auch Dord-Crouslé (Flaubert 1999) entscheidet sich Henschen das Album de la Marquise, das lange Zeit als Teil des Sottisier galt, "aufzugeben", da es offenbar aus der Feder Duplans stammt. Dennoch hat er dem Sottisier-Beiheft eine Übersetzung angehängt, jedoch ohne erklärende Kommentare hinzuzufügen. Dem Dictionnaire des idées reçues, einem weiteren Element des Sottisier-Projektes, will Henschen einen eigenen Band widmen. Es soll 2005 erscheinen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Henschen im Vergleich zur Sottisier-Ausgabe von Cento/Caminiti neues Material hinzufügt. Außerdem bietet er die "Erstveröffentlichung" einer bibliographischen Liste Flauberts mit insgesamt einundvierzig Titeln philosophischer Werke, die mit der Überschrift "Philosophie" versehen wurde und sich in MS VI, fol. 1 und 2 eingeschoben fand (SO: 661–662).




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Zusätzlich bildet er in seiner Editorischen Nachlese die Inhaltsschemata von Maupassant (SO: 592–593, in deutscher Übersetzung) und C. Commanville (SO: 594–602; sowohl als Faksimile als auch als Transkription in Französisch) ab, was für editionsphilologisch Interessierte wichtig ist. Er übersetzt zudem die "offiziellen" Inhaltsversverzeichnisse von Flauberts "Dossier", die sich zu Beginn jedes der acht Schuber (I–VIII) der "Bibliothèque municipale de Rouen" finden und ergänzt diese um zusätzliche Präzisierungen (SO: 606–617).

Der Kommentarband bietet fortlaufende, bisher auch im Französischen unveröffentlichte Transkriptionen von handschriftlichen Exzerpten Flauberts, die sowohl im französischen Original (auf der linken Seite) als auch in der deutschen Übersetzung (auf der rechten Seite) abgedruckt sind. Diese Exzerpte werden von Henschen einführend erklärt und annotiert. Es handelt sich dabei um Lektüren Flauberts zu Arthur Schopenhauer, Benedictus de Spinoza, Charles Bonnet, Joseph de Maistre, Charles de Montesquieu, Charles Fourier, J.-L. Moreau de la Sarthe, Arnold Boscowitz, Ludovic Lalanne, Daniel Gottlieb Schreber, u.a.

Henschen präsentiert Flauberts Exzerpte im Kommentarband in einer "diplomatischen Transkription" (transcription diplomatique), d.h. er bemüht sich die Topographie der Manuskriptseite mehr oder weniger treu wiederzugeben. Auf diese Weise ist Flauberts Arbeits- und Schreibweise (Unterstreichungen, Absatzgestaltung, Zeichensetzung etc.) gut nachvollziehbar. Dadurch dass jedem Exzerpt auch eine Faksimile-Abbildung folgt, wird die Manuskriptgestalt noch eindringlicher. Es ist beispielsweise gut ersichtlich, dass Flaubert Randvermerke und Kreuzzeichen anbringt, die einer späteren Klassifizierung und Relektüre dienen. Außerdem ist es sehr bezeichnend, dass das 'Layout' von Flauberts Exzerpten dem von Wörterbüchern ähnelt, d.h. dass es linksgerückt einen Eintrag gibt, der rechts davon kurz zusammengefasst, oder durch ein Zitat erklärt wird. (vgl. Herschberg-Pierrot 1995: 542).

Eine kleine Auslassung ist auf der Seite 62 des Kommentarbandes unterlaufen, da hier eine Seitenangabe fehlt, bzw. es ist ein Verweis auf den Sottisier mit Seite "ooo" angegeben. Solche "ooo"-Angaben sind auch im Sottisier zu finden (SO: 464/18, 620 unten).

Henschens Bibliographie schließlich setzt sich aus "alphabetisch aufgeschlüsselten Titeln zusammen, die den vollen Umfang des bibliographischen Materials bieten, das Gustave Flaubert im Laufe seiner Vorbereitungsarbeiten für diesen Sottisier benutzt hat, soweit es durch das copie-Zeichen für die Veröffentlichung ausgewiesen und vorgesehen war" (SO: 660). Auch hier bietet Henschens Sottisier Flaubertforschenden eine wertvolle Quelle, da er in seine Bibliographie die bibliographische Übersicht von Cento/Caminiti (1981) einfließen lässt, sowie die Literaturliste aus Flauberts Carnet 15 in der Transkription von Pierre Marc de Biasi und weitere für die Intertextualitätsforschung interessante Arbeiten: von René Descharmes (1921), Marie-Jeanne Durry und Jean Bruneau (1962) und Yvan Leclerc (1991).




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In seinen Exkursen behandelt Henschen in Form wissenschaftlicher Aufsätze zwei Themen, die sich aus der Arbeit mit Flaubert-Texten herausschälen. Der erste Exkurs (Quellenlehre) stellt sich die Frage von 'Dichtung und Wahrheit' in Bezug auf historische Quellen und deren korrekte oder nachlässige Benutzung am Beispiel des Romans Salammbô, genauer, des sagenumwobenen Mantels der Tanit.

In seinem zweiten Exkurs(Walter Benjamin und sein "Paris"-Mythos) verweist Henschen auf die Nähe von Flauberts Sottisier zu Walter Benjamins Passagen-Werk und stellt sich die Frage, ob von einer historischen Verspätung gesprochen werden kann, wenn man Benjamin ausgehend von Flaubert liest. Der Vergleich Flaubert – Benjamin ist in der Tat ein interessanter, was nicht nur von Henschen wahrgenommen wird.19 Definiert man – wie A. Kilcher – Montage als "die avantgardistische Version des Anti-Buches, der Einbruch einer enzyklopädischen Textur in die medialen und ästhetischen Parameter eines Buches", ist gerade über die Technik und Poetik der Montage ein Vergleich der beiden Autoren naheliegend.20


Mobiles Textmaterial versus gegliedertes Textkorpus

Die Aufzeichnungen, Manuskripte und Dokumente des Dossier de Rouen sind, wie oben erwähnt, in unterschiedliche Rubriken eingeteilt und nach Umschlägen (Mappen, Schnellheftern) geordnet, die Flaubert mit bestimmten Titeln versehen hat. Er hat bestimmte Zitate mit dem Verweis "Für die Kopie" versehen, oder durch ein einfaches Kreuz markiert, was, wie bereits erwähnt, für Henschen das Auswahlkriterium für die Aufnahme von Zitaten in den Sottisier darstellt.

Hier stellt sich nun die Frage, ob dieses Kriterium für die Materialauswahl des Sottisier genügen kann. Flaubert hat sein Material immer wieder umgestaltet, insofern er seine Notizen überarbeitete, neu zuordnete oder neue Rubriken schaffte, was er durch Randvermerke kenntlich machte. Wichtig zu betonen ist auch, dass Flaubert Mitarbeiter (Edmond Laporte und Jules Duplan)21 hatte, die gemeinsam mit ihm die Notizen 'verwalteten'. Gemäß Jacques Neefs und Claude Mouchard wurde das Dossier nicht einheitlich be- bzw. überarbeitet. Ein großer Teil des Materials wartete offensichtlich auf eine Neulektüre und Neuzuteilung, was diese beiden Forscher mit Hinweisen aus der Correspondance belegen, die den Streit mit Laporte als Grund für eine Unterbrechung der Sottisier-Arbeit anführen.22 Hat es also Sinn eine 'definitive' Textform 'vorzutäuschen' und kann man ein so wenig fixiertes Textmaterial publizieren? Ist es nicht vielmehr ein eitler Plan, zu versuchen, Flauberts Absichten zu rekonstruieren?23




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Auf diese Frage gibt es unterschiedliche Antworten. Stéphanie Dord-Crouslé vertritt in ihrer Bouvard et Pécuchet-Ausgabe (1999) die Meinung, dass keine Papierversion ein zufriedenstellendes Bild der Komplexität der 'Dokumenten-Baustelle' der Romandossiers geben kann: "Si traduire c'est trahir, dans le cas du second volume de Bouvard, c'est l'édition-papier qui est immanquablement une trahison." (Flaubert 1999: 359) Allein eine kritische elektronische Ausgabe könnte ihrer Meinung nach die Komplexität des Projektes wiedergeben und das Problem der Verstreutheit der einzelnen Dokumente lösen.24 Durch die Hypertext-Form könnte man der Gefahr entgehen, die verstreuten Fragmente des unabgeschlossenen Werkes in die Illusion eines definitiven Texest zu verwandeln. Eine elektronische Textversion würde auch erlauben, den Prozess des ständigen "Über-Arbeitens", die Mobilität des Textmaterials und die Dynamik, die sich in den unterschiedlichen Möglichkeiten an Schreibweisen ausdrückt, sichtbar zu machen. (vgl. Mouchard/Neefs 1980: 180) Herschberg-Pierrot unterstreicht diesbezüglich die Bedeutung einer "textgenetischen" Herangehensweise:

Il revient au généticien de mettre en valeur des parcours du travail, de décrire les processus de l'écriture et les interactions des dossiers, de prendre en compte aussi la dimension de l'énonciation graphique et du sujet de l'écriture. (Herschberg-Pierrot 1995: 538–539)

Ein weiteres Problem besteht für Dord-Crouslé darin, dass sich die in Rouen aufbewahrten Dokumentensammlungen durch eine vielgestaltige Heterogenität auszeichnen und nicht nur für Bouvard et Pécuchet gesammelt und verwendet wurden. Die Dokumente des "Dossiers von Rouen" bilden außerdem nur einen Teil der Dokumente, die von Flaubert gesammelt wurden. Die außergewöhnliche Fülle an Material verdeckt laut Dord-Crouslé große Lücken. Wichtige Aufzeichnungen Flauberts, die zweifellos einen bedeutenden Materialbestand für den 2. Band gebildet hätten, wurden nach dem Tod Flauberts durch Verkäufe im Zuge der Erbfolge verstreut. Als Beispiel erwähnt sie hierfür die Dossiers, die die Aufzeichnungen zu den Kapiteln Ästhetik und Geschichte enthielten. Schließlich meint Dord-Crouslé, dass auch jene Zitate, die 'fixiert' scheinen, also die, die von Flaubert isoliert und bestimmten Kategorien zugeordnet wurden (Kopiezeichen), sich als ebenso unstabil erweisen.

Les annotations portées par l'écrivain (qui indiquent le lieu du classement) sont souvent plurielles et invitent à conserver aux fragments textuels une mobilité qui est nécessairement défaite par la fixité éditoriale. Seule une mise en fiction des documents, effectuée par Flaubert, aurait pu conférer à ce dispositif insolite la plasticité qu'il requiert. (Flaubert 1999: 394)

Der Meinung ist Henschens Position gegenüberzustellen, die er in seinem Nachwort Sägespäne formuliert. In diesem Teil versucht er den Sinn und die Gestalt des zweiten Teils von Flauberts letztem Roman näher zu bestimmen. Er hält gleich zu Beginn dieser "Ein- und Ausführung" fest, dass der Sottisier ein zwar weit fortgeschrittenes, aber kein fertiges Werk sei: "Vielmehr ein durch wiederholte, eindeutige Absichtserklärungen und durch editorische Anweisungen zur Endfassung halbwegs erschlossener Material-Steinbruch, angesichts dessen die Frage, wie mit ihm umzugehen, wie er abzutragen und auszubeuten sei, wichtiger ist als die Probleme seiner definitiven 'Textgestalt'". (SO: 627)




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Für Henschen ist alles aus der bloßen Präsentation des Textmaterials zu gewinnen und nichts aus dem Vergleich von Druckfassungen und handschriftlichen Varianten samt textkritischem Stufenapparat. Er betont im Plural:

Wir sind von der Voraussetzung ausgegangen, dass es diesen Sottisier gibt, wenn auch nur in rekonstruierter (aber für eine Edition hinlänglich stabiler) Form und trotz einer langen "Abwesenheit"; dass er fortan seinen Platz neben Bouvard et Pécuchet finden wird, nicht als zum Verwechseln ähnlicher (eineiiger), sondern nicht-identischer, grobschlächtiger, ja "böser" Zwilling, und nicht nur als von Herausgeberhand sinnlos zusammengekürzter Anhang von einigen Druckseiten, sondern als das Monstrum, das er ursprünglich war; als das "Mittelstück" des dreiteiligen B & P Komplexes, des Eingangsportals der schon wieder unendlich fern gerückten Moderne. (651)

Wie immer man zu dieser Diskussion stehen mag, verdient es diese Ausgabe jedenfalls, dass man sich eingehend mit ihr auseinandersetzt. Henschens Sottisier ist ohne Zweifel ein weiterer wichtiger Schritt bei der Erforschung von Flauberts Spätroman, sowohl im deutsch- als auch im französischsprachigen Raum.


Bibliographie

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Bollème, Geneviève (1966): Le Second volume de Bouvard et Pécuchet. Paris: Denoël.

Cento, Alberto (1973): Commentaire de Bouvard et Pécuchet. Neapel: Liguori.

Déotte, Jean-Louis (1998): "Flaubert et Benjamin. Bouvard et Pécuchet: le récit du troisième âge", in: Le Récit et les arts, 183–99.

Descharmes, René (1921): Autour de Bouvard et Pécuchet. Études documentaires et critiques. Paris: Librairie de France, F. Saint' Andrea, L. Macerou et Cie.

Dord-Crouslé, Stéphanie (1998): Bouvard et Pécuchet et la littérature. Étude génétique et critique du chapitre V de Bouvard et Pécuchet de Flaubert. Doktorarbeit, Universität Paris 8.




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Dord-Crouslé, Stéphanie (2003): "Flaubert et les Manuels Roret ou le paradoxe de la vulgarisation", in: L. Andries (Hg.), Littérature et vulgarisation des savoirs (1750–1848). Lyon: Presses universitaires de Lyon.

Durry, Marie-Jeanne / Bruneau, Jean (1962): "Lectures de Flaubert et de Bouvard et Pécuchet", in: Rivista di Letterature moderne et comparate 15, 4–45.

Flaubert, Gustave (1964): Bouvard et Pécuchet, édition critique par Alberto Cento, précédée de scénarios inédits. Paris: A.G. Nizet.

Flaubert, Gustave (1971ff): Oeuvres complètes. Paris: Club de l'Honnête Homme.

Flaubert, Gustave (1979): Bouvard et Pécuchet. avec un choix des scénarios, du Sottisier, L'Album de la Marquise et Le Dictionnaire des idées reçues, hg. v. Claudine Gothot Mersch. Paris: Gallimard.

Flaubert, Gustave (1981): Le second volume de Bouvard et Pécuchet. Le projet du Sottisier. Reconstitution conjecturale de la "copie" des deux bonshommes d'après le dossier de Rouen, hg. v. Alberto Cento und Lea Caminiti Pennarola. Neapel: Liguori.

Flaubert, Gustave (1988): Les Carnets de travail, hg. v. Pierre-Marc Biasi. Paris: Balland.

Flaubert, Gustave – Guy de Maupassant (1993), Correspondance, hg. v. Yvan Leclerc. Paris: Flammarion.

Flaubert, Gustave (1995), Le Sottisier, hg. v. Bruno de Cessole. Paris: Nil.

Flaubert, Gustave (1999): Bouvard et Pécuchet, hg. v. Stéphanie Dord-Crouslé. Paris: GF Flammarion.

Flaubert, Gustave (2003): Bouvard und Pécuchet, übersetzt, annotiert u. mit einem Vorwort versehen v. Hans-Horst Henschen. Berlin: Eichborn.

Flaubert, Gustave (2004a): Universalenzyklopädie der menschlichen Dummheit. Ein Sottisier, herausgegeben, übersetzt und annotiert von Hans-Horst Henschen. Frankfurt am Main: Eichborn. (= SO)




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Flaubert, Gustave (2004b): Universalenzyklopädie der menschlichen Dummheit. Ein Sottisier. Transkribierte Handschriften und Kommentare, herausgegeben, übersetzt und annotiert von Hans-Horst Henschen. Frankfurt am Main: Eichborn. (= KO)

Haberl, Hildegard (2003): "Wissen erzählen. Die Enzyklopädie im literarischen Text", in: PhiN. Philologie im Netz 25, 47–60. [www.phin.de]

Herschberg-Pierrot, Anne (1995): "Les dossiers de Bouvard", in: Romanic Review, 86/3, 537–549.

Herschberg-Pierrot, Anne (2001): "La réinterprétation des idées flaubertiennes au vingtième siècle", in: Garaud, Christian (Hg.): Sont-ils bons? Sont-ils méchants? Usages de stéréotypes. Paris: Champion, 51–60.

Japp, Uwe (1996): "Die Komik des Wissens", in: Flaubert, Gustave: Bouvard et Pécuchet, dt. v. Georg Goyert. Frankfurt am Main: Insel, 399–431.

Kilcher, Andreas B. (2003): mathesis und poiesis. Die Enzyklopädik der Literatur 1600–2000. München: Wilhelm Fink.

Leclerc, Yvan (Hg.) (1991): La Bibliothèque de Flaubert. Inventaires et Critiques. Rouen: Publications de l'Université de Rouen.

Mouchard, Claude / Neefs, Jacques (1980): "Vers le second volume: Bouvard et Pécuchet", in: Flaubert à l'oeuvre. Paris: Flammarion, 17–217.

Neefs, Jacques (2001): "La haine des grands hommes au XIXe siècle", in: MLN, 116.4, 750–769.

Schmider, Christine (2001): Modernité et fantasmagorie (Gustave Flaubert et Walter Benjamin). Université Paris 8.

Scholler, Dietrich (1997): "'Mais on ne voit chez vous que des choses lugubres!' – Enzyklopädische Sichtbarkeit in Flauberts Bouvard et Pécuchet", in: PhiN. Philologie im Netz 1, 43–62. [www.phin.de]

Scholler, Dietrich (2002): Umzug nach Encyclopaedia. Zur narrativen Inszenierung des Wissens in Flauberts Bouvard et Pécuchet. Berlin: Weidler.


Anmerkungen

1 Der Titel ist ein Zitat Flauberts, der in einem Brief aus dem Jahr 1879 an Edgar Raoul-Duval schreibt, dass sein Werk, an dem er arbeitet "[...] pourrait avoir comme sous-titre `encyclopédie de la bêtise humaine'." (zitiert in Flaubert/Henschen 2004a: 628, 656/10). Im Folgenden zitiere ich Henschens Sottisier mit SO und den Kommentarband (Flaubert/Henschen 2004b) mit KO.




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2 Vgl. Equipe Flaubert, ITEM-CNRS : http://www.item.ens.fr. Aus dieser Forschungsgruppe sind in Bezug auf Bouvard et Pécuchet neben den bereits erwähnten Forschungen Claudine Gothot-Merschs, u.a. auch jene von Jacques Neefs, Stéphanie Dord-Crouslé (1998 und 2002), Pierre-Marc de Biasi (2002 und 2003), Claude Mouchard, und Anne Herschberg-Pierrot zu nennen (siehe Bibliographie).

3 Vgl. Scholler (1997) und (2002), Kilcher (2003), Haberl (2003); zur Enzyklopädik vgl. Dord-Crouslé (2000 und 2003).

4 Eine genauere Beschreibung des "Recueil" ist bei Mouchard/Neefs (1980: 173) zu finden.

5 Eine ausführliche Beschreibung des Dossiers von Rouen bei Cento/Caminiti (1981: LXXVII–LXXXVI). Sie beschreiben den Grundstock des Sottisier folgendermaßen: "En résumé, sur 1715 feuillets composant le dossier proprement dit de Bouvard et Pécuchet, 180 comprennent des coupures ou en général des documents imprimés; 800 les notes de lectures, 405 les recueils de citations, ou Sottisier stricto sensu; et enfin 146 le dossier de Duplan, en nous bornant au ms V, et aux pages manuscrites. Cela donne un total de 1631 feuillets." (LXXIX–LXXX).

6 Neefs und Mouchard weisen darauf hin, dass die "materielle Geschichte" des Recueil unsicher ist, "mais les hésitations sur le "Recueil" tiennent à ce que très vite (dès Maupassant) on l'a considéré comme un ensemble d'où extraire un profil du second volume de Bouvard et Pécuchet (la "Copie" ou le "Sottisier"), plus que comme un chantier de travail où pouvaient s'exercer librement des rassemblements, des structurations flottantes. Il n'en reste pas moins que le devenir posthume de ces manuscrits (reliure, manipulation des chemises classées par Flaubert, autres chemises) obscurcit encore l'histoire du travail de Flaubert." (1980: 174, note 5)

7 Dies soll folgende Manuskriptliste nach der Ausgabe von Stéphanie Dord-Crouslé (1999: 42) gewährleisten:
– Ms gg10. Bouvard et Pécuchet. Plans. Manuscrit autographe. 72 feuillets. [ Szenarios und Pläne]
– Ms g224 (1) et (2). Bouvard et Pécuchet. Manuscrit autographe (sauf pour les feuillets 251 à 297 inclus). 300 feuillets au total. [Autograph und Pläne des Romans]
– Ms g225 (1) à (9). Bouvard et Pécuchet. Brouillons des chapitres I à X inclus. Manuscrit autographe. 1203 feuillets au total. [Brouillons zu Bouvard et Pécuchet]
– Ms g226 (1) à (8). Recueils de documents divers rassemblés par Flaubert pour la préparation de Bouvard et Pécuchet. 2215 feuillets au total. [Vorbereitende Materialien zu Bouvard et Pécuchet (vulgo: Sottisier), bei Henschen zitiert als I–VIII]
– Ms g227. Dictionnaire des idées reçues. Manuscrit en partie autographe. 59 feuillets. [Erste Fassung des Dictionnaire des idées reçues]
– Ms g228. Dictionnaire des idées reçues. Manuscrit non autographe avec corrections de Flaubert. 26 feuillets. [Zweite Fassung des Dictionnaire des idées reçues]
Darüber hinaus gibt es weitere, für Bouvard et Pécuchet relevante Manuskripte, wie z.B. die Carnets de travail, die von Pierre-Marc de Biasi (1988) ediert wurden und die ersten Pläne zu Bouvard et Pécuchet enthalten .

8 Die Informationen zu diesem Teil meines Textes stammen großteils aus der Bouvard et Pécuchet-Ausgabe von Claudine Gothot-Mersch (1979). Auch Henschen bietet in seiner editorischen Nachlese einen historischen Überblick über die bisherigen Sottisier-Ausgaben.

9 Andere Übersetzungen von: Ernst Wilhelm Fischer (Minden i. Westf.: Bruns, 1909, Potsdam: G. Kiepenheuer 1922), Berta Huber (Minden i. Westf.: Bruns, 1922), Erich Marx (Leipzig: Dieterich 1959, Zürich: Diogenes 1990), Thomas Dobberkau (Berlin: Rütten & Loening 1980).

10 Dieser Aufsatz wurde von Yvan Leclerc publiziert in: Gustave Flaubert – Guy de Maupassant (1993), Correspondance, hg. v. Yvan Leclerc, Paris: Flammarion, 290–308.

11 Alberto Cento ist 1968 verstorben. Seine Mitarbeiterin Lea Caminiti hat die Arbeit an der "Kopie" fortgesetzt. Mit Ausnahme der BNF ist diese Ausgabe in Bibliotheken kaum zu finden. Es sei auch betont, dass es sich bei dieser Ausgabe um die hektographierte Fassung eines Schreibmaschinenmanuskripts handelt. vgl. auch Henschen 603/10.

12 Vgl. Gothot-Mersch (1979: 27).

13 Vgl. Gothot-Mersch (1979: 28–29).

14 Édition Conard 1910 ff., Édition Les Belles Lettres (Hg. R. Dumesnil), 1945–48, Édition de la Pléiade (Hgg. A. Thibaudet und R. Dumesnil), 1952, Éditions Rencontre" (Hg. M. Nadeau), 1964–65, Édition du Club de l'Honnête Homme (Hg. M. Bardèche), 1972–73.

15 Darunter die Correspondance in der Pléiade-Ausgabe von Jean Bruneau (d.h. die vier bisher erschienen Bände), die Correspondance Flaubert – Maupassant, hrsg. von Yvan Leclerc (dt. Der Briefwechsel mit Guy de Maupassant übers. v. C. Hasting), die Correspondance Flaubert – Sand hrsg. von Alphonse Jacobs (dt. Eine Freundschaft in Briefen übers. v. A. Lallemand, H. und T. Scheffel)

16 Die nach dem Schrägstrich angeführte Zahl bezieht sich auf die Fußnote.

17 Im Vergleich Cento/Caminiti: " [...] publier les coupures et en général les documents imprimés serait tout simplement absurde; il s'agit de simples matériaux qu'on ne peut trier à la place de Flaubert." (LXXXIII)

18 Henschen verwendet in der Einleitung zu seinen Appendizes das Bild des "Myzels", einem unterirdischen Fadengeflecht der Pilze, um die Struktur des Sottisier zu beschreiben: "Aus der diffusen Masse verzwirnter Fäden mit Anknüpfungen, Verbindungen und Knoten hat sich ein riesiges Manuskriptgeflecht gebildet, das kaum mehr zu entwirren ist." (7)

19 Vgl. die Dissertation von Christine Schmider, in der sie eine "lecture croisée" des Passagenwerks und L'Education fondamentale vornimmt. Sie hat die Gesammelten Schriften nach Verweisen auf Flaubert durchsucht und diese (insgesamt 19) im Anhang angeführt. Bouvard et Pécuchet erscheint Benjamin beispielsweise in einem Brief an Ernst Schoen vom 31. Juli 1918 in jeder Hinsicht als das schwierigste Buch Flauberts. (Schmider 2001); vgl. auch Déotte (1998).

20 Vgl. Kilcher (2003: 440).

21 Cento/Caminiti verweisen auf die unterschiedliche Arbeitsweise von Laporte und Duplan: "Or, tandis que Laporte s'en tient religieusement aux notes de Flaubert et à ses indications (jamais il ne copie une citation qui n'ai été indiquée par le romancier), Duplan au contraire, a utilisé non pas les notes mais les livres eux-mêmes, et c'est lui qui chosit les citations." (LXXXV)

22 Vgl. Mouchard/Neefs (1980: 175).

23 Vgl. Herschberg-Pierrot (2001: 538).

24 Yvan Leclerc hat 1995 die Pläne und Skizzen zu Madame Bovary herausgegeben. Diese Edition beinhaltet auch eine Hypertextversion (vgl. Gustave Flaubert: Plans et scénarios de Madame Bovary, Présentation, transcription et notes par Yvan Leclerc, coll. Manuscrits, CNRS Editions/ Bibliothèque Nationale de France / ZULMA éditions, avec la collaboration de l'ITEM).

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