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Konstruktion
und Dekonstruktion von Geschlecht. Feminismus diesseits und
jenseits von Frauenpolitik
Juli 2007 |
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Feminismus und Geschlechterpolitik zeigen sich in den unterschiedlichsten
Formen und mit stark differierenden Schwerpunktsetzungen. Zur systematisierenden
Unterscheidung der vielen vorliegenden Positionen eignet sich insbesondere
der Geschlechterbegriff; denn auch die Frage, was Geschlecht bedeutet
und wie der Begriff verwendet werden sollte, ist im Zusammenhang
von Feminismus und Geschlechterpolitik keineswegs unumstritten.
In ihrem Beitrag Konstruktion und Dekonstruktion von Geschlecht.
Perspektiven für einen neuen Feminismus intendiert Ina Kerner
vor diesem Hintergrund zweierlei: Erstens, einen Überblick
zu geben über zentrale geschlechtertheoretische Grundpositionen,
ihre zentralen Charakteristika und Implikationen. Zweitens –
anknüpfend an aktuelle Debatten zum „neuen Feminismus“
– Perspektiven aufzuzeigen für eine Geschlechterpolitik,
die sowohl einen vereinheitlichenden Geschlechterbegriff hinter
sich lässt als auch eine enge Auslegung geschlechterpolitisch
relevanter Anliegen und Belange vermeidet.
Der Beitrag gliedert sich in sechs Teile.
Der erste Teil – Feminismus heute und gestern – ist
ein einführender Bogenschlag über Geschlechterpolitik
in Gegenwart und Vergangenheit, in dem es unter anderem darum geht,
welche Streitfragen sich in diesem Feld in den letzten Jahrzehnten
entwickelt haben.
Dem folgt im zweiten Teil – Die Trennung von Sex und Gender
– eine Herleitung der mittlerweile gängigen Sex/Gender-Unterscheidung;
zur Sprache kommen dabei insbesondere die Positionen von Simone
de Beauvoir, Ann Oakley und Gayle Rubin.
Der dritte Teil thematisiert die feministische Debatte um Gleichheit
und Differenz, und stellt in knappe Weise wichtige Merkmale gleichheitsfeministischer
und differenzfeministischer Positionen dar.
Im vierten Teil – Intersektionalität und die Pluralisierung
von Gender – kommen Autorinnen zu Wort, welche die Annahme,
im Feld der Geschlechter hätten wir es lediglich mit zwei Gruppen
zu tun – Männer und Frauen – hinterfragen, Sexismus
mit gesellschaftlichen Problemen wie Homophobie und Rassismus zusammendenken
und für die Vervielfältigung der Genderkategorie plädieren.
Der fünfte Teil – Die Entnaturalisierung von Sex –
ist vornehmlich Judith Butler gewidmet und fokussiert dabei deren
zentrale These, auch die Annahme einer „natürlichen“
Zweigeschlechtlichkeit sollte als soziale Konvention, genauer gesagt
als Effekt von Gender, und damit prinzipiell als politisier- und
veränderbar begriffen werden.
Der sechste Teil schließlich ist Perspektiven für einen
neuen Feminismus gewidmet. Hier wird einerseits der offen angelegte
und vor allem von jüngeren Personen propagierte US-amerikanische
Third Wave Feminismus vorgestellt; andererseits wird das Gender-Manifest
einer Gruppe essentialismuskritischer Praktiker/innen aus dem Bereich
des Gender Mainstreaming präsentiert.
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Über die Autorin
Ina Kerner,
Dr. phil., ist Diplompolitologin und arbeitet
als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für
Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung
der Technischen Universität Berlin.
Sie hat in Berkeley, Bonn, Quetzaltenango, Chapel Hill
und an der Freien Universität Berlin studiert und
war von 1999 bis 2005 Wissenschaftliche Mitarbeiterin
für politische Theorie am Otto-Suhr-Institut für
Politikwissenschaft der FU Berlin.
Im Wintersemester 2001 war sie Visiting Scholar, im
Sommersemester 2006 Visiting Assistant Professor an
der New School für Social Research in New York.
Anfang 2006 hat sie mit einer Arbeit über „Differenzen
und Macht. Zum Verhältnis von Rassismus und Sexismus“
promoviert. Ihre Arbeitsschwerpunkte umfassen politische
Theorie, feministische Theorien, Postkolonialismus und
Fragen von Diversität und Intersektionalität.
Andere Veröffentlichungen
der Autorin
Feminismus, Entwicklungszusammenarbeit und Postkoloniale
Kritik. Eine Analyse von Grundkonzepten des Gender-and-Development
Ansatzes. Hamburg 1999: LIT.
Empowerment durch Geschlechterplanung? Postkoloniale
Kritik am Genderansatz. In: ASA, iz3w: Malestreaming
gender? Geschlechterverhältnisse in der Entwicklungspolitik.
Sonderheft Gender, iz3w, März 2000, S.10-14.
Dimensionen postmoderner Feminismen. Plädoyer für
Mehrstimmigkeit im feministischen Theoriekanon. In:
Feministische Studien, Jg. 14, Heft 1/2000, S. 129-144
(gemeinsam mit Johannes Dingler, Regina Frey, Ingrid
Jungwirth, Frauke Spottka).
Flucht, Migration und die bundesdeutsche Entwicklungszusammenarbeit.
In: Alfredo Märker, Stephan Schlothfeldt (Hg.):
Was schulden wir Flüchtlingen und Migranten? Grundlagen
einer gerechten Zuwanderungspolitik. Opladen 2002: Westdeutscher
Verlag, S. 45-67.
Nationalstaatliche Integrationsmechanismen und geschlechtliche
Zuschreibungen. In: Gerhard Göhler, Mattias Iser,
Ina Kerner (Hg.): Verfassungspatriotismus und Nationale
Identität. Ein deutsch-ungarisch-tschechisch-polnischer
Dialog. Berlin – Miskolc 2003: Publicationes Universitatis
Miskolciensis, S. 305-320.
"Internationale Politik". Ein Interview mit
Gayatri Chakravorty Spivak von Ina Kerner, in: Texte
zur Kunst, 12. Jg., Nr. 49, März 2003, S. 73-80.
Geschlecht. In: Gerhard Göhler, Mattias Iser, Ina
Kerner (Hg.): Politische Theorie. 22 umkämpfte
Begriffe zur Einführung. Wiesbaden 2004: VS Verlag
für Sozialwissenschaften / UTB, S. 137-154.
Globalisierung. In: Gerhard Göhler, Mattias Iser,
Ina Kerner (Hg.): Politische Theorie. 22 umkämpfte
Begriffe zur Einführung. Wiesbaden 2004: VS Verlag
für Sozialwissenschaften / UTB, S. 190-208.
Forschung jenseits von Schwesternschaft. Zu Feminismus,
postkolonialen Theorien und Critical Whiteness Studies.
In: Cilja Harders, Heike Kahlert, Delia Schindler (Hg.):
Forschungsfeld Politik. Geschlechtskategoriale Einführung
in die Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2005: VS Verlag
für Sozialwissenschaften, S. 217-238.
Kollektive Identität. Überlegungen zum Gebrauch
eines umstrittenen Konzepts. In: Hubertus Buchstein,
Rainer Schmalz-Bruns (Hg.): Politik der Integration.
Symbole, Repräsentation, Institution. Festschrift
für Gerhard Göhler zum 65. Geburtstag. Baden-Baden
2006: Nomos, S. 157-173.
Kontakt
Ina Kerner
TU Berlin, ZIFG
Hauspostfach FR 3-4
Franklinstr. 28-29
D-10587 Berlin
E-Mail: ina.kerner@tu-berlin.de,
kerner@zedat.fu-berlin.de
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