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Woher sie kamen, wohin sie gingen |
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An dieser Stelle wird die Dokumentation der Studienabschlüsse nach Geschlecht nicht differenziert dargestellt, da schon seit mehr als einem Jahrzehnt die Gleichverteilung in den Instituten und besonders verallgemeinert auf den Fachbereich gewährleistet ist.
Ergebnisse einer Verbleibstudie über PromovendInnen und HabilitandInnen des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin
Durchgeführt und ausgewertet von Barbara Strobel
Für das Profil und die Zukunft jeder Universität hat die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses große Priorität. Die Förderung und das Sichern des wissenschaftlichen Nachwuchses ist nicht nur eine Frage der Reputation, sondern auch von rechtlicher Relevanz; nicht zuletzt ist Nachwuchsförderung für die Rechnungslegung der Universität von großer Aussagekraft und Bedeutung.
Ein Indikator für den Erfolg der Nachwuchsförderung, der statistisch unschwer erhoben werden kann, ist die Zahl der Promovierenden und als Erfolgsindikator kann die Zahl der DoktorandInnen gelten. Der erfolgreiche Abschluss ist das erste Ziel, die gesellschaftliche Geltung wird in deren Verbleib in angestrebten Positionen deutlich. Der Verbleib des Nachwuchses ist aus diesem Grunde ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Darüber hinaus gilt der Anteil von Frauen bei Promotion und Habilitation als wesentlicher Indikator für den Erfolg von Frauenförderung. Um vorangegangene Diskriminierung auszugleichen, wird die Betreuung von Frauen gesondert honoriert.
Im Folgenden werden die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, die mittels der Internetrecherche den Verbleib von mehr als 80 % der 1877 DoktorandInnen und 226 PrivatdozentInnen des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin nachweist. Er entstand in seiner heutigen Form im Rahmen einer grundlegenden Strukturreform, die 1999 an der FU Berlin durchgeführt wurde, und der sich seitdem aus dem Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft, dem Institut für Soziologie, dem Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und dem Institut für Ethnologie zusammensetzt. Die einzelnen Fächer weisen derzeit unterschiedliche Entwicklungen auf. Zentral für das Leistungsprofil des Fachbereichs ist das Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft, das mit Abstand das größte Institut darstellt. Es ist bundesweit die größte und vielseitigste politikwissenschaftliche Einrichtung und genießt aufgrund seiner vielfältigen Forschungs- und Lehrleistungen unter Studierenden wie Politikern einen sehr guten Ruf. Das Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft ist eines der traditionsreichsten Fachinstitute in Deutschland. Nach Neubesetzungen zentraler Professuren steht das Institut nach einer schwierigen Umbruchphase an der Schwelle zu einer neuen dynamischen Entwicklung. Das Institut für Ethnologie ist mit derzeit einer C3-Professur, einer vakanten Professur, einer Juniorprofessur und vier wissenschaftlichen Mitarbeiterstellen ein kleines, aber leistungsstarkes Institut. Darüber hinaus haben sowohl die Publizistik als auch die Ethnologie in der Berliner Hochschullandschaft ein Alleinvertretungsmerkmal und tragen damit zur herausgehobenen Positionierung des Fachbereichs bei. Demgegenüber musste die Soziologie im Rahmen des Strukturplans 2003 aufgrund von Absprachen mit der Humboldt-Universität zu Berlin grundlegende strukturelle Kürzungen hinnehmen.
I. Ziel und Methode der Studie
Wem nutzt eine Promotion oder Habilitation – und wann? Gab es so etwas wie gute und schlechte Zeiten für NachwuchswissenschaftlerInnen der Sozialwissenschaften an der FU? Gab es besonders erfolgreiche Betreuungen? Wer bekam eine Professur? Wer bekam eine Stelle im Wissenschaftsbereich außerhalb der Hochschulen und wo? Welche fachlichen Schwerpunkte innerhalb der Sozialwissenschaften waren besonders gefragt und erfolgreich? Welche Förderungswege gab es für Frauen und haben sie sich bewährt? Unterscheiden sich die Wege der wissenschaftlichen Qualifikation von Frauen und Männer und was hat sich im Zeitverlauf einer Wissenschaftsgeneration geändert?
Fragen und Überlegungen dieser Art konnten bislang wegen methodischer Probleme und vor allem wegen geringer Rücklaufquoten bei schriftlichen Befragungen nicht fundiert beantwortet werden. Mit der zunehmenden Neigung gerade im Wissenschaftsbereich, sich mit einer Kurzbiographie im Internet vorzustellen, wird es nunmehr jedoch möglich, Aufschluss über den Verbleib von NachwuchswissenschaftlerInnen durch Internetrecherchen zu gewinnen. Da für das Otto-Suhr-Institut (OSI) seit 1967, für die übrigen Institute des Fachbereichs seit 1997 statistische Daten über DoktorandInnen und PrivatdozentInnen vorliegen, wurden die Karteien von 1877 DoktorandInnen und 226 PrivatdozentInnen in eine Datenbank übertragen und via Internet nach dem Verbleib geforscht.
Der lange Zeitraum von 40 Jahren ermöglicht eine hohe Verlässlichkeit der Aussagen. Darüber hinaus gibt die Selbstdarstellung von ProfessorInnen im Netz mittels Kurzvita Hinweise, die gemeinhin in Um- und Nachfragen so ausführlich nicht geboten werden. Die Erhebung des Verbleibs von DoktorandInnen und PrivatdozentInnen zeigt nicht nur etwas über die Leistungsfähigkeit des Fachbereichs, sondern ist auch für die Einschätzung der anstehenden Reformbemühungen höchst relevant.
II. Ergebnisse der Studie
1. Promotionen
Anteile von Frauen
Der Anteil der Frauen an Promotionen ist von 1967 (8%) auf 2007 (52%) kontinuierlich gestiegen. Die Nachwuchsförderung im Bereich der Doktorandinnen und Habilitandinnen als Qualifizierung von Frauen für Professuren kann als Erfolgsgeschichte des OSI und des Fachbereiches Politik- und Sozialwissenschaften gelten.
Alter
Die Annahme, dass Promovierte umso erfolgreicher in eine Professur einmünden, je jünger sie promovieren, kann für Männer bestätigt werden. Für Frauen gilt, dass auch die nächst ältere Frauenkohorte noch gute Erfolgschancen hat. Frauen, die sich für ein Kind entschieden haben, ist der Weg zu einer Berufskarriere also nicht gänzlich verstellt.
Zur Graphik
Eine Auswertung des Alters der DoktorandInnen bei Abschluss des Promotionsverfahrens in anderen Verbleibkategorien wie Verwaltung, Medien, Politik- und Politikberatung verweist auf erkennbare Unterschiede.
Zur Graphik
Die Statistiken lassen den Schluss zu, dass die Promotion in unterschiedlichen Segmenten zu einem je anderen Zeitpunkt Erfolg versprechend oder sinnvoll erscheint. Die Vermutung liegt nahe, dass z.B. in bestimmten Bereichen der Verwaltung eine Promotion Karriereerfordernis ist oder zumindest karriereförderlich erscheint. Ein Berufskonzept, dass in anderen Bereichen für Juristen und von Betriebswirten bekannt und dort nur wesentlich stärker ausgeprägt ist. Diese Annahme wird auch gestützt durch eine Auswertung der Titel der Arbeiten, die einen Praxisbezug nahe legen.
Eine dritte Kategorie derjenigen, die in vergleichsweise hohem Alter (über 49 Jahren) noch eine Dissertation verfassten, legt von den Titeln der Arbeiten wiederum den Schluss nahe, dass die Intention der Vf. häufig darauf abzielte, politische Unrechtserfahrungen, z.B. im Zusammenhang mit Vertreibung, aufzuarbeiten und der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. Die Zahlen der Promotionen in der zweiten Altersgruppe liegt auf niedrigem Niveau, ist aber relativ konstant. Die dritte, letztere Gruppe kommt statistisch kaum zum Tragen. Dennoch sollte bei der Konzeption von Graduiertenschulen mit bedacht werden, dass sinnvolle Spektren nicht von vornherein ausgeschlossen werden.
Herkunft
Ein besonderes Interesse galt dem Verbleib ausländischer Promovierender. Erfreulich ist, dass eine bemerkenswerte Anzahl der DoktorandInnen in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt und dort erfolgreich in Professuren, Dozenturen oder vergleichbare Positionen eingemündet ist.
Die Gesamtzahl der außereuropäischen DoktorandInnen ist nur mit Vorbehalt anzugeben, da aufgrund der Schwierigkeiten der Identifikation sowohl die Zuordnung nach Geschlecht sich insbesondere im asiatischen Bereich als Problem erwies. Zugeordnet wurden für Lateinamerika 31 DoktorandInnen, davon 26 männlich und 5 weiblich. Für den Vorderen Orient wurden eindeutig zugeordnet 66 Promovierende, davon 58 männlich und 8 weiblich. Aus Afrika wurden 24 DoktorandInnen, davon 18 Männer und 4 Frauen recherchiert und durch eine qualifizierte Recherche koreanischer PromovendInnen ergab sich von den ermittelten 46 Personen – 41 Männer und 5 Frauen –, dass der Promotion koreanischer DoktorandInnen am OSI bei nahezu allen recherchierten Personen eine Weiterbeschäftigung an koreanischen Hochschulen erfolgte, sei es als Professor oder Lecturer. Mit besonderer Freude ist auf die Biographie von Frauen hinzuweisen, die nach einer Promotion am OSI auf Professuren an Universitäten in Ankara, Teheran und Peking gelangten.
Themenschwerpunkte
Wie die expost-Analyse zeigt, bot das breite Lehr- und Forschungsgebiet des OSI zwei entscheidende Vorteile: Zum einen haben über vier Jahrzehnte hinweg sowohl Frauen als auch Männer in allen Sachgebieten – und nicht nur den als „weich“ apostrophierten – in einem relativ ähnlichen und konstanten Verhältnis promoviert. Zum anderen hatten PromovendInnen den Freiraum, sich auf jeweils politisch relevante Themen zu spezialisieren und diese innerhalb großer gesellschaftlicher Debatten zu besetzen (z.B. Historikerstreit oder Gender-Debatte). Die Breite in der Themenwahl eröffnete die Chance, neue Themenfelder zu erschließen, wissenschaftliche Themenkonjunkturen aufzugreifen und sich kompetent in Debatten einzubringen und so für wissenschaftliche und andere Berufsfelder zu qualifizieren.
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
In Folge der sozialliberalen Bildungsoffensive Ende der 70er Jahre wurden auch der Wissenschaftsbereich ausgebaut und neue Professuren geschaffen. So eröffnete sich ein ‚Window of Opportunity’ für diejenigen, die zu diesem Zeitpunkt ihre Promotionen beendet hatten. Der Zeitpunkt war historisch gesehen für die Frauen, die in den Folgejahren erfolgreich ihre Promotion abschlossen und dann vor verschlossenen Türen standen, leider einen Moment zu früh. Als die Frauen promoviert und habilitiert waren, wurden kaum neue Rufe in den Sozialwissenschaften erteilt. Erst die Neubesetzungen der ehemaligen DDR Professuren sowie der Generationenwechsel auf der Ebene der Professuren gab auch Wissenschaftlerinnen die Chance, ihre Qualifikationen in eine angemessene Berufskarriere einmünden zu lassen und auf der Ebene der Professuren – zumindest in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fachbereichen der FU – an die Männer anzuschließen.
Der Rahmen des Erfolgs war also einerseits durch gesellschaftliche Bedingungen und neue Entwicklungen gesetzt; andererseits hat die Breite der Forschungsgebiete am OSI für Doktorandinnen besondere Chancen eröffnet. Dennoch gab es und gibt es keine Eigendynamik: Sowohl der zahlenmäßige Anstieg weiblicher Promovendinnen als auch der Einstieg in Professuren durch Frauen ist ganz wesentlich dem großen Engagement einiger BetreuerInnen zuzuschreiben. Eine besondere Erwähnung verdient das am OSI von den Professuren Wolf-Dieter Narr und Peter Grottian ermöglichte Modell der Teilzeit-Professur.
2. Habilitation
Bei der Auswertung von Statistiken zum Anteil von Frauen an Habilitationen ist das geringe Zahlenmaterial ein Problem. Auch die Unterschiede zwischen den Instituten können nur bedingt wiedergegeben werden. Der Auswertungszeitraum spiegelt für das Institut für Soziologie (IfS) nur die Situation in der Zeit des Abbaus und der Auflösung. Der lange Auswertungszeitraum von 40 Jahren für das OSI bzw. von 15 Jahren für die übrigen Institute des Fachbereichs führte insgesamt dennoch zu einer relevanten Zahl von HabilitandInnen und bietet die Grundlage für einige triftige Aussagen.
Offenbar setzen sich bei den Habilitationen ähnliche Muster fort, die bereits bei den Promotionen auffielen. Die Daten zeigen einen steilen Zuwachs an Habilitationen bei Frauen. Wobei die Zahl der HabilitandInnen beim OSI und beim Institut für Soziologie (IfS ) deutlich höher als beim Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften (PuK) oder Ethnologie liegt. Während 1974 eine einzige Frau habilitierte (der Frauenanteil betrug damit 8,7 %), hatte der Anteil der Frauen an den HabilitandInnen 30 Jahre bzw. eine WissenschaftlerInnengeneration später den der Männer erreicht. Im Hinblick auf das Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (PuK) fällt auf, dass die Orientierung auf den Wissenschaftsbereich eher gering ausgeprägt ist. Erfreulich ist, dass die einzige Frau, die sich habilitierte, auch unmittelbar „gerufen“ wurde.
Um Verzerrungen zu vermeiden, wurden die Daten in 3-Jahreszeiträumen zusammengefasst. So zeichnet sich insgesamt eine positive Entwicklung ab. Die gegenwärtigen Daten sind im Zusammenhang mit dem Wegfall der Habilitation als Eingangsvoraussetzung zur Professur gesondert zu diskutieren. Die Zunahme in Anzahl und Anteil von Frauen belegt auch auf dieser Ebene eine Erfolgsgeschichte. Deutlich wird, dass Frauen in der Wissenschaft, zumindest an diesem Fachbereich, im Laufe einer Generation willens und in der Lage sind, alle Hürden des Qualifikationsparcours zu nehmen.
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Erkennbar wird auch, dass die Breite der fachlichen Schwerpunkte für den Erfolg ausschlaggebend war.
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Am Beispiel des vergleichsweise kleinen Instituts für Ethnologie, das wegen seines hohen Frauenanteils unter den Studierenden bekannt ist, lässt sich eine andere Variante des Erfolgs aufzeigen. Nicht nur sind die Absolventinnen überwiegend weiblich, sondern auch die Anzahl und der Anteil der Frauen unter Promovierenden und HabilitandInnen zeigte eine zunächst sehr kontinuierliche, nahezu gleiche Verteilung auf geringem Niveau. Auffällig ist, dass sich in den beiden Jahren vor dem Auslaufen der Regelung, die eine Habilitation als Voraussetzung für eine Ruferteilung vorsah, gleich fünf Frauen – und eben nur Frauen – für diese Option entschieden: und im Anschluss Rufe auf Professuren in Münster, Zürich und in die USA erhielten!
3. Die Betreuung
Über den gesamten betrachteten Zeitraum von 1967-2007 wurden 50% der Doktorandinnen von nur 10 der 190 in der Datenbank aufgenommenen Betreuenden begleitet. Von 1971-1995 wurden 40% der weiblichen Doktoranden des OSI sogar von nur 5 Hochschullehrern betreut.
Als Ergebnis von Datenbankfragen über den gesamten untersuchten Zeitraum von 4 Jahrzehnten sowie auch nach 20-, 10- und 5-Jahreskohorten ist ein sehr auffälliges Resultat festzuhalten:
Die Betreuer mit den meisten Promovierenden haben auch die meisten ProfessorInnen unter ihren DoktorandInnen. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass die Betreuer, die viele Frauen betreut haben auch mit Abstand am meisten Professorinnen unter ihren DoktorandInnen haben.
Deutlicher noch ist also festzuhalten: Eine zuweilen vorgetragene These des Vorbehalts in der Art, dass diejenigen Hochschullehrer, die als Betreuer besonders nachgefragt und sich auch auf die Betreuung von Themen einlassen, die nicht im Zentrum des Kanons stehen, zwar vielleicht für "Quantität" stehen aber eher nicht für Qualität, findet in den Daten keine Begründung. Vielmehr ist das Gegenteil richtig. Hinzu kommt, dass die Korrelation in diesem Kontext nur für die Kategorie "Wissenschaft" ausgewertet wurde. In anderen Kategorien wie "Verwaltung", "Medien" und "Private" lassen sich vergleichbare "Leuchttürme" aufweisen. So kann als Ergebnis dieser Auswertung zusammengefasst werden, dass die quantitativ stärksten Leistungsträger auch unter dem Aspekt des nachgewiesenen Verbleibs als erfolgreichste Betreuer gelten können.
Die Auflistung der abgeschlossenen Promotionen und die Zuordnung nach betreuenden ProfessorInnen zeigen, dass der Generationenwechsel nicht ohne Brisanz für die Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses verläuft. Wie die Daten belegen, wäre es ohne das große Engagement der Emeriti/ Pensionäre am FB PolSoz zwischen 1993 und 2007, noch stärker zwischen 1998 und 2007, zu einem dramatischen Einbruch in der Nachwuchsförderung gekommen. Die Emeriti, von denen viele bereits länger als 5 Jahre ausgeschieden sind, zeichnen heute noch immer für nahezu die Hälfte der erfolgreich abgeschlossenen Promotionen verantwortlich. Besonders hervorzuheben ist das Engagement der PrivatdozentInnen, die kaum Ressourcen für ihre Betreuung von DoktorandInnen, aber einen wesentlichen Anteil am Erfolg der Nachwuchsförderung haben. Zudem trug und trägt der Umstand, dass Honorar- und S-ProfessorInnen sich für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses engagieren, wesentlich dazu bei, die Zahl der Promovierenden auch nur einigermaßen stabil zu halten.
"Wie weiter - nach dem Generationenwechsel"
Generationenschließung? Was kann nachhaltige Wissenschaftspolitik heißen?
Generationenwechsel - Zwischenphase und Grundsatzfragen
Die Daten der Verbleibrecherche des FB PolSoz insgesamt sowie aller vier Institute je für sich zeigen überdeutlich den Zusammenhang zwischen einem akademischen Arbeitsmarkt, der dominant geprägt wird von einer Lebenszeiteinstellung der dort Beschäftigten, vor allem der ProfessorInnen. Die starken Schwankungen der erfolgten "Rufe" zeigen neben der Tatsache, dass auf Berufungsphasen eine Art Stillstand und entsprechende Wartezeiten für den akademischen Nachwuchs folgen auf wissenschaftliche Konjunkturen, die diese Struktur überformen. Die umfangreiche Neubesetzung von Professuren in den neuen Bundesländern, dem Gebiet der früheren DDR, dürfte als Ausnahmesituation zu werten sein. Allerdings zeigt sich damit auch, dass Universitäten sich für neue Herausforderungen wissenschaftspolitisch offen halten müssen.
Insofern hat das Thema "Generationenschließung" und Lebenszeitprofessuren mehrere sich z.T. widersprechende Dimensionen.
Aus Sicht von Individualbiographien sind Lebenszeitstellen wesentliche Voraussetzung für langfristige Planungen, Unabhängigkeit in der Bearbeitung von Fragestellung, Reduzierung von Abhängigkeiten; aus der Sicht nachfolgender Jahrgänge erzeugen Lebenszeitstellen, die nicht über die Jahre verteilt sind, verminderte Chancen für eine Hochschulkarriere. Aus einer wissenschaftspolitischen Perspektive bedeuten über Jahrzehnte besetzte Stellen eine Schließung gegen Innovation mit der Gefahr zur Selbstverstärkung überholter Inhalte.
Entsprechende Gefahren lassen sich dür die zukünftige Entwicklung innerhalb der Universitäten voraussehen. Leicht läßt sich aus den Geburtsdaten der in den letzten 10 Jahren benannten ProfessorInnen die nächste größere Einstellungswelle errechnen: sie wird erst in 20 bis 25 Jahren eintreten. Mit den neuen Juniorpfessuren wird eine Lebenszeitbeschäftigung sogar auf 40 Jahre verlängert (!). Damit sind wesentliche wissenschaftspolitsiche Weichen gestellt.
Obwohl junge ProfessorInnen in der Regel einen kooperativeren Stil pflegen, nimmt der faktische Abstand zwischen den auf Lebenszeit Beschäftigten und befristet und gegenüber den prekarisiert beschäftigten Mitarbeitern zu. Die Asymmetrie zwischen der Unabhängikeit der Einen und der prekarisierten Abhängigkeit der Anderen sollte daher Anlaß sein, über andere Möglichkeiten zur Kontrolle von Arbeitsergebnissen nachzudenken. Allerdings ist in Zweifel zu ziehen, ob eine Verschiebung der Kontrolle auf interessierte Drittmittelvergeber (Höhe der eingeworbenen Mittel als Leistungskriterium) und deren Urteilskraft dem öffentlichen Auftrag der Universitäten gerecht wird.
Last not least ist die Erschließung neuer wissenschaftlicher Felder und Kompetenzen ein Aspekt, der zu den besonderen Aufgaben der Hochschule zählt und der besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte.
Auch die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses muss dem Rechnung tragen. Gerade weil unter dem Aspekt der Generationenschließung, die angedachten Grauiertenschulen eben nicht nur und nicht wesentlich auf die professorale Laufbahn abheben können, muss die Qualifizierung breit und ergebnisoffen nicht nur für unterschiedliche Märkte (öffentlichen, halböffentlichen und privaten wissenschaftlichen Arbeitsmarkt). Sondern vor allem im öffentlichen demokratischen Auftrag erfolgen, der Raum für Innovation und Korrekturen verlangt.
Wissenschaftsfelder wie zB die "Aufarbeitung der deutschen Geschichte" im Rahmen der "Historischen Grundlagen der Politik", die gern als "Exportschlager", Vorbild für Aufarbeitung von DDR-Vergangeheit, der Apartheitsfrage in Südafrika bis hin zu Bürgrkriegen in Konfliktenregionen in anderen Kontinenten eben als "deutsches Laboratorium" bezeichnet wird, sind dabei von ähnlicher Aussagekraft wie die wissenschafliche Erschließung der Genderfragen, die als "Verwissenschaftlicheung der Frauenfrage" ihren Anfang nahm.
Das Aufgreifen und die vertiefte Diskussion, die Analyse von gesellschaftlichen Prozessen, die eben nicht oder zumindest so nicht zu erwarten waren, kann dann besonders erhellend gelingen, wenn im Wissenschaftsbereich breite Zugänge bereit gestellt sind und erhalten bleiben. Der Bereich der Umweltforschung ist ein anderes Beispiel, das auf die Notwendigkeit zur Kooperation ganz neuer wissenschaftlicher Zusammenhänge verweist. Unter dem Begriff "Netzwerkuniversität" wird auf diese neuartigen Kooperationsanforderungen versucht eine Antwort zu geben.
Aber:
Nicht vordinglich- oder zumindest nicht nur in der Verfeinerung bestehender Prozesse, Institutionen kann der Auftrag bestehen (eher applied science, FHs) sondern gerade in einer Möglichkeit, neue Phänome auf Chancen und Risiken zu befragen, ihre gesellschaftlichen Wirkungen einzuschätzen und Antworten mehr noch auf wenig bedachte: nicht-beabsichtigte Nebenwirkungen bereit zu stellen.
"Aufstieg und Niedergang großer Reiche", wie sie in der Implosion der Sowjetunion sich historisch beispiellos vollzog und die Verschiebung der Gewichte zwischen den USA und den emerging markets und deren Gesellschaften, die sich mit vielfachen Hybriditäten auseinander zu setzen haben, bilden gegenwärtig unter anderem die Basis für den Boom von Forschungen in den Bereichen der Internationalen Beziehungen,
Gut nachvollziehbar ist, dass die Beantwortung wesentlicher Fragen an Hochschulen nur zu dauerhaften und gut abgesicherten Ergebnissen führen kann, wenn sie auf breiter Wissensbasis erfolgt und die Möglichkeit besteht sie ergebnisoffen zu diskutieren.
Die Möglichkeit ergebnisoffen zu fragen und zu forschen, ist die wesentliche Grundlage nicht nur kurzfristig auf Bedarfslagen zu antworten sondern die Dualität vieler Situationen in kurz-, mittel- und langfristiger Perspektive auf Vor- und Nachteile zu befragen.
Die Bedarfslagen dominanter gesellschaftlicher Aktuere seien sie privat oder öffentlich sind nur allzu häufig kurzfristig angelegt.
Nachhaltige Ergebnisse müsen aber Zeitdimensionen mitdenken und formulieren (können), die zuweilen konträr zu den kurfristigen ökonomischen Interessen und Positionen dominanter Akteure in sozialen Prozessen stehen.
Während die Bereitschaft für "Innovation" Raum zu geben gegenüber privaten Interessen und gesellschaftlichen Akteuren noch in einer um die Zeitdimension erweiterten Kosten-Nutzen Rechnung gut erklär- und nachvollziehbar zu machen ist,
ist die Frage des wissenschaftlichen Auftrags als gesellschaftlichen Korrektiv zwar weniger thematisiert aber untergründig ein intensiver umkämpftes Feld: beginnend mit der Frage ob oder nicht Ursache-Wirkungs-Ketten überhaupt benannt und thematisiert werden.
Grundlage dieser thematisierten und häufiger noch dethematisierten Fragen ist, dass die Kosten-Nutzen-Abwägung weniger eine der Zeitdimension also der sozialen Frage ist: "wer trägt die Kosten - wer hat den Nutzen" verschiedener Prozesse und Optionen. Sozialwissenschaften haben eine sozialen Ort und es gibt keinen "Eid des Hippokrates", der zur Wahrhaftigkeit verpflichten würde. Politisierung und Entpolitisierung, Erforschung und Umgang sozialen Prozesse verschiebt Machtgefüge - oder kann es zumindest. Prozesse können in einem demokratischen Prozess in anderer Weise ausgetragen werden als in hierarchischen, oligarchisierten Strukturen.
Die Frage muß gestellt werden, welche Perspektiven für eine nun folgende lange Zwischengeneration eröffnet werden können - und wie sich diese Erwartungen Programmen und ganz besonders der der Graduiertenschulen wiederfinden muß.
III. Schlussfolgerungen
1. Fachkulturen
Die Gesamtzahl der Promotionen an den einzelnen Instituten schwankt – auch bei Berücksichtigung der jeweiligen Institutsgröße – im Erhebungszeitraum (1995 bis 2007) beträchtlich: 58 Promotionen beim Institut für Ethnologie, davon 38 Frauen und 20 Männer, dann 56 erfolgreich abgeschlossene Promotionen beim Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften mit einer Verteilung von nur 14 Frauen und 42 Männern sowie 217 Promotionen am Institut für Soziologie mit 88 Frauen und 129 Männern bis hin zu 492 Promotionen am Otto-Suhr-Institut, wo 187 auf Frauen und 305 auf Männer entfielen.
Im Hinblick auf den weiblichen Anteil an Promotionen ergibt die Auswertung für die einzelnen Institute also sehr unterschiedliche Ergebnisse. Es kann davon ausgegangen werden – und dieses Argument wird insbesondere von den FachvertreterInnen selbst stark gemacht –, dass die genannten Differenzen auf spezifische Fachkulturen und die unterschiedliche Bedeutung einer Dissertation für Karriereplanungen im konkreten Feld zurückzuführen sind.
Die Bedeutung der Fachkulturen lässt sich anhand des Verbleibs gut nachvollziehen. Sowohl für das OSI als auch für das Institut für Soziologie, ist auffällig, dass in dem gesamten Zeitraum eine gewisse Kontinuität nachzuweisen ist. Von Schwankungen durch inhaltliche Konjunkturen abgesehen, etwa zwei Drittel der AbsolventInnen im Wissenschaftsbereich Stellen gefunden haben, aber genauso kontinuierlich ein weiteres Drittel eine angemessene Beschaftigung im Ausseruniversitären Arbeitsmarkt erreicht hat. Die angesprochenen Schwankungen lassen sich im Fall der Soziologie auf die frühe Betonung als sozialwissenschaftliche "Leitwissenschaft" zurückführen, wie denn auch in diesem Zusammenhang ein "window of opportunity" gerade für weibliche Promovierende im Aufgreifen und in der Verwissenschaftlichung der sogenannten Frauenfrage bestand.
Rufe auf Professuren und Dauerstellen in wissenschaftlichen Zentren zeigen, dass das frühe Aufgreifen der "Frauenfrage" für einige Doktorandinnen und Habilitandinnen des IfS eine gute Chance bot, eine berufliche Perspektive im Wissenschaftbereich eröffnete. Damit waren die Soziologinnen mit einem Frauen- und Genderschwerpunkt Vorläuferinnen für eine indiviuelle und wissenschaftliche Verstetigung des Themas. Um 10 Jahre zeitversetzt rückten Wissenschaftlerinnen des OSI mit einer Bearbeitung politologischer Aspekte dieses Schwerpunkts Mitte bis Ende der 80er Jahre dann auch in "Genderprofessuren" ein.
Umgerechnet in Anteile der Promovendinnen an der Gesamtzahl der Promovierenden liegt der Anteil der Frauen beim Institut für Ethnologie mit 65% am höchsten, gefolgt von 40,6% am Institut für Soziologie, 38% am Otto-Suhr-Institut und niedrigen 25% am Institut für Kommunikationswissenschaften.
2. Universität als Ort von Konkurrenz und Selektion
Deutlich wird, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auch für das Selbstverständnis der Wissenschaften eine außerordentliche Rolle spielen. Insbesondere der wissenschaftliche Arbeitsmarkt unterliegt, anders als vielfach vermutet und behauptet wird, spezifischen Arbeitsmarktkonjunkturen. Aktuell erhöhen die Kürzung staatlicher Gelder und der konstruierte Bedeutungsverlust der Sozialwissenschaften für AbsolventInnen dieser Fächer den Konkurrenzdruck auf dem wissenschaftlichen Arbeitsmarkt, auch wenn sich der Fachbereich und das OSI im Rahmen der Exzellenzbewertungen und durch die internationale Reputation seines Umweltbereichs als "gut aufgestellt" behaupten.
Das Problem der Konkurrenz des wissenschaftlichen Nachwuchses verschärft sich aus einem weiteren Grund. Denn die Auswertung der Daten insbesondere des OSI aber auch des IfS zeigt, dass die Zahl der männlichen Habilitanden über den gesamten Zeitraum (1974-2007) wenig schwankt. Unabhängig von Wissenschaftskonjunkturen und Stellenangeboten (Generationenschließung) bleibt die Bereitschaft einer etwa gleich bleibenden Anzahl von Männern vergleichsweise konstant, eine Karriere im Wissenschaftsbereich anzustreben. Der Anstieg der Promotionen und Habilitationen wurde durch weibliche Nachwuchskräfte erzielt. Was einerseits hocherfreulich ist, hat auf dem akademischen Arbeitmarkt die Selektions- und Abhängigkeitsmechanismen verstärkt. Die Frauen, die sich dem wissenschaftlichen Wettbewerb stellten, kamen als Konkurrentinnen hinzu. Dieses Ergebnis erklärt, warum dieser Wettbewerb – von beiden Geschlechtern – vielfach als Verteilungskampf und Verdrängungswettbewerb wahrgenommen wurde und wird.
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3. Thematische Breite
Das Problem der Konkurrenz im wissenschaftlichen Nachwuchs verschärft sich durch die zunehmend eindimensionale Schwerpunktsetzung. In der Vergangenheit hat gerade die Breite und Offenheit der fachlichen Ausrichtung für den wissenschaftlichen Nachwuchs eine Vielzahl an Chancen eröffnet. Auch heute sollte darüber nachgedacht werden, ob die Chancen eines großen Instituts für eine große Zahl von AbsolventInnen zukunftsweisend positioniert sind, wenn fast alle Ressourcen auf den SFB "Governance" zugeschnitten werden. Einen Fokus auf Internationale Beziehungen haben eine große Zahl von Universitäten, die kaum Ressourcen für weitere Themenschwerpunkte aufbringen können. Diese anderorts "aus der Not" kleinerer Universitäten geborene Lösung wird gegenwärtig am OSI Struktur bildend als besondere „Tugend“ einer durch Berufungspolitik anhaltend sich erweisenden Engführung des Fachs durchgesetzt. Überlegungen und Debatten zu Fragen der Demokratie, den sozialen und politischen Folgen von Armut, insbesondere auch in außereuropäischen Gesellschaften, die für die Sozial- und Politikwissenschaften über lange Jahre Kern des wissenschaftlichen Engagements waren, werden umgekehrt nunmehr nahezu ausgespart.
IV. Perspektiven
Nun lässt sich freilich die Frage stellen, inwieweit die Ergebnisse der hier vorgestellten Verbleibstudie nicht auf Voraussetzungen beruhen, die durch die hochschulpolitische Entwicklung in der Gegenwart längst überholt sind. Denn die Universität, wie sie einmal war, hat sich in eine Richtung bewegt, die Fragen der Qualifikation, zunächst des Diploms, dann der Promotion und schließlich der Habilitation in neue Bahnen lenkt bzw. ad acta legt. Das auf die Breite des Studiums angelegte Diplom wurde durch BA und MA ersetzt. Die Promotion über ein selbst gewähltes Thema wird in graduate schools verlagert. Die Habilitation wurde gar gänzlich abgeschafft.
Es ist erkenntlich, dass Frauen den "Netzen" weniger trauen als Männer – und deshalb noch häufiger nach Möglichkeiten zur Habilitation nachfragen. Berufungen sind Kooptationsverfahren. Heute geht mehr Energie und Zeit in die "Netzwerkarbeit". Darin liegt jedoch ein nicht zu unterschätzender Unterschied: früher war Gremienarbeit als "Gremienhanselei" eher verpönt und galt in der Community häufig als Ausweis für diejenigen, die inhaltlich noch nicht oder nicht mehr sehr viel beizutragen hatten, während der "Gremienhanselei" häufig vergleichbares Engagement in universitären und außeruniversitären Hinterzimmer- und Kamingesprächen als "Wissenschaftsmanagment" hervorragenden Ruf genießt und mit "Buying Out", Lehrreduzierung etc. belohnt wird. Die Verringerung des Ansehens der konkreten wissenschaftlichen "Arbeit", was die Degradierung der Inhalte und deren Fremdbestimmtheit häufig genug als unproblematisch erscheinen lässt, weist auf den problematischen Kern des Wandels: eine richtige Kritik an herkömmlichen Verfahren wurde aufgegriffen – aber auch zum Anlass genommen, durch Rationalisierung, Effektivierung und Zentralisierung Strukturen zu etablieren, die mit Entdemokratisierung und Qualitätsverlust – unter anderem durch Entpluralisierung – einhergehen.
Was Frauen unter diesen neuen Umständen werden und wohin sie gehen, bleibt abzuwarten.

Letzte Aktualisierung: 11.12.2009, © Die Frauenbeauftragte des FB Politik- und Sozialwissenschaften - Impressum
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