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Das Berliner Kolleg für Vergleichende Geschichte Europas ist planmäßig ausgelaufen.

Das methodische Profil wird - mit neuen Fragestellungen und Forschungsfeldern - im Projektverbund "Transnationale Gesellschaftskonstruktionen" aufgenommen (http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/fmi/arbeitsbereiche/ab_bauerkaemper/index.html).

Impulse und Gründung

Ist Europa in der neueren Geschichte nur ein Ensemble von Vorstellungen oder können in historischer Sicht strukturelle Gemeinsamkeiten identifiziert werden? Wo sind jeweils die Grenzen Europas gesetzt worden? Inwieweit ist Europa als historischer Raum durch Austauschprozesse, Migration und Kulturkontakte geprägt worden? Welche Verflechtungen weist der Kontinent auf, besonders im Hinblick auf die Herausbildung von Kernen einer transnationalen Zivilgesellschaft? Auf diese Fragen konzentriert sich das Berliner Kolleg für Vergleichende Geschichte Europas (BKVGE). Die wissenschaftliche Institution, die von Jürgen Kocka und Holm Sundhaussen (beide Freie Universität Berlin), Manfred Hildermeier (Universität Göttingen) und Hartmut Kaelble (Humboldt-Universität zu Berlin) geleitet wird, wurde am 7. Juli 2004 offiziell eröffnet. Das BKVGE wird von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung (Frankfurt am Main) und der Gerda Henkel Stiftung (Düsseldorf) großzügig gefördert und gemeinsam von der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin getragen. Mit den geschichtswissenschaftlichen Instituten dieser beiden Universitäten arbeitet das BKVGE eng zusammen.

Europäisierung Europas? Inhaltliches Profil und Schwerpunkte der Forschung

Das Berliner Kolleg setzt die Arbeit des 1998 gegründeten Zentrums für Vergleichende Geschichte Europas (http://www.fu-berlin.de/zvge) fort, allerdings mit neuen inhaltlichen Schwerpunkten. Am Standort Berlin verknüpft es die Geschichte Ost- und Westeuropas. Dabei stehen die Herausbildung von Beziehungen über nationalstaatliche Grenzen, aber auch die Trennung von Regionen in Europa im Mittelpunkt. Das Interesse gilt Prozessen der Grenzüberschreitung und der Grenzziehung, vor allem im Hinblick auf die Entstehung, Verbreitung und Erosion zivilgesellschaftlicher Werte und Praktiken in Europa seit dem 18. Jahrhundert. Zudem werden Außenwahrnehmungen und Außenbeziehungen des Kontinents behandelt, um Abgrenzungen, aber auch gemeinsame Identitäten zwischen Europäern zu klären und strukturgeschichtliche Spezifika des Kontinents zu identifizieren. Die empirische Forschung konzentriert sich auf vier Themenfelder: Öffentlichkeit und citizenship (1), Migration und Transfer (2), Selbstorganisation und Staat (3), Identitäten und Zuschreibungen in globaler Perspektive (4). Dabei wird in methodischer Hinsicht jeweils der historische Vergleich mit Untersuchungsansätzen kombiniert, die auf die Analyse von Verflechtungen (entanglements) und Transfers zielen. Insgesamt fungiert das Berliner Kolleg mit diesem wissenschaftlichen Profil als Ort der internationalen Kooperation und des interdisziplinären Austausches über Forschungen zur Entwicklung Europas seit dem 18. Jahrhundert.

Doktorandenprogramm und andere wissenschaftliche Veranstaltungen

Die Arbeit im Berliner Kolleg konzentriert sich auf das Doktorandenprogramm zur Vergleichs- und Verflechtungsgeschichte Europas seit dem 18. Jahrhundert. Im Juli 2004 begannen fünf von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung geförderte Stipendiaten jeweils Dissertationen zu grenzüberschreitenden Prozessen, die sich in den letzten drei Jahrhunderten in Osteuropa vollzogen. Fünf weitere Doktorarbeiten, die von der Gerda Henkel Stiftung finanziert werden, behandeln vorrangig Probleme der Geschichte West- und Mitteleuropas. Das Spektrum der im BKVGE ausgerichteten wissenschaftlichen Veranstaltungen umfasst das Colloquium, zu dem im Semester an jedem Montag Interessenten willkommen sind, Konferenzen, Workshops und Doktorandenseminare. Darüber hinaus werden Sommerkurse organisiert, die jeweils rund dreißig fortgeschrittene Studierende, Doktoranden und Postdoktoranden aus unterschiedlichen europäischen Ländern zusammenführen. Mit der Schriftenreihe "Synthesen. Probleme europäischer Geschichte", die im Göttinger Verlag "Vandenhoeck & Ruprecht" publiziert wird, gibt das BKVGE zudem eine Serie von Monographien heraus, die in europageschichtlicher Perspektive jeweils Überblicke über wichtige Themenfelder bieten, darunter Geselligkeit und Demokratie, Nationsbildung oder Religion und Konfessionalität. Nicht zuletzt bietet das Berliner Kolleg Gästen und Habilitanden, die hier jeweils ihre eigenen Projekte durchführen, ein anregendes wissenschaftliches Umfeld.