Kleine Zeittafel "25 Jahre Freie Universität Berlin"

von
Siegward Lönnendonker

 

 

 

 

1945:

 

21. April

Die Rote Armee erreicht die Berliner Vororte Glienicke, Lübars, Blankenfelde, Weißensee und Mahlsdorf

 

2. Mai

Der Wehrmachtsgeneral Weidling und sein Stab kapitulieren am 2. Mai um 15 Uhr.

 

11. Mai

Erlaß der „Direktive JSC 1067“ an die amerikanische Militärregierung, nach der Deutschland nicht mit dem „Ziel der Befreiung" besetzt werden soll, sondern als eine besiegte feindliche Nation, für die „Chaos und Leiden“ unausweichlich seien.

Ziele: Entmilitarisierung, Entnazifizierung, Entflechtung der Großkonzerne, Demokratisierung. Bildungseinrichtungen sollten erst wieder eröffnet werden, wenn alle Spuren des Nazismus beseitigt seien. Für höhere Lehranstalten waren Zwischenprogramme möglich.

 

20. Mai

Erstes Professorentreffen im Kreis um den Philosophen und Pädagogen Prof. Dr. Eduard Spranger.

 

23. Mai

Spranger übernimmt die Führung der Geschäfte der Universität.

 

8. Juni

Spranger wird Vorsitzender des neu gegründeten „Leitenden Ausschusses für Hochschulfragen“

 

16. Juli

Der Magistrat gründet den „Zentralausschuß der Berliner Studentenschaften“. Aufgabe: „die zukünftige Studentenschaft zu einem Grundstein des antifaschistisch-demokratischen Deutschlands zu gestalten“ und eine „baldige Wiederaufnahme des Studiums an den Berliner Hochschulen“ zu forcieren. Zum Vorsitzenden wird Joachim Schwarz bestimmt.

 

20. Aug.

 

2. Sitzung des Allied Kommandatura Education Committee (AKEC). Der britische Vertreter Thomas R. M Mandell verlangt Aufklärung über den Status der Berliner Universität unter Militärverwaltung

 

3. Sept.

Eröffnung der „Vorkurse für Studienanfänger“ an der Berliner Universität.

 

6. Sept.

Der sowjetische Vertreter im AKEC, Oberst Pjartly, erklärt, die Verwaltung der Berliner Universität sei allein Angelegenheit der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) in Karlshorst.

 

11. Sept.

 

 

Einrichtung der „Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung“ in Berlin. Präsident: Paul Wandel. Zentrale Aufgabe: Wiederaufbau des Hochschulwesens und der Wissenschaften. Unterstellung aller Universitäten unter die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung.

 

12. Okt.

Absetzung Sprangers als Kommissarischer Rektor.

 

Dez.

Konstituierung der „Studentischen Arbeitsgemeinschaft“ an der Berliner Universität. Vorsitzender: Georg Wrazidlo (von der amerikanischen Armee aus dem KZ Buchenwald befreit, Mitglied der CDU). Die AG verfolgt neben dem allgemeinen Ziel der „Herausbildung eines demokratischen und dabei konsequent antifaschistischen Lebens“ auch konkrete Aufgaben: Bildung von Referaten für Politik und Kultur, Soziales und Sport sowie des Außenreferats.

 

8. Dez.

Die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone erläßt Richtlinien für die Zulassung zum Studium an den Universitäten und Hochschulen der sowjetischen Besatzungszone.

 

 

 

1946

 

8. Jan.

Befehl Nr. 4 von Armeegeneral Wasslli Sokolowski, durch den die Berliner Universität der Viermächtekontrolle entzogen und der Zentralverwaltung für Volksbildung und damit der SMAD unterstellt wird.

 

20. Jan.

Beginn des Lehrbetriebes an der Berliner Universität in der Naturwissenschaftlich-mathematischen, Philosophischen, Medizinischen, Veterinärmedizinischen, Landwirtschaftlichen, Juristischen und Theologischen Fakultät

 

29. Jan.

Durch einen Festakt in der Staatsoper wird die ehemalige „Friedrich-Wilhelms-Universität“ eröffnet. Sie erhält den Namen „Humboldt-Universität“. (In den folgenden Tagen werden ebenfalls die Namen „Universität unter den Linden“ und „Berliner Universität“ auch von offiziellen Stellen benützt. Im Vorlesungsverzeichnis heißt sie „Universität Berlin“, erst ab SS 1949 „Humboldt-Universität zu Berlin“.) Die Neugründung erhält keinen autonomen Status, sondern gilt juristisch als eine Dienststelle der Deutschen Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone. Zu ihrem ersten Rektor wird der Altphilologe Prof. Dr. Johannes Stroux ernannt. Beim Festakt spricht für die Militärregierung General Pjotr Solotuchin, für die Verwaltung für Volksbildung deren Präsident Paul Wandel und für die Studentenschaft Georg Wrazidlo (CDU).

 

10. März

Richtlinien der Alliierten Kommandantur Berlin für die „Denazifizierung“ zur Ausschaltung des Einflusses des Nationalsozialismus und Militarismus im öffentlichen und wirtschaftlichen Leben.

 

1. Mai

Ungefähr 30 Mitglieder der „Studentischen Arbeitsgemeinschaft“ und andere Studenten protestieren schriftlich beim Rektor gegen das Hissen einer roten Flagge und die Anbringung des Emblems der SED - zwei ineinander verschlungene Hände – über dem Haupteingang der Universität und übergeben ihren schriftlichen Protest der Presse. Kurz darauf wird der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Georg Wrazidlo, seines Postens enthoben.

 

Mai

Einführung der „Vorstudienanstalten“ in Berlin und Brandenburg. (Mit Gründung der DDR am 7. Okt. 1949 werden sie in „Arbeiter- und Bauernfakultäten“ umgewandelt.)

 

13. Juli

Neuwahl des Vorsitzenden der „Arbeitsgemeinschaft demokratischer Studenten“. Von den 325 abgegebenen Stimmen entfallen auf die vier Kandidaten: stud. med. Hess (SPD) 160 Stimmen, stud. phil. Theuerkauf (SED) 94, stud. med. dent. Roegner Francke (parteilos) 69, und stud. phil. Stolz (SPD) 10 Stimmen.

 

16. Okt.

Kundgebung der Arbeitsgemeinschaft anläßlich der Eröffnung des Wintersemesters 46/47. Der Leiter, Otto Hess, teilt mit, daß die Organisation erst ein Fünftel der Studenten umfasse.

Der Präsident der Zentralverwaltung, Paul Wandel, fordert die verstärkte Berücksichtigung von „Werktätigen Schichten zum Universitätsstudium“.

 

18. Okt.

Leitartikel des „Tagesspiegel“ – „Abschied von der Berliner Universität“ - gegen die Zulassungsbestimmungen an der Humboldt-Universität.

 

WS46/47

Gesamtzahl der Studierenden an der Berliner Universität: 4200. Neuzugelassen: 1362.

434 davon sind Mitglieder der vier lizensierten Parteien (SED: 348, SPD: 31, CDU: 37, LPD: 18), 703 sind ehemalige Soldaten, 311 stammen aus der Arbeiterklasse, 47 aus bäuerlichen Schichten. Die neu gegründete Pädagogische Fakultät nimmt ihren Lehrbetrieb auf.

 

17 Dez.

„Vorläufiges Studentenstatut für die Hochschulen der sowjetischen Besatzungszone“. Als allgemeine Vertretung der Studentenschaft soll der von den Studenten gewählte „Studentenrat“ für die Aufgaben der Studentenschaft sorgen:

1. Unterstützung des Rektors „bei der Bekämpfung militaristischen und faschistischen Ungeistes und bei der Förderung fortschrittlichen, demokratischen Denkens und Handelns",

2. Förderung des Studiums,

3. Mithilfe bei der Verbesserung der materiellen Lage der Studenten,

4. Pflege des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in der Studentenschaft.

 

 

 

1947

 

Jan.

Erstes Erscheinen des „Forum – Zeitschrift für das geistige Leben an den deutschen Hochschulen“ unter sowjetischer Lizenz.

 

2. Jan.

Genehmigung von Stipendien für alle Berliner Hochschulen durch die alliierten Behörden.

 

24. Jan.

Bekanntmachung der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung über die Ausschreibung von Wahlen „für eine Studentenvertretung“ an der Berliner Universität. Das Statut „überträgt der Studentenschaft eine Reihe wichtiger Aufgaben“, insbesondere zur sozialen Lage und „zur fruchtbaren Gestaltung der fachlichen Belange. Die Studentenschaft ist jedoch nicht ermächtigt, über Fragen allgemeiner Natur, z.B. über die verwaltungsmäßige Zuständigkeit der Universität oder über die Berechtigung des Status selbst Beschlüsse zu fassen.“ Für Verstöße werden disziplinarische Maßnahmen angedroht.

 

4. Febr.

Flugblatt-Protest gegen die Bekanntmachung vom 24. Jan.

 

6. Febr.

Wahlen der Fakultätsräte (54) und des Studentenrates (28) an der Berliner Universität.

Wahlberechtigte: 4200 Studenten. Wahlbeteiligung: 76,4%. (Die Angaben des Wahlergebnisses sind sehr unvollständig. Von den bekannten Mandaten des Studentenrates entfielen auf die SPD: 5, CDU: 2, LPD: 1; SED: 3, Parteilose: 12.)

 

24. Febr.

„Gruppenleiterkonferenz“ der studentischen Arbeitsgemeinschaft. Einstimmiger Beschluß der Delegierten, trotz der Wahl eines Studentenrates die Arbeit fortzusetzen. Hess (SPD) fordert für die Arbeitsgemeinschaft das politische Mandat.

 

3. März

Der Studentenrat beschließt auf seiner dritten Tagung einstimmig, daß die Berliner Universität nun endgültig auch offiziell den Namen „Wilhelm von Humboldt-Universität“ tragen soll.

 

8. März

Die im Zulassungsbüro der Humboldt-Universität beschäftigte parteilose Studentin Gerda Rösch wird vom sowjetischen Abwehrdienst (NKWD) verhaftet.

 

13. März

Verhaftung des Mitglieds der katholischen Jugend und CDU-Vertreters im Zentralrat der „Freien Deutschen Jugend“, Manfred Klein, durch den NKWD. (Klein stellte kurze Zeit vorher den Antrag, die FDJ möge in ihre Grundrechte ein Bekenntnis zur Freiheit der Person aufnehmen) Klein ist Mitglied des Studentenrates.

 

17. März

Der NKWD verhaftet den abgesetzten ehemaligen Leiter der „Studentischen Arbeitsgemeinschaft“, Georg Wrazidlo. Trotz Protestes kann der Studentenrat keine ordentlichen Gerichtsverfahren für die drei inhaftierten Studenten durchsetzen.

 

26. März

Studenten verteilen Flugblätter mit den Namen der drei verhafteten Studenten im Berliner Stadthaus.

 

27. März

Der Präsident der Zentralverwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, Wandel, bittet die sowjetische Militärregierung um eine Stellungnahme zu den Verhaftungen der drei Studenten.

 

Mai

Erstes Erscheinen des „Colloquium – Zeitschrift für junge Akademiker“ unter amerikanischer Lizenz.

 

Okt.

Stud. math. nat. Eva Heilmann ruft im Colloquium die Frauen zur bewußten Ausnutzung ihrer Rechte auf. (Obwohl fast die Hälfte der Studierenden Frauen sind, wurden nur zwei Studentinnen in den Studentenrat gewählt.)

 

8. Nov.

Polemischer Artikel des „Tagesspiegels“: „Universitas oder Parteihochschule?“ mit dem Vorwurf, die Zentralverwaltung habe die Berliner Universität in eine „Volksuniversität“ verwandelt, die „Kommunistische Funktionäre“ ausbilde, „die nebenher auch heilen, richten, abrichten“, während die Professoren, „überaltert, unpolitisch, sorglich darauf bedacht, sich nicht bloßzustellen“, nahezu widerspruchslos der SED-Politisierung verfielen.

 

Dez.

Otto Hess (SPD) fordert im Colloquium eine „internationale Universität Berlin“. Die Planung solle von einem internationalen Kuratorium aus Wissenschaftlern, Künstlern, Wirtschaftlern und Gewerkschaftlern übernommen werden.

 

11. Dez.

Wahlen zum 2. Studentenrat an der Humboldt-Universität.

Wahlbeteiligung 75,5 %.

Von 30 Mandaten entfallen auf die SED: 3, SPD: 2, CDU: 3, LPD: 1, Parteilose: 21. (In der Philosophischen Fakultät erhält der Vorsitzende dir SPD-Hochschulgruppe, Otto Stolz, mehr als zwei Drittel der gültigen Stimmen, in der juristischen Fakultät wird der Vorsitzende der CDU-Hochschulgruppe, Ernst Benda, gewählt.)

 

 

1948

 

Jan.

Durch die Entnazifizierung des Lehrkörpers der Humboldt-Universität verlieren 349 Professoren und Dozenten ihre Stellungen. Gründung des „Außeninstituts für Politik in Berlin“ an der Humboldt-Universität.

 

6. Jan.

Mitteilung des amerikanischen Kommandanten, Oberst Frank L. Howley, an den Berliner Magistrat, daß neuimmatrikulierte Studenten der Humboldt-Universität sich nicht mehr im US-Sektor polizeilich anmelden dürfen und auch künftig keine Lebensmittelkarten mehr erhalten.

 

13. Jan.

Der 2. Studentenrat der Humboldt-Universität wählt auf seiner konstituierenden Sitzung stud. math.-nat. Reuber (parteilos) zu seinem ersten Vorsitzenden, die Studentin stud. phil. Enick (parteilos) und stud. med. dent. Rögner Francke (parteilos) zu gleichberechtigten Stellvertretern (Außenreferat: Stud. phil. Otto Stolz, SPD, Pressereferat: stud. jur. Ernst Benda, CDU. Das Kriegsgefangenenreferat übernimmt ein SED-Abgeordneter.)

 

15. Jan.

Die Stadtverordneten der SPD, CDU und LPD beschließen gegen die Stimmen der SED die Errichtung einer „Hochschule für Politik“, die außerhalb der Humboldt-Universität den städtischen Behörden unterstellt werden solle.

 

1.2.48

Das „Neue Deutschland“ veröffentlicht einen Artikel „Agentenumtriebe an der Berliner Universität - Der Telegraf auf der Anklagebank“, in dem der Student Otto Stolz als Provokateur bezeichnet wird.

 

13.Febr.

Auf der 4. Tagung des zentralen Hochschulausschusses der SED diskutieren 120 Professoren, Dozenten, Studentenvertreter und Mitarbeiter der Verwaltung für Volksbildung mit dem mitglied des ZK der SED, Anton Ackermann, über die bisherige Politik an den sechs Universitäten in der sowjetischen Besatzungszone. Ackermann fordert, den Anteil der deutschen Hochschulen an den revolutionären Kämpfen gründlicher zu untersuchen.

 

Frühjahr

Schriftliche Befragung des Lehrkörpers der philosophisch Fakultäten in der sowjetischen Besatzungszone zu den wesentlichen methodischen und theoretischen Problemen des dialektischen und historischen Materialismus.

 

9. März

Artikel im „Neuen Deutschland“ „Der Feldzug gegen die Berliner FDJ-, SPD- und CDU-Jugend bei Captain Biel“. Bei einem geselligen Beisammensein in den Räumen der Militärregierung in Berlin-Dahlem, an dem u.a. H. Scheffler (SPD), H. Westphal (Falken), Otto Stolz (SPD-Hochschulgruppe) und Peter Lorenz (CDU) teilgenommen haben, habe der Vertreter der amerikanischen Militärregierung den Teilnehmern dieses Gesprächs nahegelegt, zukünftig in organisatorischer und propagandistischer Hinsicht enger zusammenzuarbeiten. Die Dienststellen der amerikanischen Militärbehörde seien angewiesen, die Jugendorganisationen der CDU, LPD und SPD in jeder Weise zu unterstützen.

 

15. März

Besprechung der geschäftsführenden Leitung des Studentenrats der Humboldt-Universität mit dem Chef der Volksbildungsabteilung der SMA, Solotuchin, über die laufende Arbeit. Am Ende der Unterredung fordert dieser die Studenten zur Unterstützung der Politik der Blockparteien auf. Auf die Frage nach den drei vor einem Jahr verhafteten Studenten erklärt Solotuchin, daß er sich erkundigen wolle, sobald er Material über den Fall erhalte. Es sei jedoch Sache des Studentenrats, seine Arbeit so durchzuführen, daß keine Gründe zu Verhaftungen bestünden.

 

22. März

Die amerikanische Militärregierung in Berlin nimmt unter Bezug auf Gesetz Nr. 25 des Alliierten Kontrollrats die Kaiser-Wilhelm-Institute direkt unter seine Befehlsgewalt.

 

30. März

Die Berliner Stadtverordnetenversammlung beschließt gegen die Stimmen der SED-Abgeordneten, daß Berlin dem Projekt der „süddeutschen Länder“ einer „Forschungshochschule“ unter „deutscher Leitung“ zu gründen, zustimmen soll.

 

16. April

Der Präsident der Deutschen Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, Paul Wandel (SED), zieht seine Zustimmung zur Immatrikulation der Studenten Otto Stolz (SPD), Otto Hess (SPD) und Joachim Schwarz (CDU) zurück aufgrund des Befehls vom 8. 1., der ihm die letzte Verantwortung für den gesamten Universitätsbetrieb einschließlich der Zulassung zum Studium zuweist.

Der Rektor der Humboldt-Universität, der Arbeitsrechtler Prof. Hermann Dersch, teilt den relegierten Studenten in einem Schreiben mit, er widerrufe „im Hinblick auf die in Ihrer publizistischen Tätigkeit liegende Verletzung von Anstand und Würde" die Zulassung zum Studium.

 

 

 

1948

 

23. April

Das Neue Deutschland erklärt, daß jetzt auch an der Berliner Universität „die Machtfrage“ gestellt sei. „Nun, wir nehmen die Machtfrage an!“ Wer streike oder Solidaritätsaktionen durchführe, gehe „den Weg der Drei!“

Protestversammlung von ca. 2000 Studenten im Hotel Esplanade. Der relegierte Jenaer Student Erich Weber (LPD) fordert die amerikanische Militärregierung auf, in den Berliner Westsektoren eine separate Universität zu errichten. Der Vorsitzende der Berliner CDU, Prof. Dr. Kurt Landsberg, erklärt seine Überzeugung, daß die „Mehrheit der Berliner Stadtverordneten“ bereit sei, die „notwendigen Mittel für die Gründung einer freiheitlichen Berliner Universität zur Verfügung zu stellen“. Der relegierte Student Otto Stolz (SPD) sieht einen größeren Zusammenhang der dauernden Bemühungen der Kommunisten, die Universität zu einem kommunistischen Machtinstrument zu machen. Zu diesem Zweck sei die Universität mit einem „Spitzelsystem“ durchsetzt worden. Es sei notwendig, daß die drei „demokratischen Parteien“ auf eine Unterstellung der Universität unter den Magistrat hinwirkten oder daß eine freie Universität im Westen Berlins errichtet werde.

 

24. April

Der amerikanische Journalist Kendall Foss wird auf seinen Wunsch von General Lucius D. Clay beauftragt, die Möglichkeiten für die Errichtung einer eigenständigen Universität in den drei West-Sektoren zu prüfen, ohne jedoch seinen Auftrag bei den Verhandlungen mit den Deutschen allzu offen bekannt geben zu dürfen.

 

4. Mai

Der amerikanische Stadtkommandant, General Hays, bildet eine inoffizielle Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz von Kendall Foss, in der folgende amerikanischen Dienststellen und Persönlichkeiten vertreten sind: Information Control Divisioin (Thomas Headen), Office of the Finance Advisor (Walter Heller), Legal Division (Prof. William E. McCurdy), Civil Administration Division (John Elliot) und OMG. Berlin Sector (Howard W. Johnston). (Die Education and Cultural Relations Division rät später von der Gründung ab. [Vgl. Zeittafeldatum vom 29. Mai 1948]).

Der Kontakt zu deutschen Amtsstellen und Persönlichkeiten wird in der Folge weitgehend durch den späteren Sekretär des „Vorbereitenden Ausschusses der Freien Universität“, Fritz von Bergmann, eingeleitet.

 

8. Mai

Der „TAGESSPIEGEL" greift die Professoren der Berliner Universität scharf an und ruft unverzüglich zur „praktischen Vorarbeiten zur Gründung einer freien, unabhängigen Universität“ auf.

 

11. Mai

Die Stadtverordnetenversammlung beauftragt gegen Stimmen der SED den Magistrat von Groß-Berlin, Maßnahmen zur Errichtung einer „freien Universität“ zu ergreifen.

 

25. Mai

Aufruf des „TAGESSPIEGELS“ an „ganz Deutschland“, eine private Stiftung für eine freie Berliner Universität zu gründen. Die Professorenschaft der Humboldt-Universität habe sich mit wenigen Ausnahmen „der Tyrannei gefügt“. Von Diskussionen und Resolutionen habe die Berliner Bevölkerung genug. „Theorien mögen vertreten werden, wenn die Universität gegründet ist“. Alles, was Komplikationen schaffen könne, müsse beiseite gelegt werden.

 

Anfang Juni

Ein studentischer Vorbereitungsausschuß für die Gründung einer freien Universität wird ins Leben gerufen. Er setzt sich zusammen aus Mitgliedern des Studentenrats der Berliner Universität, Redaktionsmitgliedern der Studentenzeitschrift „Colloquium“, Angehörigen der Hochschulgruppen SPD, CDU und LDP und einigen freiwilligen studentischen Mitarbeitern. Er delegiert die studentischen Vertreter Hess und Ringmann - an dessen Stelle später Petermann - in den am 19.6. gewählten vorbereitenden Ausschuß zur Gründung einer freien Universität.

 

2. Juni

Resolution des Studentenrats der Universität Leipzig gegen die Gründung einer zweiten Universität in Berlin.

 

5./6.Juni

Resolution des Studentischen Zonenrates gegen die Errichtung einer zweiten Universität in Berlin. Der anwesende Vertreter des Studentischen Zonenrates der britischen Besatzungszone und die Vertreterin des AStA der Universität Frankfurt/Main schließen sich an. (Am 25. Okt. 1948 drückt der Vorsitzende des Studentenrats der Universität Greifswald in seinem Brief an den „vorläufigen Studentenausschuß der Freien Universität“ die „Empörung“ des Studentenrats aus, daß sich „Studenten, die sich Deutsche nennen,“ zum „Werkzeug“ und „Aushängeschild“ von „Mächten“ gemacht haben, „die die Zerreißung Deutschlands beabsichtigen“. Am 2. Nov. 1948 lehnt der Studentenrat der Universität Leipzig in einem Schreiben die Gründung der Freien Universität ab. Am 6. Nov. 1948 lehnt der Studentenrat der Friedrich-Schiller-Universität Jena in scharfer Form die Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Studentenausschuß der „sogenannten Freien Universität" ab.)

 

17. Juni

Die sowjetische Delegation verläßt die Alliierte Kommandantur. 1. Juli 1948: Der sowjetische Oberst Kalinin erklärt, die Alliierte Kommandantur bestehe nicht mehr, die Regierung der UdSSR erkenne aber weiterhin alle „Viermächte-Vereinbarungen“ an.

 

19. Juni

Informatorische Besprechung über die Möglichkeiten zur Gründung einer freien Universität in den westlichen Sektoren. Anschließende Konstituierung eines vorbereitenden Ausschusses. Anwesend sind 40 Personen (Professoren, Dozenten, Politiker, Verwaltungsangestellte und Studenten, unter ihnen Otto Hess. In einer Abstimmung entscheiden sich 38 für eine Gründung, 2 dagegen.

Durch Zuruf werden 12 anwesende und 3 abwesende Kandidaten für den Gründungsausschuß aufgestellt und ohne Abstimmung als Gründungsausschuß konstituiert. Abschließend wird ein Kommuniqué für die Presse aufgesetzt.

 

20. Juni

Separate Währungsreform in den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands.

 

22. Juni

Erste Sitzung des „Ausschusses für eine freie Universität“. Der Ausschuß für eine freie Universität tagt in der Folge ungefähr wöchentlich zu den Problemen: Standort, Bibliotheken, Finanzierung, Berufungen, Bildung von Fakultäten, Aufbau der Verwaltung, Satzung etc.

 

23. Juni

Durchführung der Währungsreform in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands und in Groß-Berlins auf Grund des Befehls Nr. 111 von Marschall Sokolowski.

 

24. Juni

Die Kommandeure des französischen, britischen und amerikanischen Sektors dehnen die Währungsreform auf ihre Sektoren aus. Das Währungsgesetz der Westmächte tritt am 25. Juni 1948 um 7 Uhr in Kraft.

Beginn der Blockade: Der Güterverkehr zwischen Helmstedt und Berlin und die Stromversorgung aus der sowjetischen Besatzungszone für die drei Westsektoren werden eingestellt.

 

23. Juli

Veröffentlichung des Manifests „Aufruf zur Gründung einer freien Universität“. Die neue Universität solle eine unabhängige Stelle der wissenschaftlichen Ausbildung werden, an der man „frei von Furcht“ und „ohne einseitige Bindung an parteipolitische Doktrin lehren und forschen“ könne. Alle werden um Unterstützung durch Mitarbeit und Spenden gebeten.

 

25. Juli

Die Notkonferenz des SDS im Landschulheim Eddinghausen Göttingen. begrüßt die Gründung der Freien Universität Berlin, bei der die sozialdemokratischen Studenten an hervorragender Stelle beteiligt gewesen seien.

 

30. Aug.

General Lucius D. Clay drückt in einem Schreiben an die Privatadresse Prof. Reuters sein Wohlwollen gegenüber der geplanten Universitätsgründung aus.

 

4. Sept.

Sitzung des „Ausschusses für eine neue Universität“. Prof. Redslob gibt die Zusicherung über 1,9 Millionen Westmark von amerikanischer Seite und den Eingang eines „nicht offiziellen“ Briefes von General Lucius D. Clay bekannt. Besprechung des vorläufigen Etats. Verabschiedung der vom Studentischen Komitee ausgearbeiteten Zulassungsbedingungen mit geringen Änderungen.

 

9. Sept.

Sitzung des „Ausschusses für eine Freie Universität“. Prof. Redslob berichtet über die ablehnende Haltung der Rektorenkonferenz der westlichen Universitäten. Er wird gebeten, „bekannte Akademiker“ der Westuniversitäten über die Freie Universität Berlin in persönlichen Briefen zu informieren.

 

22. Sept.

Der Magistrat von Groß-Berlin stimmt der Errichtung einer Freien Universität in der Rechtsform einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zu.

 

Okt.

Konstituierung des „vorläufigen AStA“ der FU aus den studentischen Vertretern im Gründungsausschuß, denen der von diesem eingesetzten Fachausschüsse und den studentischen Vertretern im Sekretariat.

 

10. Nov.

Der sechsundachtzigjährige Professor der Geschichte, Friedrich Meineke, wechselt von der Humboldt-Universität zur Freien Universität.

 

15. Nov.

Beginn der Vorlesungen an der Philosophischen Fakultät im Gebäude Boltzmannstraße 4 (das ehemalige Kaiser-Wilhelm-Institut für Biologie).

 

18. Nov.

Das „studentische Statut für die Freie Universität Berlin“ wird vom vorläufigen AStA angenommen. Die Satzung sieht die Institutionalisierung der studentischen Öffentlichkeit als Studentenparlament vor. Anstelle des „Studentenrates“ treten der „Konvent“ als Legislative und der „Allgemeine Studentenausschuß“ als Exekutive. Der Vorsitzende des AStA soll vom Konvent gewählt, der AStA in seiner Gesamtheit vom Konvent bestätigt werden. (Die vorgesehene Fakultätsvertretung der Studenten wird später nicht geschaffen, um das zentrale Parlament, in dem alle Probleme behandelt werden sollen, nicht durch partikulare Vertretungen zu schwächen.) Das Studentenparlament ist als Repräsentativorgan der gesamten Studentenschaft vorgesehen

 

22. Nov.

Beginn der juristischen Vorlesungen und der Vorlesungen an der Medizinischen Fakultät.

 

1. Dez.

An der FU haben sich 2140 Studenten immatrikuliert. 128 Professoren, Dozenten und Lehrbeauftragte haben die Arbeit aufgenommen. Die Philosophische Fakultät, zu der auch die mathematisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen gehören, hat 47 Hochschullehrer und Assistenten. Die Medizinische Fakultät (Kliniker) verteilt sich auf das Krankenhaus Westend, das Kaiserin-Aug.e-Viktoria-Krankenhaus, die Frauenklinik in Charlottenburg und andere Krankenhäuser. Die Vorkliniker sollen erst zum Sommersemester zugelassen werden. Als dritte hat die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät die Arbeit aufgenommen.

 

4. Dez.

Festliche Gründungsfeier der „Freien Universität Berlin“ im Titania-Palast. Stadtrat Prof. Ernst Reuter übergibt als Vorsitzender des Gründungsausschusses die Freie Universität dem Rektor, dem Senat, den Professoren und der Studentenschaft. Reuter dankt besonders den westlichen Besatzungsmächten für ihre Unterstützung. Die Rede des erkrankten ersten Rektors der FU, des Geheimrats Prof. Dr. Friedrich Meinecke, wird vom Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS) vom Krankenbett übertragen. Meinecke spricht sich gegen einen ständigen „Kampf“ zwischen Humboldt-Universität und Freier Universität und für einen „Wetteifer“ miteinander aus.

Gegen die offizielle Teilnahme an der Eröffnungsfeier bestehen in den Westzonen Bedenken. Die zum Festakt geladenen Rektoren der Universitäten in den Westzonen lassen sich ausnahmslos entschuldigen. Als Gründe werden Krankheit, dienstliche Gründe u.ä. angegeben.

 

 

 

1949

 

15. Jan.

Eröffnung der Hochschule für Politik.

 

26.Jan.

Die ehemalige Friedrich-Wilhelms-Universität Unter den Linden wird offiziell in “Humboldt-Universität zu Berlin“ umbenannt.

 

2. Febr.

Der Oberbürgermeister Reuter beauftragte Dr. Fritz von Bergmann mit der Führung der Geschäfte des Kurators der FU.

 

16. Febr.

Das Studentenparlament der TU beschließt in den Streik zu treten. falls der Rektor Prof. Dr. Ing. Kurt Abel und der Senat der TU bis zum 23. Febr. 1949 nicht die Beteiligung der Studentenvertretung an den Vorarbeiten für ein künftiges Universitätsstatut gestattet. Die Professoren halten diesen Vorschlag für „sehr revolutionär“.

 

Frühjahr

Der FU werden Gebäude wissenschaftlicher Institute im amerikanischen Sektor übergeben.

 

 

Eröffnung der Vorklinik.

 

1. April

Beginn des Sommersemesters an der „Humboldt-Universität zu Berlin“. Das Personal- und Vorlesungsverzeichnis führt die Universität erstmals unter diesem Namen (vorher „Universität Berlin“). (Vgl. Zeittafeldatum vom 29. Jan. 1946)

 

6. April

Die drei westlichen Militärkommandanten verkünden „Entnazifizierungs-Amnestie“ für alle Personen, die nach dem 1. Jan. 1919 geboren sind. Ausgenommen sind aktive Nationalsozialisten.

 

 

Achtzehn der der Humboldt-Universität unterstehenden Institute im Westteil Berlins werden der FU übergeben.

 

SS

Im SS 1949 studieren an der FU insgesamt 3850 Studenten.

 

28. April

Die drei westlichen Stadtkommandanten teilen dem AStA der FU mit, daß ein Umtausch von Ostmark in Westmark für FU-Studenten aus der sowjetischen Besatzungszone nicht genehmigt wird.

Auf diese Mitteilung hin nehmen viele FU-Studenten an einer Protestversammlung von ca. 3000 Studenten gegen die unzureichende Währungsumstellung teil.

 

7. Mai

Die amerikanische Militärregierung beschließt, den Studenten aller Westberliner Hochschulen mit Wohnung in der sowjetischen Besatzungszone zunächst für einen Monat den Umtausch von 90 Ostmark 1:1 in Westmark zu gestatten.

 

30. Juni

Der Studentische Sprecher im Senat der FU wird hinausgebeten, obwohl keine Personalsache der Dozenten zur Debatte steht.

 

14. Aug.

Wahl zum ersten Bundestag.

Wahlbeteiligung: 78,5%, CDU/CSU: 31%, SPD: 29,2%, FDP: 11,9%, KPD: 5,7%. (Am 15.9. wird Dr. Konrad Adenauer zum ersten Bundeskanzler gewählt.)

 

7. Okt.

Die Provisorische Volkskammer proklamiert die Deutsche Demokratische Republik.

 

12. Okt.

Besuch des amerikanischen Hohen Kommissars" McCloy und des Oberbürgermeisters Reuter in der FU. Der Außenreferent des AStA, stud. phil. Kalischer dankt für die bisherige „großzügige Hilfe“ der amerikanischen Militärregierung. McCloy sagt dem Prorektor, Prof. Dr. med. von Kress, und dem Kuratorialdirektor, Dr. von Bergmann, zu, sich persönlich bei der Rockefeller-Stiftung um eine finanzielle Unterstützung der FU zu bemühen.

 

WS

Zu Beginn des Wintersemesters tritt der 86jährige Prof. Friedrich Meinecke von seinem Amt als Rektor der FU zurück. Sein Nachfolger wird Prof. Edwin Redslob.

 

13. Dez.

Wahl zur studentischen Selbstverwaltung, dem 1. Konvent der FU, und Urabstimmung über das Studentenstatut der FU. Wahlbeteiligung: 71,4%. Urabstimmung: Ja: 82,2%, Nein: 12,3%, Enthaltungen: 5,5% der abgegebenen Stimmen.

Die Satzung der Studentenschaft lehnt das Farbentragen nicht generell ab, verbietet jedoch die Zugehörigkeit zu „Vereinigungen und Gruppen, die gegen die Völkerverständigung arbeiten oder totalitäre Ziele haben oder terroristische Methoden empfehlen oder anwenden“.

 

22. Dez.

Der Rektor der FU, Prof. Redslob, trifft den Präsidenten der Columbia-Universität in New York, General Dwight D. Eisenhower. Anschließend besuchte er die Rockefeller Stiftung. Als Folge dieses Zusammentreffens beschließt der Studentenrat der Columbia-Universität Ende Febr. 1950, die Hälfte der von Columbia für den Fonds des Weltstudentendienstes aufgebrachten Mittel ausschließlich der FU vorzubehalten und direkte Kontakte zur FU aufzunehmen.

 

 

 

1951

 

 

Beginn des Studenten-Austauschs mit der Stanford University im US-Staat Kalifornien.

 

3. Jan.

Der Rektor der FU, Prof. Redslob, übergibt dem AStA das Klubhaus in Zehlendorf.

 

28. Febr.

Auf Beschluß des Konvents finden an allen Fakultäten Vollversammlungen statt. Die Vollversammlung der Medizinischen Fakultät spricht dem Konvent das Vertrauen aus. Die von ungefähr einem Drittel der Studenten der juristischen Fakultät besuchte Vollversammlung mißbilligt den Beschluß des Konvents, gegen die Berufung von Prof. Brandt vorzugehen. Sie sieht in diesem Vorgehen „den Bestand der juristischen Fakultät gefährdet“. Ein studentischer Fakultätssprecher bezeichnet die Studentenvertreter als „Gründungsclique“. (Am 17. Juni 1950 zieht der AStA seine Bedenken gegen die Berufung zurück.)

 

30. März

Der Konvent richtet sich gegen eine Vertretung der Assistentenschaft im Senat der FU und in den Fakultäten, da die Assistentenschaft kein Organ der FU ist und ihre Vertretung in Senat und Fakultäten der Satzung der FU widersprechen würde".

 

20. April

Auf seiner 12. Sitzung beschließt der 1. Konvent das Verbot der Arbeit und Werbung farbentragender Verbindungen und des Farbentragens innerhalb der FU oder auf ihren Veranstaltungen. Die Frage, ob Mitglieder farbentragender Verbindungen Mitglieder der FU sein können, wird ohne Beschlußfassung diskutiert.

 

SS

Im Sommersemester studieren insgesamt 5188 Studenten an der FU.

 

16. Mai

Aufruf des AStA der FU an „alle Kommilitonen“ zum Pfingsttreffen der FDJ, nicht nur die FU zu schützen, sondern sich auch darüber hinaus „für den Schutz der Westsektoren“ einzusetzen. Alle FU-Studenten, die sich während der Pfingsttage am „Schutz der öffentlichen Gebäude in den Bezirken“ beteiligen wollen, sollen sich unverzüglich beim FU-AStA melden.

 

27. Mai

Mehr als 500 000 Jugendliche nehmen am „Ersten Deutschlandtreffen der Jugend“ („für Frieden, demokratische Einheit, nationale Unabhängigkeit und ein besseres Leben“) in Ost-Berlin teil.

 

14. Juni

Der Kurator der FU, Dr. von Bergmann, begründet in einer Aufstellung über die Finanzlage der Freien Universität, daß die FU im laufenden Rechnungsjahr 2 Millionen DM Zuschuß von amerikanischer Seite benötigt.

 

26.-31. Juni

,Kongreß für kulturelle Freiheit' Eröffnung im Titania-Palast einen Tag nach Beginn des Korea-Krieges. Der Journalist Arthur Koestler umreißt das Ziel des Kongresses: „Wir kommen nicht, um eine abstrakte Wahrheit zu suchen, wir wollen ein Kampfbündnis schließen.“

 

Juli

Gründung der „studentischen Darlehenskasse Berlin-Charlottenburg e. V.“ Gegen zwei Bürgen werden bis zu 500 DM Darlehen an Studierende vor dem Abschluß gewährt, rückzahlbar in den ersten 5 Jahren des Berufs.

 

20. Juli

Prof. Dr. Freiherr von Kress wird Rektor der Freien Universitäts-Kliniken und –Institute.

 

22. Juli

(und 2. Febr. 1951)

Beschluß über die Fakultätsordnung der Juristischen Fakultät. Nach § 3, Abs. 4 ist der Studentische Vertreter nicht (mehr) stimmberechtigt bei Verleihung eines akademischen Grades oder Vorbereitung dazu, bei Beschlüssen, „denen eine wissenschaftliche Beurteilung zugrunde liegt“ und bei „Feststellung oder Beurteilung des dienstlichen Verhaltens eines Lehrkörpers“. Laut Satzung der FU haben die studentischen Vertreter im Senat, in den Fakultäten und im Kuratorium Mitsprache und Stimmrecht in allen Angelegenheiten, außer Disziplinarangelegenheiten des Lehrkörpers.)

 

25. Okt.

Die Philosophische Fakultät beschließt die Umwandlung der mathematisch-naturwissenschaflichen Abteilung in eine eigene Fakultät zum 1. April 1951.

 

Nov.

Ab Heft 9/1950 wird das „Colloquium“ Organ der gesamten Westberliner Studentenschaft. Untertitel: „Zeitschrift der freien Studenten Berlins“. Die Studenten der FU sind auch weiterhin automatisch Bezieher. Ein neu gebildeter Redaktionsausschuß besteht aus je einem Vertreter der Westberliner Hochschulen und den bisherigen ständigen Mitarbeitern. Die Gestaltung des Blattes soll sich nach den Bedürfnissen der gesamten Studentenschaft richten.

 

4. Nov.

Vorsitzende des 2. Konvents wird: Eva Heilmann (SPD-Hochschulgruppe), 2. Vorsitzender: Peter Lorenz (Junge Union). 1. AstA-Vorsitzender: Dietrich Spangenberg (SPD und SDS), 2. AstA-Vorsitzender: Fritz Maßberg.

 

10. Nov.

In einem Jahresbericht beklagt der 1. AStA-Vorsitzende Spangenberg das nachlassende politische Engagement der Studenten: „Es wächst die Zahl derer - auch unter den Dozenten -, denen die Erinnerung an die Zeit gleichberechtigter Zusammenarbeit recht lästig wird.“

 

16. Nov.

Ein Vertreter der amerikanischen Garnison in Berlin übergibt das Correns-Haus der FU für die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät. Die sechzig Räume ermöglichen es der Fakultät, ihre 1200 Hörer im eigenen Gebäude zu unterrichten.

 

8. Dez.

Bei einer Demonstration, zu der alle Studenten Berlins aufgerufen waren, durchbrechen Demonstranten mehrere Polizeiketten, zertrümmern die Glastüren des Foyers des Theaters am Kurfürstendamm und verlangen im Theater die Absetzung des Gastspiels des Wiener Burgtheater-Ensembles mit Werner Krauss (Krauss war Hauptdarsteller des antisemitischen Propagandafilms „Jud Süß“ von Veit Harlan). Die Berliner Schutzpolizei setzt Wasserwerfer und Holzknüppel ein. Auf Wunsch der Mehrheit der Zuschauer wird das Gastspiel fortgesetzt. (Am 11. Dez. bricht das Burgtheater nach weiteren Protesten das Gastspiel ab.)

 

 

 

 

1951

 

1. April

Aufstellung des Kurators Dr. von Bergmann über die Zuwendungen an die FU von amerikanischer Seite (bisher DM 5.101.422).

 

28. April

Der Nobelpreisträger Prof. Dr. Otto Warburg tritt aus dem Kuratorium der FU aus, weil nach seiner Ansicht für die FU wesentliche Fragen dort nicht besprochen werden.

 

4. Mai

Auf der Fakultätssitzung der juristischen Fakultät wird in Abwesenheit des studentischen Vertreters eine Vertretung des Sprechers der Studentenschaft in der Fakultät ausgeschlossen.

 

11. Mai

Kultussenator Tiburtius stimmt der Berufung von Professoren an die Veterinär-Medizinische Abteilung der FU zu, die ihre Lehrstühle an der Humboldt-Universität bereits aufgegeben haben. (Am 4. Febr. 1952 wird die Vet.-Med. eigenständige Fakultät.)

 

SS

Im Sommersemester studieren insgesamt 5945 Studenten an der FU.

 

17. Juli

Die Henry-Ford-Stiftung bewilligt der FU eine Spende in Höhe von 5.499 DM in Anerkennung ihres „unter großen Schwierigkeiten geleisteten Beitrages für die demokratische Erziehung“. Die Mittel sollen vor allem für den Ausbau der Bibliothek, des „Auditorium Maximum“ und der Mensa und zur Errichtung einer Abenduniversität verwendet werden.

 

19./20. Juli

Neuwahlen zum 3. Konvent der FU. Wahlbeteiligung: 56,4%. (1952: 71,4%; 1955: 51,2 %; 1956: 73,7 %; 1958: 64,6 %)

 

5.-19. Aug.

3. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Ost-Berlin. Zirka 2 Millionen Jugendliche aus der DDR, der Bundesrepublik sowie aus Ost- und Westeuropa nehmen an dem 14tägigen Treffen teil. Rund ein Viertel der Festival-Teilnehmer besucht die Westsektoren Berlins.

 

WS

Im Wintersemester 1951/52 studieren 5986 Studenten an der FU. Die Studenten der Geschichtswissenschaft richten die ersten acht „Tutoren-Gruppen“ ein (Anregung ursprünglich durch Helmut Coper).

 

25. Nov.

Feierliche Eröffnung des „Ost-Europa-Instituts“. Das Institut soll die Tradition der Ostforschung an den Universitäten Breslau und Königsberg fortsetzen. Rektor Prof. von Kress betont, das Institut werde nicht nur „der Forschung dienen, sondern auch Gutachten abgehen“ und an politische Parteien und die Bundesregierung „Auskünfte erteilen“. Der Regierende Bürgermeister Prof. Ernst Reuter erklärt, das Ost-Europa-Institut müsse das „Bewußtsein dafür erwecken, daß Europa nicht an der Elbe endet“.

 

 

 

 

1952

 

4. Jan.

Der ‚Tagesspiegel‘ wendet sich einem polemischen Artikel – „Akademische Leistung – nicht Doktorenfabrik“ - gegen die Einmischung des Abgeordnetenhauses in die „internen Angelegenheiten“ der juristischen Fakultät: „daß sich ein Parlament mit den internen Angelegenheiten einer Fakultät befaßt, ist ein in der deutschen Universitätsgeschichte ungewöhnlicher Fall“.

 

1.März

Gründung der Universitätsbibliothek. (Bisher war der Ausbau der Seminarbibliotheken vorrangig betrieben worden. Die Bücherspenden lagern in der Bibliotheksleitstelle im Keller der Ihnestraße 22 (“Rattenkeller“). Den Grundstock bildet eine 1-Million-Dollar-Spende der Ford Foundation.

 

20. April

25.000 wissenschaftliche Bücher und Zeitschriften werden der FU von amerikanischen Universitäten („Bücher für die Freiheit“) gestiftet.

 

23. Juli

Der Dekan der Philosophischen Fakultät Prof. Dr. Georg Rohde wird für das Studienjahr 1952/53 zum Rektor der FU gewählt. Der bisherige Rektor. Prof. von Kress, wird satzungsgemäß Prorektor.

 

24. Juli

Feierliche Grundsteinlegung zum Hauptgebäude der FU, dessen Bau durch die Ford-Foundation finanziert wird.

 

31. Juli

Kultussenator Tiburtius gibt im „Tagesspiegel“ die Einrichtung von vier ordentlichen Lehrstühlen an den FU bekannt, die von der Hochschule für Politik finanziert werden, je ein Lehrstuhl für „Vergleichende Verfassungslehre“ und für „Internationale Beziehungen“ in der Philosophischen Fakultät und je ein Lehrstuhl für „Politische Struktur- und Funktionslehre“ und für „Politische Wirtschaftslehre“ in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.

 

1. Aug.

Die Juristische Fakultät beschließt auf ihrer 51. Fakultätssitzung, der Dekan solle in einem Schreiben an die Philosophische Fakultät zum Ausdruck bringen, daß sich die Juristische Fakultät weder mit der Errichtung eines Lehrstuhls „Vergleichende Verfassungslehre“ einverstanden erklären werde, da dieses Fach bereits „in vollem Umfang“ zu ihrem Lehr- und Forschungsbetrieb gehöre, noch zustimmen werden, daß in dem geplanten Lehrstuhl für „Internationale Beziehungen“ völkerrechtliche Vorlesungen gehalten würden. Der Dekan soll ferner dem „Tagesspiegel“ (auf dessen Meldung vom 31.7. sich dieser Beschluß bezieht) mitteilen, daß die Errichtung eines Lehrstuhls für Politik an der Juristischen Fakultät vom Kuratorium abgelehnt worden sei.

 

Mitte Okt.

Die Freie Universität, die Technische Universität und die Hochschule für Politik bereiten eine gemeinsame Vorlesungsreihe „Abendveranstaltungen der Berliner Hochschulen“ für das Wintersemester 1952/53 vor. Die Vorlesungsreihe soll die Grenzen des Fachstudiums sprengen und Berufstätigen die Gelegenheit bieten, sich mit der Entwicklung der Wissenschaft vertraut zu machen. Durch enge Zusammenarbeit wollen die drei Hochschulen versuchen, später eine von allen Westberliner Hochschulen wissenschaftlich und organisatorisch getragene „Abenduniversität“ aufzubauen. Federführend soll die Freie Universität sein, die schon im Sommersemester 1952 erste Erfahrungen mit Abendvorlesungen gesammelt hat.

 

WS

Im Wintersemester studieren insgesamt 5971 Studenten an der FU.

 

22. Okt.

Der 3. Konvent der FU beschließt in seiner 24. Sitzung die Einrichtung eines AStA-Referats „zur Förderung des studentischen Gemeinschaftslebens“.

 

4. Dez.

Verleihung des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik an den ehemaligen Rektor der FU, Prof. Edwin Redslob. wegen seiner Verdienste um die Gründung der FU anläßlich der Feier zum 4. Jahrestag der FU-Gründung.

 

15. Dez.

Gründung der „Studentischen Krankenversicherung e.V.“ (SKV). Die eigene Krankenversicherung fordert von den Studenten bei freier Arztwahl 20% Kostenbeteiligung. Semesterbeitrag: 21 DM. Der Vorstand der SKV besteht jeweils aus drei Studenten und drei Professoren.

 

Ende Dez.

Die Rektoren von FU und TU, Prof. Rohde und Prof. Stranski, lehnen in einer gemeinsamen Erklärung das – vom Hochschuldezernenten Dr. Kruspi (FDP) ausgearbeitete – geplante Hochschulgesetz als unnötig und als Eingriff in die Selbstverwaltung der Universitäten mit Entschiedenheit ab. Es sei lediglich erforderlich, der TU eine Verfassung ähnlich der der FU zu geben. (Die Studenten fordern später die Entlassung Dr. Kruspis.)

 

 

 

 

1953

 

6. März

Tod Josef Stalins (Jossif Wissarionowitsch Dschugaschwili).

 

8. März

Feierliche Einweihung der mit Mitteln der „Ford Foundation“ erbauten Mensa der FU.

 

19. März

Der Bundestag ratifiziert den „Deutschlandvertrag“ und den Vertrag über die „Europäische Verteidigungsgemeinschaft".

 

27. März

FU-Studenten protestieren gegen die Aufführung des Sartre-Films „Die ehrbare Dirne“. („Sartre hat von Moskau gut gelernt“)

 

13.-17. April

CV-Kartellwoche 1953 in Trier. Der Bundesvorsitzende des CV-Rates, Dr. Schlehberger, fordert, den Kampf der Freien Universität Berlin um das „Erbe des Abendlandes“ zu unterstützen und „Brücken zu schlagen zu der Insel in der roten Flut“. Mensuren lehnt der Verband ab.

 

SS

Im Sommersemester 1953 studieren 5996 Studenten an der FU

 

6. Mai

Die Philosophische Fakultät der FU ordnet das Fach „Politische Wissenschaft“ in die Promotionsordnung der Philosophischen Fakultät ein.

 

16. Juni

Mehrere Tausend Bauarbeiter der „Stalinallee“ demonstrieren gegen die 10%ige Arbeitsnormenerhöhung.

 

17/18. Juni

Der sowjetische Stadtkommandant General Dibrowa ordnet eine Ausgeh- und Verkehrssperre für den sowjetischen Sektor Berlins an. Einheiten der Roten Armee besetzen mit T3-Panzern die Verkehrsknotenpunkte Ost-Berlins. Die Industriearbeiter in den VEB in Jena, Gera, Karl-Marx-Stadt, Dresden, Leipzig, Halle, Erfurt, Cottbus, Rostock und Berlin rufen den Generalstreik aus und bilden regionale Streikleitungen. Der DDR-Rundfunk behauptet, der Generalstreik sei von „Provokateuren aus den Reihen faschistischer Organisationen in Westberlin“ organisiert. Demonstrierende Arbeiter werden durch Panzereinsätze getötet. Die alliierte Kommandantur verbietet alle Kundgebungen in den Westsektoren.

 

26. Juni

Der 4. Konvent der FU begrüßt in seiner 18. Sitzung den Antrag der „beiden Fraktionen des Bundestages“, „den 17. Juni zum Nationalfeiertag der deutschen Einheit zu erheben“. (3 Nein-Stimmen, 1 Enthaltung.)

 

14. Juli

Im Grunewald-Kasino in West-Berlin werden Mensuren geschlagen.

 

7. Sept.

Wahl des 2. Bundestages. Wahlbeteiligung: 86,2%. CDU/CSU: 45,2%, SPD: 28,8%, FDP: 9,5%.

 

29. Sept.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Ernst Reuter, erleidet einen Herzanfall und stirbt.

 

WS

Im Wintersemester 1953/54 studieren insgesamt 5918 Studenten an sechs Fakultäten der FU. Seit Gründung der FU erwarben 580 Studierende den Doktorgrad. 2300 absolvierten eine akademische Abschlußprüfung.

 

4. Dez.

Fünf-Jahres-Feier der FU und Rektoratsübergabe im Titania-Palast. Der bisherige Rektor Prof. Rohde gibt seiner Hoffnung Ausdruck, daß das Nachlassen des Andranges der Studenten und die damit verbundene „Normalisierung des Universitätslebens“ bald eine Abschaffung der Zulassungsprüfungen erlaube. Die Juristische Fakultät verleiht General Lucius D. Clay die „Würde eines Ehrendoktors der Rechte“ für „seine hervorragenden Verdienste um die Pflege der freien Rechtswissenschaft durch die in seiner Amtszeit gegründete Freie Universität.

 

10. Dez.

Auf der Immatrikulationsfeier verpflichtet Rektor Prof. Dr. Ernst Hirsch 620 Neuimmatrikulierte durch Handschlag auf die FU-Satzung.

 

 

 

 

 

1954

 

6. Febr.

Der FU-Historiker, Ehrendoktor und Geheimrat und 1. Rektor der FU, Professor Dr. Friedrich Meinecke, stirbt im Alter von 92 Jahren.

 

22. April

Im Sommersemester studieren insgesamt 6726 Studenten an der FU.

 

7. Mai

Nach 56tägiger Belagerung füllt die französische Festung Dien Bien Phu nach Einkreisung durch Viet-minh-Verbände.

 

19. Juni

Einweihung des nach Plänen der Architekten Sobottka und Müller gebauten „Auditorium Maximum“ und der Bibliothek der FU. Die Baukosten von 7,5 Millionen DM wurden von der Ford-Foundation gespendet. Kultussenator Tiburtius teilt mit, daß die Ford-Foundation weitere 125.000 Dollar zum Ausbau der Universitätsbibliothek und eines Gesamtkatalogs der Berliner Bibliotheken bereitgestellt habe. Vizekanzler Franz Blücher, der amerikanische Journalist Kendall Foss. General Howley und der Vertreter der Ford-Foundation Dr. Shephard Stone erhalten die Ehrendoktorwürde. Der Komplex des Auditorium Maximum soll künftig „Henry Ford-Bau“ heißen.

 

13. Okt.

Der erste Senat des Berliner Oberverwaltungsgerichtes erklärt die Zulassungsbedingungen der FU (Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft in schlagenden Korporationen mit der Zugehörigkeit an der FU) für verfassungswidrig. Nach Ansicht des Bundesgerichtshofes sind Mensuren nicht strafbar und nicht sittenwidrig und Forschung und Lehre an der Freien Universität nicht durch sie gefährdet.

 

18. Okt.

Beschluß des Senats von Berlin, aufgrund § 2 Abs. 3, Satz 2 des Berliner Landesbeamtengesetzes vom 24. Juli 1952, der FU die Dienstherrenfähigkeit, das Recht, mittelbare Beamtenverhältnisse zu begründen, zu verleihen.

 

WS

Zu Beginn des Wintersemesters 1954/55 studieren laut Studienführer der FU insgesamt 6829 Studenten an der FU.

 

 

 

 

1955

 

28.-31. März

Vorlesungsstreik der Medizinstudenten der Universität Greifswald gegen die Umwandlung der Medizinischen Fakultät in eine Akademie der Kasernierten Volkspolizei. Während des Streiks werden über 280 Personen festgenommen.

 

SS

Im Sommersemester studieren laut Studienführer 7635 Studenten an der FU.

 

26. Okt.

Richtfest der neuen Zahn- und Kieferklinik der FU. Der Neubau kostet 4.8 Millionen DM.

 

4. Nov.

Rektoratsübergabe in der FU. Neuer Rektor ist Prof. Dr. Andreas Paulsen, Prorektor ist Prof. Dr. Hirsch.

 

 

 

 

1956

 

 

Die FU führt als erste deutsche Universität den Magisterstudiengang ein.

 

Mai

Bericht über die Freie Universität Berlin von Dr. Shuster, in New York, für die Ford-Foundation zur Prüfung weiterer Finanzierungsmöglichkeiten. Shuster konzentriert sich „auf die Bestrebungen, ... die dazu geeignet erscheinen, der Universität ihren Platz in der durch den Kalten Krieg geschaffenen Situation zu geben. und die daher um so mehr amerikanischer Unterstützung bedürfen“. Außer dem Friedrich-Meinecke-Institut werden das Osteuropa-Institut (Direktor: Prof. Dr. Werner Philipp), das Institut für politische Wissenschaft (Prof. Dr. Otto Stammer), die Hochschule für Politik(Prof. Dr. Otto Heinrich von der Gablentz)und das Institut für internationales und ausländisches Recht und Rechtsvergleichung (Prof. Dr. Wilhelm Wengler) gesondert besprochen.

 

4. Sept.

Auf der 65. Kuratoriumssitzung der FU kündigt der Vorsitzende des Kuratoriums Willy Brandt eine Begrenzung der Studentenzahl an: die Grenze der vorhandenen Kapazität sei erreicht.

 

 

 

 

1957

 

8. Febr.

Denkschrift des Senators für Volksbildung über Entwicklung, Ausbau und Möglichkeiten der Finanzierung der Universitäten des Landes Berlin.

 

4. April

Der Leiter der Berliner US-Mission, Mr. Gufler, übergibt dem Rektor der FU 7,5 Millionen DM für den Aufbau eines Studentendorfes an der Potsdamer Chaussee. Debatte des Abgeordnetenhauses über die Planung der Finanzierung der FU und TU. Der Senator für Volksbildung Tiburtius teilt mit, daß man mit einem Zuschuß von 7,5 Millionen DM vom Bund rechnen könne. Trotz Beschränkung auf 9.500 Studenten sei die Zahl der an der FU Studierenden auf 10.500 angestiegen. Für die nächsten Jahre betrage der Gesamtbedarf der FU und TU 140 Millionen DM.

 

5. April

In einer Pressekonferenz erklärt Bundeskanzler Adenauer, taktische Atomwaffen seien „nichts weiter als die Weiterentwicklung der Artillerie“.

 

12. April

18 führende deutsche Atomwissenschaftler, darunter die Professoren Born, Hahn, Heisenberg, von Laue und Weizsäcker, warnen vor der Ausrüstung der Bundeswehr mit taktischen Atomwaffen. Die Professoren lehnen es ab, sich an Herstellung, Erprobung oder Einsatz von Atomwaffen zu beteiligen.

 

23. April

Im Sommersemester studieren an der FU insgesamt 10.500 Studenten.

 

24. April

Der Hauptausschuß des Abgeordnetenhauses schließt die erste Lesung des Etats 1957 für die FU ab. Zuschuß für die FU: 18 Millionen DM. Aus dem Bundeshaushalt (72 Millionen DM für 34 Universitäten zur Förderung von Wissenschaft und Forschung) erhält die FU ca. 2 Millionen DM. DM 500.000,- will die Deutsche Forschungsgemeinschaft zur Verfügung stellen. Weitere 3,5 Millionen sind von FU und TU zusätzlich für besondere Aufgaben beantragt.

 

Juli

Der Akademische Senat der FU wählt Prof. Dr. phil. Gerhard Schenck zum Rektor. Prorektor wird Prof. Paulsen.

 

16. Sept.

Wahlen zum 3. Bundestag. CDU/CSU: 50,2%, SPD: 31,8%. FDP: 7,7% und DP/FVP: 3,4%.

 

3.-5. Dez.

Wahl des 9. Konvents der FU. Wahlbeteiligung: 68,5%. Gleichzeitig findet die Urabstimmung der Studentenschaft über ihre Satzung statt, die bei einer Beteiligung von 62% mit 53,7% Ja-Stimmen angenommen wird. Damit wird die Satzung der Studentenschaft Teil der Universitätsverfassung.

 

 

 

 

1958

 

Jan.

Die Rockefeller-Foundation stiftet der FU $ 31.700 (DM 133.140) zur Förderung des „Studiums der marxistisch-leninistischen Lehre“.

 

8. Jan.

Der 2. AStA-Vorsitzende stud. phil. Martin Schmidt (ESG) beschreibt die politische Position des neuen AStA als grundsätzlich verschieden von der der FU-Gründer. Die FU sei „eine Gründung des kalten Krieges und werde heute noch in Ost und West als eine antikommunistische Universität verstanden. Die Geschichte der FU verstehen, heißt über sie hinaus kommen.“

Das Berliner Abgeordnetenhaus billigt die Höchstzahlen für die FU (10.800) und die TU (8.000) und die beantragten Zuschüsse aus Bundesmitteln.

 

29. Jan.

Der Haushaltsplan der FU sieht einen Landeszuschuß in Höhe von 18 Millionen DM und einen Bundeszuschuß in Höhe von DM 1.291 500 und von DM 261.600 für die psychiatrisch-neurologische Klinik vor. Die FU soll eine Spende von DM 764.000,- von der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhalten. Das Kuratorium erklärt sein Einverständnis zur Aufnahme einer von der Ford-Foundation in Aussicht gestellten Spende in Höhe von $ 1.102.500 zur Förderung einiger wissenschaftlicher und pädagogischer Projekte (die Spende geht auf den Shuster-Bericht über die FU zurück).

 

1. April

Übernahme des Instituts für Politische Wissenschaft in die FU. Kultussenator Tiburtius erläßt eine neue Assistentenordnung für die Berliner Hochschulen. Wissenschaftliche Arbeiten, die von einem Assistenten angefertigt sind, dürfen nur noch unter dessen Namen veröffentlicht werden. In allen Sammelveröffentlichungen soll der Assistent einen Anspruch darauf haben, „entsprechend seinem Beitrag ... als Mitautor oder Miturheber genannt zu werden“. Diese Assistentenordnung gilt nicht für die FU und die TU, da beide Universitäten für den Erlaß eigener Assistentenordnungen zuständig sind.

 

21. April

Im Sommersemester 1958 studieren insgesamt 11.005 Studenten an der FU.

 

8. Mai

Der Haushaltsausschuß des Bundestages stellt 82 Millionen DM für die Finanzierung des „Deutschen Wissenschaftsrates“ und 38,4 Millionen DM für das „Honnefer Modell“ zur Verfügung. Die studentischen Gemeinschaften ESG (Evangelische Studentengemeinde), LSD (Liberale Studenten Deutschlands), SDS, „Deutsch-Israelische Studiengruppe“ (DIS), der Internationale Studentenbund (ISSF) und das Filmstudio der FU gründen einen „Studentenausschuß gegen Atomrüstung“ an der FU. Der Ausschuß legt Wert darauf, auch Assistenten mit in die Arbeit einzubeziehen.

 

12. Juni

„Politisches Forum“ des AStA der FU zum Thema „die Wiedervereinigung Deutschlands“. Der Journalist Erich Kuby erklärt in seinem Referat zur Freien Universität, „daß der Name ein äußerstes Maß von Unfreiheit zum Ausdruck bringt“. Durch die Worte „Freie Universität“ werde eine innere antithetische Bindung an die andere unfreie Universität jenseits des Brandenburger Tores fixiert.

 

18. Sept.

Das Kuratorium nimmt von der Absicht zur Errichtung eines Klinikums der FU im Bezirk Steglitz Kenntnis.

 

20. Okt.

Im Wintersemester 1958/59 studieren insgesamt 11.017 Studenten an der FU.

 

24. Okt.

Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in letzter Instanz, daß der Passus der Universitätsordnung, daß die Zugehörigkeit zu schlagenden Verbindungen und die Zugehörigkeit zur FU unvereinbar seien, rechtswidrig sei (VII G 104.57).

 

21. Nov.

Das Abgeordnetenhaus billigt die Eingliederung der Deutschen Hochschule für Politik als „Otto-Suhr-Institut“ in die FU.

 

27. Nov.

Berlin-Ultimatum Chruschtschows. Die Regierung der UdSSR erklärt die Protokolle und Abkommen mit den ehemaligen Anti-Hitler-Alliierten USA, Großbritannien und Frankreich für null und nichtig. Den ehemaligen Alliierten wird eine Frist von sechs Monaten gesetzt, um in Verhandlungen über den künftigen Status Berlins einzutreten.

 

7. Dez.

Wahlen zum Westberliner Abgeordnetenhaus. Wahlbeteiligung: 93,1%. SPD: 52,6%, CDU: 37,7%, FDP: 3,8%, DVP: 3,3% und SEW: 1,9%.

 

12. Dez.

Der Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Prof. Dr. Otto Stammer, weiht das neue Fakultätsgebäude in der Garystraße ein.

 

 

 

 

1959

 

3. Jan.

Die Bewegung vom 26. Juli 1953 unter der Führung von Fidel Castro und Che Guevara stürzt nach zweijährigem Partisanenkrieg den Diktator Batista.

 

3./4. Jan.

Studentenkongreß gegen Atomrüstung im Neubau der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der FU. Das Kongreßplenum nimmt in seiner letzten Sitzung einen Antrag mit Zweidrittelmehrheit an, in dem es heißt: Es ist . . . nötig. daß Formeln wie „Mit Pankow wird nicht verhandelt“ aus der politischen Argumentation verschwinden. Ziel müsse sein. „1. Die Umrisse eines Friedensvertrages zu entwickeln, 2. die möglichen Formen einer interimistischen Konföderation zu prüfen . . Der SPD-Wehrexperte Helmut Schmidt (MdB) und der Dekan der WiSo-Fak., Prof. Dr. Otto Stammer, verlassen den Kongreß unter Protest.

 

12. Febr.

Der Konvent begrüßt eine Unterschriftensammlung an den Bundestag, die vorbelasteten Richter und Staatsanwälte aus den Ämtern zu entfernen und Berufsverbote für Ärzte auszusprechen, die an Menschen-Experimenten mitwirkten.

 

20. Febr.

Der 7. Senat des Bundesverwaltungsgerichts erklärt in einem Grundsatzurteil, daß Bürger der Bundesrepublik, die ihren Studienaufenthalt in Berlin, zum Beispiel durch ein Studium an der FU oder TU, nachweisen können, nicht den Vorschriften des Wehrpflichtgesetzes unterliegen.

 

13. März

 

Der SPD-Vorstand schließt den stellvertretenden Chefredakteur der DGB-Zeitung „Welt der Arbeit“ und FU-Mitgründer, Otto Stolz, aus der Partei aus. Stolz ist 3. Vorsitzender des Komitees „Rettet die Freiheit e.V."

 

1. April

Eingliederung der Deutschen Hochschule für Politik in die Freie Universität mit dem Namen „Otto-Suhr-Institut an der Freien Universität (vormals Deutsche Hochschule für Politik)“.

 

17. April

Der Hauptausschuß des Abgeordnetenhauses von Berlin erhöht die finanziellen Zuwendungen des Landes Berlin für die FU und TU von 40,3 Millionen im Jahre 1958 auf 53,4 Millionen DM für 1959. Die zusätzlichen 13,2 Millionen DM sollen zu einem großen Teil für die durch die Besoldungsreform entstandenen Mehrkosten und die Übernahme der Polikliniken und dem OSI in die FU verwendet werden.

 

11. Mai

Das Kuratorium der FU beschließt auf seiner 91. Sitzung den Haushaltsplan 1959 mit einer Zuschußsumme des Landes Berlin für Personal- und Sachausgaben in Höhe von DM 29.430.000,-.

 

7. Juli

Auf seiner letzten Sitzung beschließt der „Senatsausschuß für Politische Meinungsäußerung akademischer Gremien“ Grundsätze und Empfehlungen: die politische Bildung und Erziehung sei Aufgabe der Gesamtuniversität, an der die einzelnen Organe mitzuwirken hätten. Stellungnahmen zu politischen Fragen könnten von den Organen nur für sie betreffende Probleme abgegeben werden.

 

25. Juli

Der amerikanische Außenminister Christian A. Herter lehnt in Berlin das Chruschtschow-Ultimatum ab. Die Regierung der USA sei nicht bereit, eine Befristung „ihrer Rechte und Pflichten“ im amerikanischen Sektor Berlins zu akzeptieren.

 

19. Okt.

Im Wintersemester 1959/60 studieren insgesamt 11.457 Studenten an der FU. Von den 1784 Studienbewerbern wurden 450 abgelehnt.

 

21. Okt.

Grundsteinlegung des Klinikums.

 

1.-3. Dez.

Wahlen zum 11. Konvent der FU. Wahlbeteiligung: 65,7%. Die „Rechten“ gewinnen die Wahlen zum 11. Konvent eindeutig.

 

 

 

 

1960

 

25. Jan.

Der FU-Student Reinhard Strecker stellt im Auftrag des SDS Strafantrag gegen 43 schwerbelastete Richter, die während des Dritten Reiches Terrorurteile aussprachen.

 

18. Febr.

Wahl des neuen AStA: 1. Vorsitzender: cand. jur. Jürgen Wohlrabe.

 

4.-8.Apr.

6. Deutscher Studententag in Berlin zum Thema „Abschied vom Elfenbeinturm“.

 

1. Mai

Ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug vom Typ "U2" wird in der Nähe der sowjetischen Stadt Swerdlowsk abgeschossen.

 

30. Juni

Richtfest des „Osteuropa-Instituts“.

 

18. Juli

Prof. Dr. Renate Riemeck, Wuppertal, wird die Prüfungsberechtigung entzogen, da sie Ost-Kontakte unterhalten habe.

 

19. Juli

Zum neuen 1. AStA-Vorsitzenden wird der 27jährige stud. jur. Heinrich Lummer (RCDS und CDU) gewählt.

10-Jahres-Plan für den Ausbau der beiden Westberliner Universitäten". Bauvolumen insgesamt: 250 Mill. DM (Fast ausschließlich aus Bundesmitteln); jährliche Baukosten für die Universitäten sowie die Studentenwohnheime und Mensen: rund 25 Millionen DM. Die dringlichste Bauplanung sieht 200 Millionen DM vor.

 

Nov.

Veröffentlichung der „Empfehlungen zum Ausbau der Wissenschaftlichen Einrichtungen. Teil I Wissenschaftliche Hochschulen“ des Wissenschaftsrates. Für die FU empfiehlt der Wissenschaftsrat eine Erweiterung von 56 ordentlichen und 18 außerordentlichen Lehrstühlen.

 

25. Nov.

Der Deutsche Wissenschaftsrat fordert in einer Denkschrift die Gründung von drei neuen Universitäten und die Errichtung von 1200 zusätzlichen Lehrstellen.

 

5. Dez.

Gemeinsamer Festakt der FU und der Westdeutschen Rektorenkonferenz im Auditorium maximum der FU anläßlich der 150. Wiederkehr des Gründungstages der ehemaligen Friedrich-Wilhelms-Universität. Hauptreferenten: Der Rektor der FU, Prof. Eduard Neumann, und der Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz. Prof. Hans Leussink. An dem Festakt nehmen 21 Rektoren ans dem Bundesgebiet, der Lehrkörper der FU. der VDS-Vorstand und Vertreter des Westberliner Senats und Abgeordnetenhauses teil.

 

6.-8. Dez.

Wahlen zum 12. Konvent. Wahlbeteiligung: 57,3%. Rechte Fraktion (RCDS, Freiheitlich-konservative Studentengruppe, Korporierte, SHB): 23; „Unabhängige“: 16; Linke Fraktion (SDS, Argument-Club, LSD): 26 Mandate.

 

 

 

 

1961

 

9.-11. Jan.

Universitätstage 1961 an der FU zum Thema „Marxismus-Leninismus, Geschichte und Gestalt“. Das Thema soll ein Beitrag zum „Abschied vom Elfenbeinturm“ sein.

 

12 April

Juri Gagarin umkreist als erste Mensch in einem sowjetischen Satelliten die Erde.

 

24. April

Das Kuratorium stellt den Haushaltsplan für 1961 in Einnahme und Ausgabe endgültig auf 49.361.500,- fest.

 

l 0. Mai

Richtfest für den Erweiterungsbau des Pharmazeutischen Instituts der FU.

 

17. Mai

Der Konvent beschließt eine außerordentliche öffentliche Konventssitzung im Auditorium maximum. Einziger Tagesordnungspunkt: Berichterstattung studentischer Journalisten über den in Jerusalem stattfindenden Eichmann-Prozeß. Die Konventsabgeordneten des RCDS sehen in dieser geplanten Konventssitzung eine „unzulässige Politisierung des Konvents“.

 

1. Juni

Die Schering AG Berlin bringt das erste hormonale Verhütungsmittel Europas "Anovlar"(„Die Pille“) auf den Markt.

 

5. Juni

Das neue Gebäude des "Osteuropa-Instituts“ an der FU wird eingeweiht.

 

1. Juli

Der Ordinarius für Strafrecht, Prof. Dr. jur. Ernst Heinitz, wird zum neuen Rektor der FU gewählt.

 

2.-12. Aug.

Vor allem Bild-Zeitung und BZ erscheinen mit der Schlagzeilen der Flüchtlingszahlen aus Ost-Berlin und der DDR: „4 Millionen bis heute geflüchtet - PANKOW IN PANIK!“ bis „ . . macht Pankow jetzt die Grenzen dicht?“

 

13. Aug.

Die Regierung der DDR läßt die Sektorengrenzen zwischen den drei Westsektoren und dem Ostsektor Berlins durch Einheiten der Nationalen Volksarmee, der Betriebskampfgruppen und der Volkspolizei abriegeln und Stacheldrahthindernisse und provisorische Betonmauern errichten.

 

17. Sept.

Bundestagswahl. Wahlbeteiligung: 87,5%. CDU/CSU: 45,3%, SPD: 36,3% und FDP: 12,7%.

 

8. Okt.

Der Berliner Hochschularbeitskreis legt der DK des SDS eine Denkschrift „Hochschule in der Demokratie“ vor.

 

8. Nov.

Der SPD-Parteivorstand beschließt, die SPD-Mitgliedschaft für unvereinbar zu erklären mit einer Mitgliedschaft sowohl im SDS, als auch in der Sozialistischen Förderergesellschaft e.V.

 

1. Dez.

Das Kuratorium stellt den Haushaltsplan 1962 der FU in Einnahme und Ausgabe auf DM 69.338.750, - fest.

 

12./14. Dez.

Wahlen zum 13. Konvent der FU. Wahlbeteiligung: 57,88%. 7 Mitglieder des RCDS, je ein Mitglied des SHB und des SDS und 4 Mitglieder der „Deutschen Burschenschaft“ werden gewählt.

 

15. Dez.

Der ehemalige SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann wird in Jerusalem zum Tode verurteilt.

 

 

 

 

1962

 

20. März

Dem Berliner SDS-Landesverband werden auf Anweisung des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen alle Zuwendungen aus dem Bundesjugendplan (Sonderplan - Berlin) gestrichen.

 

7. Mai

Das neue OSI-Gebäude der FU wird eingeweiht.

 

22.-26. Juni

Straßenschlachten in München-Schwabing. Von der Kriminalpolizei werden 199 Strafverfahren wegen Landfriedensbruchs, groben Unfugs,Aufwiegelei und Aufruhr eingeleitet.

 

18. Okt.

Im Wintersemester 1962/63 studieren insgesamt 14.167 Studenten an der FU.

 

27. Okt.

Der Herausgeber des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, Rudolf Augstein, wird verhaftet.

 

31. Okt.

Auf dem Steinplatz in West-Berlin demonstrieren ungefähr fünfhundert Studenten und Mitglieder der „Gruppe 47“ gegen den „Akt von staatlicher Willkür“ in Hamburg.

 

12. Nov.

Der Haushaltsplan der FU für 1963 wird (ohne einmalige Baumaßnahmen) auf 68.815.950,- DM festgestellt.

 

11.-13. Dez.

Wahlen zum 14. Konvent der FU. Wahlbeteiligung: 57,9 %. RCDS: 5; SHB: 4; Internationaler Studentenbund: 7; Katholische Studentengemeinde 4; Evangelische Studentengemeinde 3; und schlagenden Korporationen: 9.

 

13. Dez.

Der Innensenator von Berlin, Heinrich Albertz, erklärt vor FU-Studenten, ein paar tausend am Karabiner ausgebildete junge Leute „seien für die freiwillige Polizeireserve“ (FPR) notwendig, um „ein Mindestmaß von normalem Leben“ in Krisensituationen aufrechtzuerhalten. Eine Betätigung der FU- und TU-Studenten in der FPR sei vernünftiger als „dilettantische Sprengstoffanschläge auf die Mauer“.

 

 

 

 

1963

 

28. Jan.

Das Kuratorium erklärt sich grundsätzlich mit der Umwandlung des „Amerika-Instituts“ an der FU in ein interfakultatives Institut einverstanden. Es begrüßt die Bereitschaft der Ford-Foundation, eine Spende von 5.650.000 zum Aufbau zur Verfügung zu stellen.

 

30. Jan.

 

Der 14. Konvent der FU wählt das Mitglied der schlagenden Burschenschaft „Saravia“, stud. jur. Eberhard Diepgen zum neuen 1. AStA-Vorsitzenden.

 

13.-15. Febr.

 

Urabstimmung über 1. den Konventsbeschluß vom 30.1.1963, Diepgen zum 1. AStA-Vorsitzenden zu wählen. und 2. die Auflösung des 14. Konvents. Wahlbeteiligung: 70,8% (10.061 Studenten) für die Abwahl des 1. AStA-Vorsitzenden stimmen 64,5% (6390 Studenten), für die Auflösung des Konvents 60% (6.024 Studenten).

 

10. März

Der 22jährige FU-Student Hans Jürgen Bischoff (Juristische Fakultät der FU, Mitglied des „Corps des Kösener CV“) wird bei einer Sprengstoffexplosion in einem Wohnhaus am Hohenzollerndamm getötet.

 

19.-21. Juni

Wahl zum 15. Konvent der FU. Wahlbeteiligung: 61,6%. Von den 71 Konventsabgeordneten gehören l7 der Linken, 36 der Rechten an. 16 sind „politisch unabhängig“.

 

26. Juni

Festakt zu Ehren des Präsidenten der USA, John F. Kennedy. Kennedy wird die Würde eines Ehrenbürgers der FU verliehen.

 

11. Aug.

Stiftungsrat und Vorstand des FU-Studentendorfes, der Rektor der FU, Prof. Dr. jur. Ernst Heinitz und der AStA der FU veröffentlichen eine gemeinsame Erklärung, in der die Fluchthilfe von Studenten auf privater Ebene begrüßt wird, gleichzeitig jedoch festgestellt wird, daß die FU als Körperschaft des öffentlichen Rechts diese Aktivitäten nicht unterstützen könne.

 

1. Okt.

Im WS 1963/64 studieren insgesamt 14.762 Studenten an der FU.

 

16. Okt.

Prof. Ludwig Erhard (CDU) wird mit 279 gegen 180 Stimmen bei 24 Enthaltungen zum Bundeskanzler gewählt.

 

22. Nov.

John F. Kennedy wird in Dallas. Texas, ermordet. Ungefähr 20.000 Studenten und Schüler ziehen in einem Fackelzug vom Steinplatz zum Schöneberger Rathaus, wo ein AStA-Mitglied und der Regierende Bürgermeister Willy Brandt sprechen.

 

27. Nov.

Das Amerika-Institut der FU wird durch Beschluß des Akademischen Senats umbenannt in „John F.-Kennedy-Institut“.

 

Dez.

 

Die Zahl der amerikanischen militärischen „Berater“ in Vietnam wird auf 16.000 erhöht. Amerikanische Piloten bombardieren „Vietcong-Dörfer“.

 

4. Dez.

Rektoratsübergabe an Prof. Dr. Lüers. Der scheidende Rektor Heinitz gibt eine Steigerung der Zahl der Studenten von 13.000 im Jahre 1961 auf 15.000 bekannt, die Zahl der Ordinarien stieg um ein Viertel, der Etat im gleichen Zeitraum von 42 auf 69 Mill. Für 1964 ist ein Etat von 80 Mill. geplant. Künftig sollen 25 Mill. für die bauliche Erweiterung zur Verfügung stehen (1961: 5 Mill.).

 

10-12. Dez.

Wahlen zum 16. Konvent der FU. Wahlbeteiligung: 57,8%. (24 „Linke“, 26 „Rechte“ und 21 „Unabhängige“)

 

17. Dez.

Der Ministerrat der DDR und der Senat von Berlin einigen sich auf die Ausgabe von Passierscheinen für Westberliner.

 

20. Dez.

Über hundert in- und ausländische Journalisten und Prozeßbeobachter wohnen in Frankfurt der Eröffnung der Hauptverhandlung gegen 21 ehemalige Angehörige des SS-Bewachungspersonals im Konzentrationslager Auschwitz bei.

 

 

 

 

1964

 

1. Juli

 

Der Zulassungsausschuß der Juristischen Fakultät an der FU nimmt mit Wirkung vom 15. Okt. 1964 die Zulassung aller mehr als elf Fachsemester Rechtswissenschaft Studierenden zurück, um der ständig anwachsenden Überfüllung entgegenzuwirken.

 

15-18. Dez.

Wahlen zum 17. Konvent der FU. Wahlbeteiligung: 47,2%. SDS und der Argument-Club: 8, SHB: 6, LSD: 3, GSG: 1. Freunde der Publizistik: 1, SPD: 1. ESG: 3, RCDS: 1 und Korporationen: 7. 48 „Unabhängige“

 

18. Dez.

Studentische Protestdemonstration gegen den Berlin-Besuch des kongolesischen Ministerpräsidenten Moise Tschombé.

 

 

 

 

1965

 

1. April

Im Sommersemester studieren an der FU insgesamt 15.460 Studenten. Der neugewählte AStA tritt sein Amt an. 1. AStA-Vorsitzender stud. phil. Wolfgang Lefèvre (SDS, AC), 2. Vorsitzender stud. rer. nat. Peter Damerow (AC).

 

29. April

Auf Befehl von Präsident Lyndon B. Johnson landen US-Einheiten der Marineinfanterie in der Dominikanischen Republik.

 

7. Mai

Von den Hochschulgruppen SHB, SDS und LSD initiierte Protestversammlung gegen das Redeverbot für Kuby. In der Resolution heißt es: „Wir fordern den Rektor der FU auf, zu bestätigen, daß wir an unserer Universität jedermann, zu jeder Zeit, zu jedem Thema hören und mit ihm darüber diskutieren können.“

 

12. Mai

Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und Israels nehmen diplomatische Beziehungen auf. Der Irak, Ägypten, Syrien. Saudi-Arabien, Jordanien, Algerien, Kuweit und der Jemen brechen daraufhin die diplomatischen Beziehungen zur BRD ab.

 

18. Mai

Um acht Uhr morgens ziehen Streikposten vor dem Gebäude des OSI auf. Die Studenten tragen Plakate mit Texten wie „Heute Kuby - wer morgen“, „Vorlesungsstreik“ und „Redefreiheit auch an der Freien Universität“.

 

28. Mai

Feierliche Immatrikulationsfeier im Auditorium maximum der FU. Der Rektor, Prof. Dr. Herbert Lüers, gibt zu Beginn im vollbesetzten Auditorium maximum eine Darstellung der Fälle Kuby und Krippendorff. Im Anschluß daran stellt der AStA-Vorsitzende Wolfgang Lefèvre in seiner Begrüßungsrede die Position des AStA und des Konvents dar. Als Lefèvre dem Akademischen Senat vorwirft, die Auseinandersetzungen und die Raumvergabe nicht im Geiste der Satzung geführt zu haben, unterbrechen die Professoren Bettermann, Blei und Schilcher seine Rede. Prof. Bettermann ruft laut ins Auditorium maximum: „Magnifizenz, wenn Sie jetzt nicht einschreiten, verlasse ich den Raum.“ Der AStA-Vorsitzende Lefèvre, die studentische Wahlsenatorin Sigrid Rüger (SDS) und der stellvertretende Konventspräsident Christian Fenner (LSD) verlassen daraufhin unter dem Protest der Neuimmatrikulierten das Auditorium maximum. Der Rektor erklärt in einer kurzen Rede, daß er in diesem Augenblick den 1. AStA-Vorsitzenden gebeten haben „würde, das Podium zu verlassen, wenn er nicht schon von selbst gegangen wäre.“

Nach Rücksprache mit den Professoren Sontheimer und Ziebura beantwortet Dr. Krippendorff das Schreiben des Rektors vom 24. Mai 1965: Er bedauert, einer falschen Information zum Opfer gefallen zu sein, weist auf seine Berichtigung im Spandauer Volksblatt vom 19. Mai 1965 hin und entschuldigt sich.

 

8.-12. Juni

10. Deutscher Burschentag im Palais am Funkturm aus Anlaß der 150. Wiederkehr des Gründungstages der 1. Burschenschaft in Jena. Höhepunkt des 5tägigen Treffens ist der Festkommers in der Deutschlandhalle. Redner des Festvortrages ist Prof. Dr. Helmut Thielicke (Hamburg) zum Thema „Über den Ruin und das Wiedererstehen der Ideale“. Weitere Redner sind der Regierende Bürgermeister von Berlin und Kanzlerkandidat Willy Brandt, der Vizekanzler und Vorsitzende der FDP Dr. Erich Mende, der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Johann Baptist Gradl, Prof. Dr. Karl Aug. Bettermann (FU) und der Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz, Prof. Dr. Rudolf Sieverts. Prof. Bettermann fordert die versammelten 5000 korporierten Studenten und Alten Herrn in Anwesenheit des Rektors der FU, Prof. Dr. Herbert Lüers, auf: „Machen Sie einen neuen Anfang, bringen Sie uns unsere Universität wieder in Ordnung. In diesem Sinne rufe ich: ‚Burschen heraus!'

 

10. Juni

Über den Geschäftsführenden Direktor des OSI teilt der Rektor dem Assistenten Dr. Ekkehart Krippendorff in einem Schreiben mit, daß lediglich der Umstand, daß dessen Vertrag am 30. Sept. 1965 ablaufe, „eine fristlose Kündigung aus wichtigen Grunde“ entbehrlich erscheinen lasse. (Krippendorff hatte die Meinung weitergegeben, daß der Philosoph Karl Jaspers nach Einspruch des Rektors nicht an der FU habe sprechen können, die Behauptung aber in derselben Zeitung widerrufen).

 

26. Juni

Prof. Dr. Hans-Joachim Lieber wird zum neuen Rektor der FU gewählt.

 

13. Juli

Der Senat von Berlin beschließt einen Landeszuschuß für die Freie Universität in Höhe von DM 106.600.000,-.

 

13. Sept.

Die Philosophische Fakultät der FU ernennt Prof. Dr. Herbert Marcuse zum Honorarprofessor.

 

15. Sept.

Konzert der englischen Rock- und Pop-Gruppe „The Rolling Stones“ in der Waldbühne. 85 Festnahmen durch die Polizei. 87 Verletzte und ungefähr 400.000,- DM Sachschaden. Nach dem Konzert werden 17 S-Bahn-Züge teilweise schwer demoliert,

 

16. Sept.

Unbekannte Täter zünden die Haustür am Haus des Schriftstellers Günter Grass an, Grass arbeitet im „Wahlkontor deutscher Schriftsteller" mit, das der SPD Wahlhilfe leistet.

 

19. Sept.

Bundestagswahl für den 5. Bundestag. CDU/CSU: 47,6% (245 Sitze); SPD: 39,3% (202 Sitze) und FDP: 9,5% (49 Sitze).

 

13.-17. Dez.

Vietnam-Ausstellung des SDS im Studentenheim der ESG in der Gelfertstraße 45. (Die Ausstellung habe wegen baupolizeilicher Vorschriften nicht in der Eingangshalle des Henry-Ford-Baus gezeigt werden können.)

 

 

 

 

1966

 

12. Jan.

Die Westdeutsche Rektorenkonferenz leitet dem Bundestag ein Memorandum zu, in dem für das Jahr 1966 für den weiteren Ausbau der wissenschaftlichen Hochschulen Bundeszuschüsse in Höhe von 530 Millionen DM gefordert werden. (Die Mittel sollen auf 350 Mill. DM gekürzt werden.)

In seiner jährlichen „Botschaft über die Lage der Nation“ vor den beiden Häusern des Kongresses fordert der amerikanische Präsident Lyndon B. Johnson vom Kongreß 58,3 Milliarden Dollar für den Verteidigungshaushalt.

 

19.-21. Jan.

Universitätstage zum Thema „Nationalsozialismus und die Deutsche Universität“.

 

Febr.

Die Redaktion des „FU-SPIEGEL“ begründet in Heft Nr. 50 die „öffentliche Kritik von Lehrveranstaltungen“ durch die Studentenschaft.

 

3./4. Febr.

In der Nacht werden in West-Berlin von ca. 40 Personen - überwiegend SDS-Mitglieder - Plakate geklebt, in denen der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland als Mörder bezeichnet wird. Einige der Plakatkleber, darunter vier Studenten der FU, die gleichzeitig SDS-Mitglieder sind, werden festgenommen.

 

5. Febr.

Am Nachmittag findet die von den Studentenverbänden SHB, SDS, LSD, AC und HSU veranstaltete Vietnam-Demonstration mit über 2500 Studenten statt. Das Amerika-Haus wird mit Frischeiern beworfen, die Flagge steht auf Halbmast.

 

7. Febr.

Die ‚BZ‘ veröffentlicht einen Leitartikel zur Vietnam-Demonstration unter der Schlagzeile „Inspektor sagt: eine Schande für unser Berlin!“ Der Rektor der FU entschuldigt sich in einem Brief an den amerikanischen Stadtkommandanten in Berlin.

 

10. Febr.

Knut Nevermann wird mit Unterstützung des SDS und des Argument-Clubs zum neuen 1. AStA-Vorsitzenden gewählt.

 

14. Febr.

Der Haushaltsplan der Freien Universität für 1966 wird in Einnahme und Ausgabe endgültig auf 119.696.400,- DM festgestellt.

 

15. Febr.

Der Akademische Senat beschließt die Richtlinien zur Raumvergabe. Der AStA der FU erklärt seinen Rücktritt.

 

1. April

Im Sommersemester 1966 studieren an der FU 15.615 Studenten (davon 4.385 weibliche). 1.587 sind Studienanfänger.

 

2. Mai

Beschluß der Medizinischen Fakultät der FU, mit sofortiger Wirkung eine auf drei Semester befristete Zulassung einzuführen.

 

22./23. Juni

3000 Studenten nehmen an einer Vollversammlung aller Fakultäten teil. Resolution: „Wir kämpfen nicht nur um das Recht, längere Zeit zu studieren und unsere Meinung stärker äußern zu können. Das ist nur die halbe Sache. Es geht uns vielmehr darum, daß Entscheidungen, die die Studenten betreffen, demokratisch nur unter Mitwirkung der Studenten getroffen werden. Es gilt. die Freiheit der Universität als Problem zu sehen. das über den Rahmen der Universität hinausweist. Aus diesem Grunde sieht die Studentenschaft die Notwendigkeit, mit allen demokratischen Organisationen der Gesellschaft zusammenzuarbeiten. um ihre Forderungen durchzusetzen.“

 

30. Okt.

Kongreß „Notstand der Demokratie" in Frankfurt/Main. In sechs Foren diskutieren mehr als 5000 Gewerkschaftler, SPD-Parteimitglieder, Studenten, Assistenten und Professoren.

 

26. Nov.

Diskussionsveranstaltung des AStA der FU mit dem Rektor. „Fachidioten-Flugblatt“.

 

1. Dez.

Große Koalition in Bonn. Kanzler: Kurt Georg Kiesinger (CDU), Bundesaußenminister: Willy Brandt.

 

6.-9. Dez.

Wahlen zum 19. Konvent der FU. Wahlbeteiligung: 53,7%. 46 der gewählten Konventsabgeordneten gehören zur „Linken“ (u.a. SHB: 12, SDS: 7, HSU: 2, LSD: 2 und DIS: 1) und 22 zur „Rechten“, (u.a. Burschenschaftler: 8 und RCDS: 4). 10 Konventsabgeordnete haben keine studentische Gruppe angegeben.

 

17. Dez.

„Spaziergangsdemonstration“ des SDS. „keine Keilerei mit der Polizei“ und „Kommt die Polizei vorbei, gehen wir an ihr vorbei, an der nächsten Ecke dann, fängt das Spiel von vorne an.“

 

 

 

 

1967

 

26. Jan.

Hausdurchsuchung der Geschäftsräume des SDS.

 

1. April

Im Sommersemester studieren insgesamt 15.060 Studenten an der FU, davon 1.448 Studienanfänger.

 

5. April

Beamte der Abteilung 1 der Berliner Polizei nehmen 11 Studenten, überwiegend Mitglieder der „Kommune 1“ fest wegen Planung von „Anschlägen gegen das Leben oder die Gesundheit des amerikanischen Vizepräsidenten Hubert Horatio Humphrey mittels Bomben“. (Diese Polizeimitteilung ist falsch: nach einer Untersuchung der gefundenen Gegenstände stellt sich heraus. daß es sich um Rauchkerzen, Plastikbeutel mit Farbstoff, Pudding und Mehl gehandelt hat. Die Polizei gibt keine Richtigstellung ihrer Mitteilung heraus.)

 

19. April

Sit-in. Der Rektor fordert Polizeieinsatz an, der abgebrochen wird, als die von den Polizeibeamten aus der Halle des Henry Ford-Baus hinausgetragenen Studenten wieder in die Halle zurückkehren und sich wieder hinsetzen.

Tod des ehemaligen Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland Dr. Konrad Adenauer.

 

22. April

Der Rektor teilt öffentlich mit, daß er gegen die Studenten Hartmut Häußermann (1. AStA-Vorsitzender), Bernhard Wilhelmer (2. AStA-Vorsitzender), Wolfgang Lefèvre (Konventsvorsitzender), Knut Nevermann (Ältester des Konvents) und Rudi Dutschke wegen der Teilnahme am sit-in vom 19. April 1967 Disziplinarverfahren eingeleitet habe. (Der Konvent spricht den Betroffenen das Vertrauen aus. Darüber wird eine Urabstimmung beschlossen.)

 

30. April

Gründungsversammlung des „Republikanischen Clubs e.V. Berlin“ in den Clubräumen in der Wielandstraße 27.

 

2. Mai

Der Rektor der FU, Prof. Dr. Hans-Joachim Lieber, fordert die Hörer der Hauptvorlesungen vor Vorlesungsbeginn auf, mit „JA“ zu stimmen. (Für den Fall, daß dies mehrheitlich geschieht, stellt er die Einstellung der Disziplinarverfahren in Aussicht.) Die Mitglieder der Kommune 1 verteilen vor der Mensa der FU fünf durchnumerierte Flugblätter, die mit „SDS“ unterzeichnet sind. Die Kommune 1 verhöhnt den Rektor, den Akademischen Senat, den AStA, und die politischen Studentengruppen an der FU. Im Flugblatt Nr. 2 werden die Studenten als „Lahmärsche und Karrieremacher" bezeichnet.

 

9. Mai

Prof. Dr. Ernst Fraenkel sagt ungefähr fünfzig Prüfungen ab. (Sein Seminar war trotz Verbots durch den AS im FU-SPIEGFL rezensiert worden.)

In der Urabstimmung haben 10.173 FU-Studenten votiert, davon 4.709 (46,1%) für den AStA, 4.383 (43,4%) gegen den AStA, 1.035 (10,5%) gaben ungültige Stimmzettel ab und 46 (0,5%) enthielten sich der Stimme.

 

9. Mai

Prof. Dr. Ernst Fraenkel sagt ungefähr fünfzig Prüfungen ab. (Sein Seminar war trotz Verbots durch den AS im FU-SPIEGFL rezensiert worden.)

In der Urabstimmung haben 10.173 FU-Studenten votiert, davon 4.709 (46,1%) für den AStA, 4.383 (43,4%) gegen den AStA, 1.035 (10,5%) gaben ungültige Stimmzettel ab und 46 (0,5%) enthielten sich der Stimme.

 

12. Mai

Ausschluß der Komymune I aus dem SDS auf der Landesvollversammlung des Berliner SDS.

 

2. Juni

Der FU-Student Benno Ohnesorg wird während einer Demonstration gegen den Schah von Persien vom Kriminalobermeister Hans Kurras erschossen.

 

3. Juni

In einer Presseerklärung rechnet der Regierende Bürgermeisters Heinrich Albertz den Toten und die Verletzten der Demonstrationen ausschließlich den Demonstranten als Schuld an und billigt das Verhalten der Polizei.

 

5. Juni

Beginn des 3. Nahostkrieges (Sechs-Tage-Krieg).

Die Vollversammlung aller Fakultäten im Auditorium maximum der FU beschließt die Bildung dreier Komitees: "Komitee zur Aufklärung der Bevölkerung" (Komifö), "Ermittlungskomitee" (später umbenannt in Ermittlungsausschuß) und "Aktionskomitee zur Organisierung der Trauerfeierlichkeiten".

"Bild" meldet: "Studenten drohen: Wir schießen zurück ... Wenn die Polizei noch einmal auf uns schießt, werden wir zurückfeuern. Wir sind schon dabei, uns zunächst Gaspistolen zu beschaffen." Die Verfasser des Artikels erklären, daß sowohl die Überschrift als auch die entsprechende Passage dem Text ohne ihr Wissen hinzugefügt worden seien.

 

7. Juni

Der Polizeipräsident von Berlin, Erich Duensing, wird auf eigenen Wunsch bis zum Abschluß der Untersuchungen vom Dienst beurlaubt.

Das Abgeordnetenhaus beschließt die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses.

 

9. Juni

Im Anschluß an die Beerdigung von Benno Ohnesorg findet in der Niedersachsenhalle ein Kongreß mit über 7000 Studenten und Dozenten aus der Bundesrepublik Deutschland, West-Berlin und dem Ausland statt.

 

10. Juni

Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Ewald Harndt wird zum neuen Rektor der Freien Universität Berlin gewählt. Prorektor wird turnusgemäß Prof. Dr. phil. Hans-Joachim Lieber.

 

27. Juni

"Arbeitskreis zum Schutz der Freiheit von Lehre und Forschung in der Freien Universität Berlin" gegründet. Im Vorspann zu einer Flugschrift "Die politische Situation an der Freien Universität" heißt es: "Es scheint uns im Interesse der Sache im Augenblick nicht angebracht, persönlich zu zeichnen."

 

10.-12. Juni

Im Auditorium maximum der Freien Universität spricht Prof. Dr. Herbert Marcuse, Professor für Sozialphilosophie an der Brandeis-Universität und Gastprofessor an der FU, vor ca. 2 500 Studenten und diskutiert über die Themen "Das Ende der Utopie", "Das Problem der Gewalt in der Opposition" und "Moral und Politik in der Überflußgesellschaft".

 

12. Juli

Die Hochschulabteilung des AStA der FU gibt ein provisorisches Verzeichnis der Kritischen Universität heraus.

Das Kuratorium der FU berät den Haushalt der Freien Universität für das Jahr 1968. Die Gesamtzuschüsse des Landes Berlin für die FU sollen im Jahr 1968 147,5 Millionen DM betragen. Das sind 20 Millionen DM mehr als im Jahr 1967.

 

10. Aug.

Nach zahlreichen Protesten gegen die seit dem 2. Juni andauernde Inhaftierung Fritz Teufels wird dieser auf Beschluß der 5. Ferienstrafkammer entlassen. Der Haftbefehl gegen Teufel wird aufrecht erhalten.

 

19. Aug.

Während einer amerikanischen Militärparade in Berlin-Neukölln demonstrieren Studenten gegen den Vietnamkrieg.

 

4.-8. Sept

22. Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) in Frankfurt/Main. Die Delegierten verabschieden eine Resolution zur Springer-Kampagne.

 

19. Sept.

Der Berliner Innensenator Wolfgang Büsch erklärt seinen Rücktritt.

 

26. Sept.

Der Berliner Regierende Bürgermeister Heinrich Albertz erklärt seinen Rücktritt mit der Begründung, seine Bemühungen zur Erhaltung eines "arbeitsfähigen Berliner Senats" seien gescheitert.

 

5. Okt.

Nach den jüngsten Angaben des US-Oberkommandos aus Saigon hat der Vietnamkrieg seit Jan. 1961 300 000 Menschenleben gefordert, darunter 13 643 US-Soldaten.

 

8. Okt.

Der ehemalige kubanische Industrieminister, Dr. Ernesto "Che" Guevara, fällt bei einem Gefecht zwischen Einheiten der bolivianischen Armee und Guerilleros im Gebiet von Higueras (Bolivien) schwer verwundet in die Hände der bolivianischen Armee und wird wenige Stunden später ermordet.

 

13. Okt.

Auf einer Sitzung der Benjamin-Franklin-Stiftung wird für das Klinikum Steglitz der Name "Klinikum der Freien Universität Berlin" beschlossen.

 

17. Okt.

Der Konvent wählt Johann Wolfgang Landsberg (SPD) zum neuen AStA-Vorsitzenden der FU. Stellvertretender AStAVorsitzender wird Bernhard Wilhelmer (unabhängig); Hochschulreferat: Reinhard Selka (unabhängig); Politreferat: Sigrid Fronius (SDS) und Hans Peter Rouette; Finanzreferat: Günther Mayer (SPD) und Helmut Giesa; Außenreferat: Marianne Henkel (unabhänigig); Sozialreferat: Jutta Menschik (SHB).

 

21. Okt.

"Tag des internationalen Protestes gegen den Krieg in Vietnam". An der Vietnam-Demonstration in West-Berlin, zu der 33 Organisation aufgerufen haben, beteiligen sich etwa 7000 Menschen.

 

1. Nov.

Das Kuratorium beschließt die Errichtung eines Instituts für klinische Pharmakologie im Bereich des Klinikums und eines Instituts für Neuro-Psycho-Pharmakologie in der psychiatrischen und neurologischen Klinik und Poliklinik der Freien Universität.

 

21. Nov.

Die 14. Große Strafkammer des Landgerichts Moabit spricht Kriminalobermeister Karl-Heinz Kurras von der Anklage der fahrlässigen Tötung des Studenten Benno Ohnesorg frei, da es "keine Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Tötung oder eine beabsichtigte Körperverletzung durch einen gezielten Schuß" gebe. Demonstrationen.

 

3. Dez.

In der ARD-Sendereihe "Zu Protokoll" diskutiert Günter Gaus mit Rudi Dutschke.

 

8. Dez.

Die Wahlen zum 20. Konvent der FU und die Urabstimmung über die "kritische Universität" enden mit einem Erfolg der Linken. An der Konventswahl beteiligten sich 10 042 der 15 072 Wahlberechtigten, das sind 66,7 %. Damit liegt die Wahlbeteiligung höher als 1966 (53,7 %) und 1965 (57,4 %). Die Linke Fraktion im Konvent erhält 40 von 76 Sitzen. Innerhalb der Linken ist eine Verschiebung festzustellen, der SDS erhält im 20. Konvent 16 Sitze (gegenüber 7 im 19. Konvent), der SHB 4 Sitze gegenüber 12. Die Vereinigten Arbeitsgemeinschaften an der FU (VAFU) konnten 26 Sitze erringen.

An der Urabstimmung über die "Kritische Universität" beteiligten sich rd. 70 % der Wahlberechtigten. Für die Kritische Universität sprachen sich 5557 Studentinnen und Studenten (53 %) aus, dagegen 4473 (42,5 %) und 448 stimmten ungültig.

 

 

 

 

1968

 

1. Febr.

Am Abend findet im Auditorium maximum der TU eine Veranstaltung der Kritischen-Universität zur Vorbereitung des "Springer-Tribunals" statt, an der etwa 1500 Personen teilnehmen. Während der Veranstaltung wird u. a. ein Lehrfilm über die Herstellung von Molotow-Cocktails gezeigt. Am Ende des Films erscheint als Schlußbild eine Aufnahme des Springer-Hochhauses.

 

2. Febr.

In den frühen Morgenstunden zwischen 2.00 und 3.00 Uhr werden in verschiedenen Berliner Bezirken die Scheiben von sechs Filialen des Springer-Konzerns durch Steinwürfe zertrümmert. Die Steine sind teilweise in Flugblätter mit der Forderung "Enteignet Springer" eingewickelt.

 

17. Febr.

Unter einer großen Fahne der FNL mit der Aufschrift "Für den Sieg der vietnamesischen Revolution" und "Die Pflicht des Revolutionärs ist es, Revolution zu machen" beginnt im überfüllten

 

18. Febr.

Auditorium maximum der Technischen Universität der Internationale Vietnam-Kongress." Um 2 Uhr entkommt Rudi Dutschke mit zwei Freunden der Einkreisung durch ca. 10 Taxis. Über den Funkverkehr kommt die Mitteilung: "Wir haben Dutschke jetzt verloren."

Über 15 000 Personen beteiligen sich an der Abschlußdemonstration des Internationalen Vietnam-Kongresses.

 

21. Febr .

Kundgebung des Senats, des Abgeordnetenhauses, der CDU, SPD und FDP, des DGB, des Ringes politischer Jugend vor dem Rathaus Schöneberg. Sonderfahrten der BVG, dienstfrei für die Angestellten des öffentlichen Dienstes und zahlreicher Betriebe der Privatwirtschaft. Transparente mit Aufschriften wie "Freiheit für die Zone", "Dutschke Volksfeind Nummer eins". Junge oppositionelle Leute werden von den Demonstranten angegriffen und verprügelt. Ein Mann, den die Menge irrtümlich für Rudi Dutschke hält, muß von der Polizei zum eigenen Schutze in Gewahrsam genommen werden.

 

29. Mär z

In Marburg konstituiert sich die Bundesassistentenkonferenz.

 

3. April

In den frühen Morgenstunden werden in zwei Frankfurter Kaufhäusern durch Brandsätze Feuer ausgelöst, die einen Schaden von zwei Millionen DM verursachen.

 

5. April

Unter dem Verdacht, die Brandsätze in Frankfurt gelegt zu haben, werden die 27jährige Berliner Germanistikstudentin Gudrun Ensslin, der 26jährige Berliner Student Thorwald Proll, der 24jährige Andreas Baader, der als Berufsbezeichnung Journalist angibt, und der Münchner Schauspieler Horst Söhnlein in Frankfurt festgenommen.

Nach der Ermordung des Friedensnobelpreisträgers und Bürgerrechtskämpfers Dr. Martin Luther King kommt es in über 20 Großstädten der USA zu schwersten Rassenunruhen, die 19 Todesopfer fordern

 

11. Apr.

Um 16.30 Uhr wird Rudi Dutschke durch drei Pistolenschüssen von dem 23jährigen Anstreicher Josef Bachmann, Bild-Leser und Hitler-Verehrer, lebensgefährlich verletzt.

Am Abend versammeln sich im Auditorium maximum der Technischen Universität etwa 2500 Anhänger der Außerparlamentarischen Opposition. Bernd Rabehl (SDS) erklärt unter dem Beifall der Versammelten: "Ich spreche ganz deutlich aus, die wirklichen Schuldigen heißen Springer, und die Mörder heißen Neubauer und Schütz!"

Straßenschlacht zwischen Demonstranten und Polizei vor dem Springer-Hochhaus in der Kochstraße. Auslieferungsfahrzeuge des Springerkonzerns werden umgestürzt und in Brand gesteckt.

 

17. Apr..

In München stirbt am frühen Morgen der 32jährige Fotoreporter Klaus Frings an den Folgen eines Steinwurfs.

 

Mai

Unruhen, Barrikadenkämpfe und Straßenschlachten in Paris.

Demonstrationen, Institutsbesetzungen, Diskussionen zum Thema Notstandsgesetze.

 

13. Mai

Am Abend spricht Professor Herbert Marcuse im Auditorium maximum der FU zum Thema "Geschichte, Transzendenz und sozialer Wandel" vor ca. 4000 Studenten im Auditorium maximum und drei anderen Hörsälen des Henry-Ford-Baus.

 

30. Mai

Der Bundestag verabschiedet mit 384:100 Stimmen bei einer Enthaltung nach der dritten Lesung die Notstandsgesetze.

 

21. Aug.

In den frühen Morgenstunden rücken Einheiten der sowjetischen Roten Armee in Prag ein.

 

12.-16. Sept.

Auf der Delegiertenkonferenz des SDS werden fünf Mitglieder des KPD-Flügels ausgeschlossen.

 

16. Sept.

In Offenbach wird die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) gegründet.

 

9. Okt.

In Anwesenheit des Gesundheitsministers der Vereinigten Staaten von Amerika, Wilbor J. Cohen, des Botschafters der USA in Bonn, Cabot Lodge, der Bundesgesundheitsministerin Käthe Strobel, des Regierenden Bürgermeisters von Berlin Klaus Schütz und zahlreicher Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wird mit einem Festakt in der Berliner Kongreßhalle das Klinikum Steglitz, das fast 303 Millionen DM gekostet hat, der Freien Universität übergeben. Während der Übergabefeierlichkeiten kommt es zu Störungen durch Studenten, die vor allem gegen die Anwesenheit des Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika, Henry Cabot Lodge protestieren, der in früheren Jahren als Botschafter der USA in Saigon tätig war. Als Lodge in seiner Rede erklärt, "welch schönerer Beitrag zu unseren gemeinsamen Bemühungen wäre denkbar als dieses große medizinische Zentrum?" ruft ein Student: "Die Bombardierung des Klinikums in Hanoi". Sodann erklingen Sprechchöre: "Klinikum in West-Berlin - Bomben auf Hanoi"und "Und an jedem zehnten Bett wird ein Ordinarius fett".

 

10. Okt.

Das Abgeordnetenhaus von Berlin verabschiedet mit den Stimmen von SPD und FDP das."Gesetz zur Änderung der Satzung der Freien Universität Berlin und des Gesetzes über die Technische Universität Berlin" ("Vorschaltgesetz").

 

14. Okt.

FU-Rektor Harndt lehnt die Einstellung des Studenten Bernd Rabehl als wissenschaftlichen Hilfsassistent ab. Rabehl habe sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung ausgesprochen.

 

21. Okt.

Der 20. Konvent wählt auf seiner 11. ordentlichen Sitzung als Nachfolger der zurückgetretenen AStA-Vorsitzenden Sigrid Fronius den bisherigen zweiten Vorsitzenden Jürgen Treulieb.

 

31. Okt.

In Frankfurter Kaufhausbrandstifter-Prozeß werden die Angeklagten Andreas Baader, Gudrun Enslin, Thorwald Proll und Horst Söhnlein zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt.

 

4. Nov.

"Schlacht am Tegeler Weg". Solidarität mit Horst Mahler (Ehrengerichtsverfahren, Springer-Rechnung von DM 506696,70). Aufgestaute Angst und Haß entladen sich in einem unpolitischen Angriff der etwa 1000 Studenten mit Pflastersteinen auf die Polizei. 130 Beamte und 21 Demonstranten verletzt. Der SDS ist sich darüber im klaren, dass beim nächsten Angriff die Polizei von ihren Waffen Gebrauch machen wird und eine solche Konfrontation in letzter Konsequenz Bürgerkrieg bedeutet.

 

7. Nov.

Auf dem CDU-Parteitag in Berlin ohrfeigt die französische Journalistin Beate Klarsfeld den ehemals der NSDAP angehörenden Bundeskanzler und CDU-Vorsitzenden Kurt Georg Kiesinger. Von einem Schnellgericht wird sie am Abend wegen öffentlicher vorsätzlicher Beleidigung und Körperverletzung des Bundeskanzlers zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

 

4. Dez.

Zum Jubiläum des 20jährigen Bestehens der Freien Universität werden keinerlei Feierlichkeiten veranstaltet.

 

 

 

 

1969

 

5. März

Die Bundesversammlung wählt am Abend im dritten Wahlgang mit 512 Stimmen den ehemaligen Justizminister Drs. Gustav Heinemann (Heinemann:"Dr. Gustav Gustav") (SPD) zum neuen Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland.

 

17. März

Der Vorsitzende des AStA der FU, Jürgen Treulieb, und der ehemalige Politreferent des AStA, Elke Schweichel, werden durch Entscheid des Beauftragten für Ordnungsrecht an der FU, Oberstaatsanwalt Gerhard Blaesing, wegen fortgesetzten Aufrufs zu Störungen des Lehrbetriebs im Wintersemester 1968/69 für vier Semester vom Studium ausgeschlossen.

 

6. Mai

Die SPD-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses beschließt die Abschaffung der Verfaßten Studentenschaft.

 

8. Mai

Die Professoren an der Philosophischen Fakultät, Dr. Herbert Bräuer (Osteuropa-Institut), Dr. Horst Baader, Dr. Erich Loos und Dr. Walter Pabst sowie der Akademische Oberrat Dr. Klaus Friedrich (Romanisches Seminar) kündigen die Einstellung ihrer Lehrveranstaltungen an, weil gegen sie Steckbriefe wegen "Denunziantentums" verteilt worden sind, und sie von Studenten mit Farbeiern beworfen wurden.

In den folgenden Tagen werden die Juristen Prof. Dr. Helmut Quaritsch und Prof. Dr. Roman Herzog, der Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Prof. Drs. Wolfram Fischer, der Geschäftsführende Direktor des Slavischen Seminars, Prof. Dr. Herbert Bräuer, Prof. Dr. Horst Sanmann von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät und der Politologe Alexander Schwan mit Farbeiern beworfen. Zahlreiche Vorlesungen werden abgebrochen, Institute zeitweise geschlossen. Vorlesungen und Seminare können vielfach nur unter Polizeischutz stattfinden.

 

16. Mai

Die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus spricht sich gegen die Abschaffung des Allgemeinen Studentenausschusses (AStA) und gegen die Einführung einer Drittelparität in universitären Selbstverwaltungsgremien aus. Die CDU-Fraktion fordert, daß mindestens 50 % der Sitze in den universitären Gremien mit Professoren besetzt werden müssen.

 

18. Mai

Nach Protesten gegen die Parade der Alliierten Streitkräfte auf der Straße des 17. Juni dringen etwa 100 aufgebrachte Zuschauer in das Foyer der Technischen Universität ein und verwüsten die im zweiten Stock gelegenen AStA-Räume. Christian Semler (SDS) wird zusammengeschlagen und muß ins Krankenhaus eingeliefert werden.

 

3. Juni

Der Rektor und die Dekane überreichen dem Ausschuß für Wissenschaft und Kunst eine Grundsatzerklärung und Änderungsvorschläge für einzelne Paragraphen des Gesetzentwurfes zur geplanten Änderung des Hochschulgesetzes: "... Es ist mit einem Aderlaß zu rechnen, wie es ihn nur 1933 in Deutschland gegeben hat ... Der größte Teil der verbleibenden Hochschullehrer wird sich in eine Art 'innere Emigration' zurückziehen."

 

15. Juni

Gründung der "Roten Zelle Germanistik" (ROTZEG) an der FU. Laut Statut sieht die ROTZEG als "sozialistischer, marxistischer Kampfverband" ihre Aufgabe in einem Beitrag zur "Zerschlagung der Bourgeoisie", in der Bekämpfung der "Klassenuniversität".

 

16. Juni

Die Medizinische Fakultät teilt sich in die Sektionen Vorklinik, Klinikum Steglitz, Klinikum Westend und Zahnmedizin auf. Selbstverwaltungsorgan jeder Sektion ist die Sektionskonferenz, in der Dekan und Prodekan stimmberechtigt sind.

 

3. Juli

Im Sommersemester sind 14 787 Studierende an der Freien Universität immatrikuliert, darunter 3 973 Studentinnen.

 

9. Juli

Das Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedet in der Nacht das neue Universitätsgesetz nach über zehnstündiger Debatte mit 72:2 Stimmen. Ein FDP-Abgeordneter und der ehemalige Innensenator Wolfgang Busch (SPD) stimmen gegen das Gesetz. Die CDU-Fraktion war wegen Kritik am Verfahren vor der Abstimmung aus dem Plenarsaal ausgezogen. Zum Entwurf des Universitätsgesetzes lagen dem Abgeordnetenhaus 69 Änderungsanträge der CDU, 15 Änderungsanträge der FDP und 11 Änderungsantrage der SPD vor.

 

17. Juli

Die Veterinärmedizinische Fakultät der Freien Universität verleiht dem ersten Kurator der FU, Dr. Fritz von Bergmann, wegen seiner "großen Verdienste um Gründung und Aufbau der Veterinärmedizinischen Fakultät" die Ehrendoktorwürde.

 

20. Juli

Landung des Raumschiffs Apollo 11 auf dem Mond. Als erste Menschen betreten die US-Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin die Mondoberfläche.

 

22. Juli

Ein Filmteam des Norddeutschen Rundfunks (NDR) wird von Studenten gewaltsam daran gehindert, Aufnahmen für ein Fernsehspiel über die Studentenunruhen zu drehen. Dem Film mit dem Titel "Zwei in Dahlem" liegt ein Drehbuch von Dieter Meichsner zugrunde (Autor des 1954 erschienenen Romans "Die Studenten von Berlin"). Ein vor dem Faschismus emigrierter Professor arbeitet zeitweise mit den linken Studenten zusammen. Als diese zu Gewaltaktionen greifen, fühlt er sich zwischen den Fronten Rechts und Links an der Universität zerrieben und verläßt Deutschland erneut.

 

1. Aug.

Das neue Berliner Universitätsgesetz tritt in Kraft.

 

2. Aug.

Beginn des Woodstock-Festivals.

 

9. Aug.

Manson-Morde, der u.a. Sharon Tate, die Frau des Filmregisseurs Roman Polanski, zum Opfer fällt.

 

5. Sept.

In zahlreichen Betrieben der Stahl- und Bergbauindustrie beginnen wilde Streiks für höhere Löhne.

 

15. Okt.

Unter dem Namen "Roter Traktor West-Berlin" verschicken Studenten des Romanischen Seminars der Freien Universität Droh-Briefe an Professoren, mit denen Berufungsverhandlungen von der FU geführt werden, mit der Aufforderung, sich vor Annahme eines Rufs einer studentischen Öffentlichkeit zu stellen.

 

24. Nov.

Das Übergangskonzil wählt den Diplomphysiker und Soziologen Rolf Kreibich mit 61 Stimmen zum ersten Präsidenten der Freien Universität Berlin. Sein Gegenkandidat Prof. Dr. Hans-Joachim Lieber erhält 49 Stimmen.

 

30. Nov.

Der Senator für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Werner Stein, erklärt in einem Interview, bei der Wahl des neuen Präsidenten der FU habe sich gezeigt, daß im Übergangskonzil der FU Konstellationen vorhanden seien, die sich der Gesetzgeber bei der Ausarbeitung des Universitätsgesetzes nicht vorgestellt habe.

 

3. Dez.

Am Otto-Suhr-Institut gründen 16 Angehörige des wissenschaftlichen Mittelbaus eine "Sozialistische Assistentenzelle" (SAZ).

 

8. Dez.

Der Präsident der FU, Rolf Kreibich, überträgt die Position des Universitätsdirektors und Leiters der Abteilung 1 der Universitätsverwaltung "interimistisch" dem bisherigen Oberregierungsrat beim Senator für Justiz, Detlev Borrmann. Der Jurist Dr. Klaus Warncke, bisher Regierungsassessor in der Senatsverwaltung für Finanzen, wechselt ebenfalls in diese Abteilung des Präsidialamts.

 

14. Dez.

"Die Welt" berichtet, daß der Dekan der Philosophischen Fakultät der FU, Prof. Dr. Otto von Simson, zur Lage an der FU erklärt habe: "Eine vergleichbare Situation hat es in Deutschland nur 1933 gegeben".

 

18. Dez.

Der 36-jährige Ordinarius für Rechtsgeschichte und Bürgerliches Recht, Prof. Dr. Uwe Wesel, wird vom Übergangskonzil mit 57 gegen 18 Stimmen zum Vizepräsidenten der FU gewählt. 20 der 31 anwesenden Professoren verlassen den Saal, um zu demonstrieren, daß Professor Wesel nicht das Vertrauen der Mehrheit der Hochschullehrer besitzt.

Präsident Kreibich plant die Einrichtung von vier Hauptstabsstellen: 1. Prognostik, 2. Hochschulorganisation und Planung, 3. Hochschulpolitik (Michael Höbich) und 4. Studentische Angelegenheiten. Dazu ein Pressereferent (Peter Dehn).

 

 

 

 

1970

 

6. Jan.

An der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der FU bricht der Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre, Prof. Dr. Bernhard Bellinger, nach Störungen durch Mitglieder der "Roten Zelle Ökonomie" seine Vorlesung ab. Sprecher der Rotzök fordern in der Lehrveranstaltung die Rücknahme der von Professor Bellinger eingeleiteten Strafverfahren und die Einstellung eines Tutors, der über Kenntnisse der marxistischen politischen Ökonomie verfügt. 28 von 30 Hochschullehrern der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der FU kündigen aus Protest gegen die erneute Störung der Vorlesung von Professor Bellinger die Einstellung ihrer Lehrveranstaltung für den Zeitraum einer Woche an.

 

7. Jan.

Unter Vorsitz des Präsidenten der FU, Rolf Kreibich, findet die konstituierende Sitzung des Akademischen Senats der FU statt. Dem Akademischen Senat gehören nach dem neuen Universitätsgesetz elf Hochschullehrer, sechs Wissenschaftliche Mitarbeiter, fünf Studenten und zwei Dienstkräfte an. Mit knapper Stimmenmehrheit von jeweils 13 Stimmen werden Prof. Dr. med. Helmut Coper, Prof. Dr. jur. Bernd Rüthers und Dr. math. nat. Heinz Knoll in das Kuratorium der FU gewählt.

 

28. Jan.

Auf seiner 148. Sitzung stellt das Kuratorium den Haushaltsplan der FU für 1970 in Höhe von 255 209 800,-- DM fest. Über die bisher bereits geschaffenen 150 Stellen für Assistenzprofessoren hinaus will das Kuratorium der FU im Rahmen des Nachtragshaushaltes weitere 250 Assistenzprofessuren schaffen. Das Kuratorium wählt den bisherigen Direktor in der Senatsverwaltung für Wissenschaft und Kunst, Hermann Hildebrandt, zum neuen Kanzler der FU. Hildebrandt ist Volljurist und betreute in der Senatsverwaltung die Referate Technische Universität und Hochschulrecht.

 

9. Febr.

Gründungsversammlung der "Notgemeinschaft für eine freie Universität", Versammlungsleiter: Prof. Dr. Thomas Nipperdey. In den Vorstand der Notgemeinschaft werden die Professoren Ernst Büchi, Jürgen Domes, Peter Hanau, Georg Nicolaus Knauer, Stanislaw Kubicki, Bernd Rüthers und Otto von Simson gewählt, die auch schon im vorläufigen Vorstand der "Aktionsgemeinschaft für eine freie Universität" vertreten waren. Neu hinzu kommen der FU-Professor für Volkswirtschaftslehre, Horst Sanmann, der Professor für Handels- und Wirtschaftsrecht an der TU, Folkmar Koenigs und der Akademische Rat (Klassische Philologie) Dr. Hans Joachim Geisler (CDU).

 

24. Febr

Der zu fünf Jahren Haft verurteilte Dutschke-Attentäter Josef Bachmann begeht in seiner Zelle Selbstmord.

 

6. März

Die "Notgemeinschaft für eine freie Universität" veröffentlicht unter dem Titel "Freie Universität unter Hammer und Sichel" eine Dokumentation "zur Lage an der FU", in der gegen Präsident Kreibich der Vorwurf erhoben wird, er beabsichtige die FU auf legalem Wege "im sozialistischen Sinne umzugestalten".

 

8. Apr.

Der Jugendsenator ordnet die Schließung des Schülerladens "Rote Freiheit" an, ein Projekt des Psychologischen Instituts der FU, in dem seit Juli 1969 "antiautoritäre Kindererziehung" erprobt wird.

 

15. Apr.

Zum Sommersemester 1970 werden an der FU keine Studiengebühren mehr erhoben.

 

13. Mai

Das Übergangskonzil der Freien Universität Berlin wählt im ersten Wahlgang gemäß Vorschlag von Präsident Kreibich mit 63 gegen 37 Stimmen Dr. Margherita von Brentano und mit 51 gegen 44 Stimmen Prof. Dr. Herbert Lax zu Vizepräsidenten der FU.

 

14. Mai

Geburtsstunde der Roten Armee Fraktion: Vier maskierte Personen verhelfen nach einer Schießerei, bei der drei Personen verletzt werden, dem 27jährigen Strafhäftling Andreas Baader zur Flucht. Baader hatte auf Antrag von Rechtsanwalt Horst Mahler die Genehmigung zur Benutzung der Bibliothek des Zentralinstituts für Soziale Fragen erhalten, um gemeinsam mit der Lehrbeauftragten des Publizistischen Instituts der FU, Ulrike Marie Meinhof, Quellenstudien für ein Buch über Jugendkriminalität zu betreiben. Andreas Baader, Ulrike Meinhof und die maskierten Personen springen aus dem Fenster der Institutsbibliothek und flüchten. Die Polizei leitet eine Großfahndung nach Andreas Baader und Ulrike Meinhof ein.

 

20. Mai

Auf seiner 152. Sitzung beschließt das Kuratorium der Freien Universität die Gründung eines 2. Psychologischen Instituts als Wissenschaftliche Einrichtung im Fachbereich Erziehungswissenschaften der FU.

 

5. Juni

In ihrem zweiten Bericht "Freie Universität unter Hammer und Sichel" berichtet die "Notgemeinschaft für eine freie Universität" detailliert über die Störungen des Lehrbetriebs am Romanischen und am Englischen Seminar, in der WiSo Fakultät, am OSI und über die Auseinandersetzungen um die Gründung des 2. Psychologischen Instituts.

 

16. Juni

Der Senat von Berlin beschließt die Eingliederung des Städtischen Krankenhauses Westend und der Städtischen Frauenklinik Charlottenburg in die Freie Universität Berlin als Universitätskliniken Charlottenburg ab 1. Jan. 1971.

 

7. Sept.

Die Verwaltung des Klinikums Steglitz der FU teilt mit, daß das Klinikum tief in den Roten Zahlen stecke. Statt den im FU-Etat von 1970 angesetzten 25,5 Millionen DM werden nur schätzungsweise 15 Millionen DM eingenommen.

 

WS

Im Wintersemester 1970/71 studieren ca. 400 000 Studentinnen und Studenten an den Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland, darunter ca. 65 000 Studienanfänger.

 

18. Nov.

In Bad Godesberg findet der Gründungskongreß des "Bundes Freiheit der Wissenschaft" mit 1500 Teilnehmern statt. Laut Satzung vereinigt der Bund Personen aus allen Kreisen der Bevölkerung, um "auf der Grundlage der freiheitlich demokratischen Rechtsordnung und im Bewußtsein der gesellschaftlichen Verantwortung 1. die Freiheit von Forschung und Lehre und Studium zu wahren und zu fördern, 2. sich jeder Unterwerfung unter die Machtansprüche einzelner Gruppen oder Interessenten zu wiedersetzen, 3. auf eine Politik zu drängen, die eine stetige Verbreiterung der Bildungschancen mit der Aufrechterhaltung der Leistungsmaßstäbe verbindet". In den Vorstand werden die Professoren Lübbe, Maier und Rüegg gewählt.

 

14. Dez.

Die im Zusammenhang politisch motivierter Gewaltakte seit dem 1. Juli 1967 entstandenen Schäden durch "Glas-, Gebäude-, Mobiliarschäden, Verschmutzungen von Fassaden und der Universitätsgelände, Entwendung von Einrichtungsgegenständen sowie Beschädigung von Fahnen und Fahnenmasten" beziffern der Regierende Bürgermeister Schütz und Innensenator Kurt Neubauer für die Berliner Universitäten mit 116 666,40 DM, die Fachakademien mit 54 311,37 DM und für die Gerichtsgebäude mit 314 784,- DM.

 

 

 

 

1971

 

18. Jan.

Das SEW-Mitglied Michael Nareyek von der "Aktionseinheit demokratischer und sozialistischer Studenten" zieht in den Akademischen Senat der FU ein.

 

1-5. Feb.

Streik der "Roten Zellen". gegen die Verbotsanordnung von drei germanistischen Lehrveranstaltungen durch Senator Stein. Die CDU-Abgeordnete Dr. Ursula Besser wirft in einem Brief dem Regierenden Bürgermeister vor, den Lehr- und Lernwilligen der FU bei ihrem Kampf gegen den linken Terror seine Unterstützung versagt zu haben.

 

8. Febr.

Erste Wahlen zum Konzil der Freien Universität. Aufgaben: Wahl und Abwahl des Präsidenten und der Vizepräsidenten, Verabschiedung und Änderung der Universitätssatzung sowie der Wahlordnung. Das Konzil setzt sich aus 80 Hochschullehrern, 127 Wissenschaftlichen Mitarbeitern, 109 Studenten und 63 Dienstkräften zusammen. Die Wahlbeteiligung der Studenten ist im Unterschied zur Beteiligung der Hochschullehrer und Assistenten an der Wahl nur gering (ca. 20 %). Die Wahl endet mit einem Sieg der gemäßigten Kräfte (die Konservativen erringen 51 Mandate, die Liberalen 57, die Linken 20 - davon zwölf die "Roten Zellen"-; die restlichen Mandate fallen auf nicht einzuordnende FU-Mitglieder).

 

19. Apr.

An der FU sind zum Sommersemester 7 % mehr Studenten eingeschrieben als im Semester davor (d.h. 16 500 Studenten, davon 2800 Neuimmatrikulierte). Die FU ist nun hinter München und Hamburg die drittgrößte Universität Deutschlands.

 

24. Mai

Der FU-Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Bernd Rüthers, einer der sieben FU-Mitglieder des Kuratoriums, legt sein Mandat nieder. Er erklärt, das Universitäts-Gesetz sei gescheitert, es herrsche ein Zustand der Rechtlosigkeit an der FU.

 

14. Juni

Bei Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmern eines Seminars und dem Seminarleiter werden im Friedrich-Meinecke-Institut Türen aufgebrochen, Akten und Stempel entwendet, rote Fahnen gehißt, rote Sterne an die Fenster gemalt und die Aufgänge mit Schriften wie "Macht das Institut rot" versehen.

 

16. Juni

Eine Delegation der FU ( Präsident, Kanzler und Leiter des Präsidialamts) besucht die Universität Leningrad, mit der die FU seit 1968 ein Partnerschaftsabkommen unterhält.

 

24. Juni

Am Otto-Suhr-Institut gehen etwa 60 radikale Studenten gewalttätig gegen Prof. Dr. Alexander Schwan vor.

 

28. Juni

Der von acht Mitgliedern des Präsidialamts erarbeitete erste Rechenschaftsbericht des Präsidenten über die FU in der Zeit vom Nov. 1968 bis März 1971 wird auf 500 Seiten der Öffentlichkeit präsentiert.

 

7. Juli

Eine Gruppe von 360 Hochschullehrern, die vorwiegend aus Unabhängigen besteht, verlangt in einer Unterschriftenaktion die sofortige Änderung des Universitätsgesetzes. Der Initiator der Unterschriftensammlung, der FU-Pharmakologe Prof. Dr. Helmut Kewitz, unterbreitet Vorschläge zur Novellierung.

 

24. Juli

Das Bundesamt für Verfassungsschutz stellt in einem vertraulichen Bericht eine Zunahme der Aktivität der DDR-Geheimagenten an westdeutschen Universitäten und Gymnasien fest. Studenten würden unter Ausnutzung ideologischer Motive mit dem Versprechen angeworben, nach Abschluß der Ausbildung in eine gehobene Position im öffentlichen Dienst oder in der Wissenschaft, Wirtschaft oder Forschung zu gelangen und dort zu wichtigen Unterlagen Zugang zu erhalten.

 

1. Okt.

In zwei Dokumentationen der Serie "Die FU unter Hammer und Sichel" (Nr. IX und X), warnt die "Notgemeinschaft" vor dem zunehmenden Einfluß neostalinistischer Gruppen an der FU. Die anderen Linksgruppen würden immer deutlicher in den Disziplinbereich der SEW geraten.

 

16. Okt.

Die "Rote Zelle Germanistik" (Rotzeg), die erste der an der FU gegründeten "Roten Zellen", wird von ihren Mitgliedern aufgelöst, weil sie künftig im Kommunistischen Studentenverband (KSV) der KPD (AO) mitarbeiten wollen, wo die marxistisch-leninistische Politik ihrer Ansicht nach konsequenter durchgesetzt wird.

 

22. Okt.

An der FU wird für 20 Millionen DM ein Großrechenzentrum installiert, das rund zwei Dutzend öffentlichen Forschungseinrichtungen (z.B. den Max-Planck-Gesellschaften) zur Verfügung steht.

 

31. Okt.

Der Historiker Prof. Dr. Thomas Nipperdey und der Botaniker Prof. Dr. Josef Poelt verlassen die FU, weil sie die dortige Politisierung als eine übersteigerte und verfälschte Demokratisierung empfinden, die zum Abbau von Verantwortungsbewußtsein, Vertrauen und Leistung geführt habe.

 

3. Nov.

Prof. Dr. Erich Saling, der privat eine Klinik für Perinatale Medizin aufgebaut hat, soll im Rahmen der FU Arbeitsbedingungen für seine Forschungen erhalten.

 

10. Nov.

Im Henry-Ford-Bau stellt sich eine "Hochschulgruppe FU" der SEW vor. Ihr Vorsitzender, das ehemalige SDS-Mitglied Hans Gellhardt, artikuliert die bisher nur vereinzelt vorgetragene Kritik der SEW am Berliner Universitätsgesetz. Die Gruppe war im März 1971 gegründet worden und gab seitdem eine Zeitschrift des Otto-Suhr-Instituts "Sozialisitsche Politik" heraus.

 

11. Nov.

Im Berliner Abgeordnetenhaus wird der Neubau einer zweiten Universitätszahnklinik im Norden Berlins bewilligt. Dadurch sollen 60 neue Behandlungsplätze geschaffen und der sinkenden Zahl an Zahnärzten entgegengewirkt werden.

 

27. Nov.

Im Auditorium maximum der FU treffen sich linke Studentengruppen, vor allem die Anhänger des KSV (maoistisch), der ADS (SEW-orientiert) und der "Reformsozialisten" (linke SPD-Richtung), um über eine Kampagne gegen die Hochschulreform und die Haltung der Gruppen gegenüber Präsident Kreibich abzustimmen. Bei den Diskussionen im nur halb gefüllten Audimax kommt es zwischen den zersplitterten linken Gruppen zu einem heftigen Streit darüber, ob Kreibich von links unterstützt werden müsse oder nicht (die ADS meint, er sei bereits ein "toter Maikäfer").

 

30. Nov.

Unter dem Kennwort "Liberale Aktion" entsteht eine neue hochschulpolitische Gruppe an der FU. Ihr Ziel ist eine "freiheitliche, kritische und leistungsorientierte Hochschulpolitik". Der Zusammenschluß wird damit begründet, daß "die Universitätsreform an der FU durch die gegenwärtige Praxis in ihrem demokratischen Anspruch und in ihrer Effizienz gefährdet" sei. Die Arbeits- und Leistungsfähigkeit sei beeinträchtigt. Elf Kandidaten dieser Gruppe stellen sich am 8. Dez. zur Neuwahl der Mitglieder des Akademischen Senats. Neun Sitze der Professoren gehen an diese Hochschulgruppe (u.a. an Alexander Schwan, Meta Alexander, Hanfried Lenz, René Ahlberg und Helmut Coper). Bei den Assistenten und den Anderen Dienstkräften gewinnt die Gruppe je einen Sitz.

 

2. Dez.

Prof. Dr. Hans Joachim Lieber, Mitbegründer und ehemaliger Rektor der FU sowie Spezialist in Fragen des Marxismus, nimmt ohne Bleibeverhandlungen einen auswärtigen Ruf an. Sein Verhalten, so erklärt er, sei Ausdruck des Dissenses mit der Entwicklung an der FU.

 

4. Dez.

Expertenkommission zur Prüfung der Berliner Universitäten eingesetzt.

 

15. Dez.

Im Berliner Abgeordnetenhaus wird der FU-Haushalt für 1972 verabschiedet (700 Millionen DM). Die Steigerungsrate für die Universität liegt um 5% höher als die Steigerungsrate des Gesamtetats in Berlin, weshalb die "FAZ" das Expansionstempo als "inflationär" bezeichnet.

 

17. Dez.

Durch den Rücktritt des studentischen Mitgliedes wird der Ordnungsausschuß der FU funktionsunfähig.

 

18. Dez.

Nachdem der erste Direktor des Klinikums Steglitz, Prof. Dr. Wolters, Gesundheitssenator geworden war und sein Nachfolger, Prof. Dr. Wiederholt, sein Amt niedergelegt hatte, weil ihm eine Hochschulgruppe das Mißtrauen ausgesprochen hatte, wird der Röntgendiagnostiker Prof. Dr. Eckhard Gerstenberg zum neuen Direktor gewählt.

 

 

 

 

1972

 

6. Jan.

Im neuen Akademische Senat stehen sich "linke" und "konservative" Vertreter in etwa gleichstarken Blöcken gegenüber. Die Reformsozialisten erhielten drei Sitze.

 

8. Jan.

Die Professoren Arnulf Baring, Jürgen Domes und Heinrich Aug. Winkler erklären, die Prüfungspraxis am OSI sei manipulativ und gerate "zur Farce".

 

19. Jan.

Der Fachbereichsrat Wirtschaftswissenschaft entscheidet sich mit überwiegender Mehrheit (13:1:1) für die Berufung des belgischen Trotzkisten Ernest Mandel auf den Lehrstuhl für Sozialpolitik.

 

20. Jan.

Die neugegründete "Liberale Aktion" (Zusammenschluß aus "Notgemeinschaft für eine freie Universität", "Arbeitsgemeinschaft kritische Reformpolitik" und “Kewitzkreis“), die bei den Wahlen zum Akademischen Senat neun von elf Sitzen erhielt, bezeichnet ihre Gründung als letzten Versuch einer konstruktiven Mitarbeit, da bereits ganze Wissenschaftsbereiche weitgehend in der Hand kommunistischer Gruppen seien.

 

24. Jan.

Der achtköpfige Planungsstab des Präsidialamts stellt sich der Presse vor.

 

28. Jan.

Der Hauptausschuß des Abgeordnetenhauses billigt gegen die Stimmen der CDU und bei FDP-Enthaltung die Senatsvorlage über die Schaffung einer Universitätseinrichtung für Perinatale Medizin unter Leitung von Prof. Dr. Saling.

 

1. Febr.

Der Chef der Berliner Chirurgischen Universitätsklinik, Professor Emil Bücherl, schätzt die Zeit für die Entwicklung eines funktionsfähigen Kunststoffherzens auf fünf Jahre. Die deutsche Entwicklung unter seiner Leitung sei im Augenblick weiter als die amerikanische Forschung fortgeschritten.

 

2. Febr.

In der Kontroverse über die Prüfungspraxis am OSI nimmt der Fachbereichsrat mit fünf zwei Stimmen bei acht Enthaltungen einen Kompromißvorschlag der "Sozialistischen Assistentenzelle" (SAZ) an, demzufolge bei der Zwischenprüfung die schriftlichen Arbeiten des Grundstudiums zwar zusammen mit den Seminarscheinen eingereicht, diese jedoch nur noch nach den formalen Kriterien und nicht inhaltlich überprüft werden sollen.

 

8. Febr.

Im Wintersemester sind 18.223 Studenten an der FU immatrikuliert, 5 % mehr als im vergangenen Sommersemester.

 

14. Febr.

Das Kuratorium der FU beschließt auf seiner 167. Sitzung die Gründung einer Zentraleinrichtung für Datenverarbeitung.

 

21. Febr.

Wissenschaftssenator Stein weist - nach Beginn der Semesterferien - FU-Präsident Kreibich an, Dr. Wolfgang Lefèvre nicht als Wissenschaftlichen Assistenten anzustellen.

 

22. Febr.

Wissenschaftssenator Stein gibt bekannt, er werde den belgischen Trotzkisten Ernest Mandel nicht an die Freie Universität auf den Lehrstuhl für Ökonomische Theorie der Sozialpolitik berufen.

 

24. Febr.

Die Vizepräsidentin der FU, Professor Dr. von Brentano, tritt aus Protest gegen den Beschluß des Berliner Senats, Ernest Mandel nicht zu berufen, von ihrem Amt zurück.

 

28. Febr.

Auf Ersuchen des Berliner Senats ordnet Bundesinnenminister Genscher eine Einreisesperre gegen Ernest Mandel an.

Auf einer Protestversammlung gegen das Einstellungsverbot Mandels und Lefèvres, die von ca. 2.000 Studenten im Auditorium maximum der FU besucht wird, werden für das Sommersemester Streiks im gesamten Universitätsbereich angekündigt.

 

13. März

Eine neue Methode zur Bauchspiegelung mit gleichzeitiger Punktion von Dr. Meyer-Burg vom Klinikum Steglitz wird auf dem 5. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Endoskopie in Erlangen als "Beseitigung eines weißen Fleckes auf der Landkarte der Endoskopie" charakterisiert.

 

3. April

Im "Spiegel" wird massive Kritik am Klinikum Steglitz geübt. Es konfus und überdimensioniert geplant worden, ein desolates Management, durchkreuzt von Sonderinteressen einzelner Klinikchefs, drücke den medizinischen Standard, und trotz aller Reformen hätten die meisten Chefärzte weiterhin hierarchische Strukturen und ökonomische Privilegien bewahrt. Hervorgehoben wird der fehlerhafte Einsatz der Datenverarbeitung sowie die hohen Einnahmen der Klinikdirektoren, die nur zu einem Bruchteil ordnungsgemäß mit dem Krankenhaus abgerechnet würden.

 

13. April

Die "Reformsozialisten" (REFOS), der etwa fünf, und die "Liberale Aktion" (LA), der ca. zehn ihrer 25 Professoren dem OSI angehören, fordern aufgrund der Entwicklung in den vergangenen zwei Semestern die Auflösung des Fachbereichs in einen marxistischen und einen nichtmarxistischen Teil.

 

18. April

Vom 18. bis zum 24. April besuchen der Rektor der Leningrader Universität, Prof. Dr. G. J. Makarov, sowie der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Lavrov die Freie Universität Berlin. Seit 1969 arbeiten jährlich je zwei Nachwuchswissenschaftler für 10 Monate an der Partneruniversität, außerdem sind mehrere kürzere Austauschaufenthalte für Professoren vorgesehen.

 

19. April

Wissenschaftssenator Stein dem Anglisten Prof. Dr. Scheler den von diesem erbetenen Schutz für seine Lehrveranstaltungen zu. Der "Kommunistische Studentenverband" (KSV) hatte eine “Umfunktionierung“ seiner Veranstaltung angekündigt.

In einer Presseerklärung verweist Wissenschaftssenator Stein auf die "entscheidende Bedeutung" des Sommersemesters für das Schicksal der Hochschulreform.

 

24. April

Beginn des studentischen Streik gegen die Nichtberufung Ernest Mandels und das Einstellungsverbot gegen Wolfgang Lefèvre.

 

l. Mai

Dr. Claus Rietzschel, bis 1971 Assistent am Lehrstuhl für Altes Testament der Universität Münster, danach verantwortlicher Redakteur der "Münster Presse", wird Pressereferent der FU.

 

4. Mai

Im Sommersemester sind an der FU 20.500 Studenten immatrikuliert. Die FU erreicht damit schon in diesem Semester die Zahl, die der Wissenschaftsrat als Ausbauziel für 1976 voraussichtlich empfehlen wird.

 

8. Mai

Der Staatsrechtler Prof. Dr. Quaritsch wird mit Farbeiern beworfen.

 

10. Mai

32 Hochschullehrer, unter ihnen Prof. Dr. Abendroth aus Marburg und Prof. Dr. Wesel von der FU Berlin, veröffentlichen einen Gründungsaufruf für einen "Bund Demokratischer Wissenschaftler".

 

13. Mai

Die Parade der westalliierten Besatzungstruppen zum "Tag der Alliierten Streitkräfte", die eine Stunde lang auf der Straße des 17. Juni vor ca. 25.000 Zuschauern vorbeidefiliert, wird mit heftigen Mißfallens- wie auch Beifallskundgebungen bedacht. Am Nachmittag desselben Tages findet eine Demonstration gegen den Krieg in Vietnam statt, an der sich ca. 6.500 Teilnehmer beteiligen.

 

31. Mai

Am Vortag der Gerichtsentscheidung über die Rechtmäßigkeit des Verbots dreier germanistischer Seminare, besetzen Mitglieder des "Kommunistischen Studentenverbandes" (KSV) das germanische Seminar der FU. Die "Aktionsgemeinschaft von Demokraten und Sozialisten" hatte gegen die Besetzung gestimmt.

 

1. Juni

Das Berliner Oberverwaltungsgericht entscheidet, daß die Absetzung dreier Lehrveranstaltungen der Germanisten im Wintersemester durch Wissenschaftssenator Stein unrechtmäßig gewesen sei. Nach Auffassung Senator Steins hatten diese von der "Roten Zelle Germanistik" empfohlenen Lehrveranstaltungen das Recht auf Lehr- und Meinungsfreiheit überschritten und gegen die verfassungsmäßige Grundordnung verstoßen.

 

5. Juni

Nach einem Streikbeschluß des "Kommunistischen Studentenverbandes" (KSV) vom 2. Juni, um das Prüfungsrecht für Prof. Dr. Domdey im Staatsexamen durchzusetzen, schließt der Präsident der FU das Germanische Seminar für zwei Tage mit der erklärten Absicht, damit einen Polizeieinsatz zu vermeiden. Am Nachmittag des 5. Juni brechen Studenten Türen auf und besetzen das Seminargebäude. Der Präsident ruft daraufhin - zum ersten Mal in seiner Amtszeit - die Polizei, die das Gebäude umstellt, und sperrt Strom und Wasser für die Besetzer.

Nach Wiederöffnung, Störung und abermaliger Schließung erklärt Senator Löffler in einem Gespräch mit Vizepräsident Wesel und Prof. Dr. Domdey am 8. Juni, in dem dieser alle Amtspflichten eines Hochschullehrers im Staatlichen Prüfungsamt akzeptiert, daß er die Prüfungserlaubnis erteilen wolle.

 

9. Juni

Sämtliche sieben Hochschullehrer in der Gemeinsamen Kommission am Klinikum Steglitz, dem für die Organisation der Krankenversorgung zuständigen Gremium zwischen den Fachbereichen, treten wegen der Politisierung von Sachentscheidungen durch die "Linke Fraktion" zurück.

 

19. Juni

Im Verfahren gegen die Baader-Meinhof-Gruppe wird der Verteidiger Gudrun Ensslins, Rechtsanwalt Otto Schily, von der Verteidigung ausgeschlossen, weil bei Ulrike Meinhof ein Kassiber von Gudrun Ensslin gefunden worden war. In dem daraufhin von der Bundesanwaltschaft auch gegen ihn eingeleiteten Verfahren wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung (da er unkontrolliert Kontakt mit Gudrun Ensslin hatte) übernimmt der Vizepräsident der FU, Prof. Dr. Wesel Schilys Verteidigung, der jeden Verdacht entschieden zurückweist.

 

28. Juni

Bei den Fachbereichs- und Institutsratswahlen ist die studentische“Aktionsgemeinschaft von Demokraten und Sozialisten“ (ADS) mit 26 von 77 Sitzen der große Wahlgewinner, während der KSV nur sieben Vertreter in die Gremien entsendet.

In einer Wahlanalyse des "Tagesspiegels" vom 30. Juni werden für die Fachbereiche Vorklinik, Philosophie und Sozialwissenschaften, Altertumswissenschaften und Politische Wissenschaft linke Mehrheiten vorausgesagt, bei den Geowissenschaften hätten die Linken mit Sicherheit die Mehrheit verloren, vermutlich auch bei den Germanisten. In vielen Fachbereichen sei die Stimme der Anderen Dienstkraft ausschlaggebend

 

17. Juli

Das Kuratorium der FU beschließt die Errichtung einer betriebseigenen Kindertagesstätte nach den Richtlinien des Senators für Familie, Jugend und Sport.

 

18. Aug.

Das Präsidialamt teilt mit, daß Professor Urs Jaeggi von der Ruhruniversität Bochum einen Ruf an die FU auf eine ordentliche Professur für Soziologie angenommen hat. Die FU gewinne damit einen Soziologen von "außerordentlichem Rang". Prof. Dr. Jaeggi erklärt, daß es ihm wichtig sei, in einer Reformuniversität zu arbeiten.

 

24. Aug.

Der Ferienausschuß des Akademischen Senats stimmt der Untergliederung des Fachbereichs Politische Wissenschaft in vier Wissenschaftliche Einrichtungen mit 10:1:0 Stimmen zu.

 

18. Sept.

Das Kuratorium der FU wählt zum Nachfolger des in die Senatsverwaltung übergewechselten Kanzlers der FU Hildebrandt den 34jährigen Juristen Detlef Borrmann.

 

11. Nov.

Nach einer vorläufigen Statistik ist die Zahl der Studierenden an der FU von 20.866 im Sommersemester 1972 auf annähernd 22.000 im Wintersemester gestiegen.

 

20. Nov.

Beginn des Streiks gegen die Verweigerung des Prüfungsrechts für etliche Hochschullehrer durch den Senator für Schulwesen, Löffler, an der Pädagogischen Hochschule.

 

27. Nov.

Der studentische Streik weitet sich im Laufe der Woche auf die ganze Universität aus.

 

4. – 8. Dez.

Fortsetzung des studentischen Streiks. Nur in den Fachbereichen Zahnmedizin und Chemie wird die Arbeit unbestreikt fortgesetzt.

 

 

 

 

1973

 

11. Jan.

Von 30 Berufungsverhandlungen im Jahre 1972 wurden nach Angaben der FU-Pressestelle 22 positiv abgeschlossen, davon vier "Hausberufungen" an Angehörige der FU. Auch seien von 20 Bleibeverhandlungen 13 erfolgreich abgeschlossen worden. Schlußfolgerung des Präsidialamts: "Damit dürfte dem Schlagwort von der Professorenflucht endgültig jeder Realitätsbezug genommen sein."

 

15. Jan.

Durch unbekannte Täter werden in der Nacht mit Pflastersteinen drei Fensterscheiben der Wohnung Prof. Dr. Zerches eingeworfen. Die Steine sind in Papiertücher eingewickelt, auf denen Prof. Dr. Zerche als "Denunziant" und "Streikbrecher" bezeichnet wird.

 

16. Jan.

Die Mehrheit einer studentischen Vollversammlung beschließt die Fortsetzung des Streiks vom 17. bis zum 19. Jan..

 

17. Jan.

Wissenschaftssenator Stein veröffentlicht den Referentenentwurf zur Novellierung des Berliner Universitätsgesetzes.

 

18. Jan.

In einer Erklärung, die von FU-Präsident Kreibich und den Vizepräsidenten Wesel und Lax unterzeichnet ist, wird der Novellierungsentwurf als "Kampfansage" an alle gewertet, die sich für die Grundsätze des Universitätsgesetzes von 1969 engagiert haben. Ergebnis einer solchen Novellierung sei die "formierte Universität" mit direkten Staatseingriffen in den Wissenschaftsprozeß.

 

24. Jan.

Der Kunsthistoriker und geschäftsführende Gründungsrektor der FU, Prof. Dr. Edwin Redslob, stirbt im Alter von 88 Jahren.

 

26. Jan.

Ein Schöffengericht verurteilt zwei Anglistikstudenten der FU (Lehrveranstlatung Prof. Scheler) zu einer Geldstrafe von je 400,-- DM wegen "gemeinschaftlicher Nötigung".

 

31. Jan.

Die Freie Universität verleiht Prof. Dr. Hans Freiherr von Kreß die Ehrenmitgliedschaft.

 

13. Febr.

Nach über fünfjähriger Bauzeit wird der erste Bauabschnitt auf dem Obstbaugelände (“Rostlaube") vom Bausenator an die FU übergeben.

 

16. Febr.

Im abgelaufenen Wintersemester waren an der FU 22.667 Studenten eingeschrieben (TU: 15.307), in Berlin waren es insgesamt ca. 53.000 Studierende.

 

28. Febr.

Im Alter von 70 Jahren stirbt Prof. Dr. Hans Freiherr von Kreß.

 

l. April

Der Historiker Prof. Dr. Ernst Nolte, Vorstandsmitglied des "Bundes Freiheit der Wissenschaften", wechselt von der Universität Marburg zur FU Berlin.

 

6. April

Nach zweijähriger Diskussion und nach der Vorentscheidung im Akademischen Senat beschließt das Kuratorium unterhalb der Wissenschaftlichen Einrichtungen die Organisation von ca. 65 Abteilungen im Klinikbereich.

 

18. April

Anhänger des "Kommunistischen Studentenverbandes" (KSV) ein Hauptseminar des Anglisten Prof. Dr. Scheler, indem sie den Seminarraum besetzen. Auf Flugblättern wird Professor Scheler als "Denunziant der Notgemeinschaft" bezeichnet, weil er als Zeuge vor Gericht gegen zwei Studenten ausgesagt hatte.

In einem Leserbrief an die "Berliner Morgenpost" vom 6. Mai kritisiert der Leitende Polizeidirektor Dittmann als Einsatzleiter am Englischen Seminar u.a. auch das Verhalten Prof. Dr. Schelers als "beinahe provozierend". Dieser habe Personalienfeststellung von Personen verlangt, mit denen er lediglich auf der Straße einen heftigen Disput geführt habe.

 

26. April

Auf einer studentischen Vollversammlung der FU, auf der die SEW-nahen "Aktionsgemeinschaften von Demokraten und Sozialisten" (ADS) wesentlichen Einfluß ausüben, wird die Wiedereinführung eines Studentenparlaments (Konvent) und eines Allgemeinen Studentenausschusses (AStA) gefordert.

 

30. April

Am Klinikum Steglitz wird der Neurologe Privatdozent Dr. Matakas, der mit der "Aktionsgemeinschaft von Demokraten und Sozialisten" (ADS) zusammenarbeiten will, von der Gemeinsamen Kommission zum ärztlichen Direktor gewählt.

 

15.-24. Mai

Von allen Fachbereichen der FU liegen Streikbeschlüsse vor.

 

18. Mai

Das Kuratorium der FU beschließt bei nur drei Gegenstimmen (darunter der Vertreter der "Liberalen Aktion" und die CDU-Abgeordnete Besser) entgegen den Vorschlägen des Akademischen Senats vom 2. Mai eine Neugliederung der humanmedizinischen Fachbereiche. An die Stelle von bisher sechs Fachbereichen treten danach drei neue Fachbereiche. Das Kuratorium beschließt weiterhin die Errichtung einer Zentraleinrichtung "Sprachlabor".

 

29. Mai

Der 1. Senat des Bundesverfassungsgerichts verkündet grundsätzliche Entscheidungen über die Machtabgrenzung zwischen Hochschullehrern und anderen Mitgliedern der Hochschulen. Die Gruppenuniversität wird in dem Urteil grundsätzlich für verfassungskonform erklärt. In den Beschlußorganen dürfe die Gruppe der Hochschullehrer bei Entscheidungen über Fragen von Forschung und Lehre nicht überstimmt werden.

 

13. Juni

Wiederaufnahme des studentischen Streiks vom Mai.

 

23. Juni

Unbekannte Täter verwüsten in der Nacht das Institut für Geschichtswissenschaften im Neubau auf dem Obstbaugelände ("Rostlaube").

 

26. bis 28. Juni

Bei den studentischen Wahlen für die Fachbereichsräte gewinnen linke Gruppen den Hauptanteil der insgesamt 75 Sitze, unter ihnen ist mit 29 Sitzen die SEW-nahe "Aktionsgemeinschaft von Demokraten und Sozialisten" am erfolgreichsten.

 

28. Juni

Das Abgeordnetenhaus verabschiedet mit den Stimmen der SPD das Novellierungsgesetz zum Lehrerbildungsgesetz (“Löffler-Plan“). Aus Protest gegen die Novellierung und die Hochschulpolitik des Senats demonstrieren ca. 6000 Personen in der Innenstadt.

Der Vizepräsident der FU, Prof. Dr. Wesel, tritt am selben Tag aus Protest gegen die Novellierung zurück.

 

 

Die meisten Daten stammen aus:

Siegward Lönnendonker/Tilman Fichter unter Mitarbeit von Claus Rietzschel, Freie Universität Berlin 1948-1973 - Hochschule im Umbruch

    Teil I 1945-1949 "Gegengründung wozu?", Berlin 1973

    Teil II 1949-1957 "Konsolidierung um jeden Preis", Berlin 1974

    Teil III 1958-1964 "Auf dem Weg in den Dissens", Berlin 1974

    Teil IV 1964-1967 "Die Krise", Berlin 1975

zusammen mit Jochen Staadt:

    Teil V 1967-1969 "Gewalt und Gegengewalt", Berlin 1983

Peter Jahn/Annemarie Kleinert/Jochen Staadt:

    Teil VI 1969-1973 "Die oktroyierte Reform" Berlin 1990.

 

Gesamtübersicht Home/Startseite